Recycling-Projekt

So viel Schaden richten ausgemusterte Mobiltelefone an

Nach einer Nutzungsdauer von gerade einmal zwei Jahren landen die meisten Handys im Müll. | Foto: Oleg Doroshin/stock.adobe.com2022/02/SmartphonesOlegDoroshinAdobeStock_281084811-scaled.jpeg

NÜRNBERGER LAND – Über 200 Handys liegen ungenutzt in deutschen Haushalten herum. 18 bis 24 Monate werden Smartphones hierzulande in der Regel genutzt, bevor sie ausgemustert und durch neue Modelle ersetzt werden. Ein Umstand, der Umweltschützern und Menschenrechtlern Kopfschmerzen bereitet. Ein Projekt will nun Abhilfe schaffen.

Die riesige Zahl von Altgeräten führt zu einem Entsorgungsproblem, das weit über bloße Ressourcenverschwendung hinausgeht. Das Projekt „HandyAktion Bayern“ nimmt sich seit 2017 dieser Thematik an und versucht, gemeinsam mit der Telekom das Recycling alter Mobiltelefone voranzutreiben. Organisiert wird das Projekt von der evangelischen Entwicklungsorganisation Mission Eine Welt.

Smartphoneindustrie in der Kritik

Im Rahmen mehrerer Online-Seminare berät und unterstützt „HandyAktion Bayern“ Bürger bei der Entsorgung ihrer Altgeräte. Während eines einstündigen Vortrags beleuchtet Seminarleiterin Denice Kanda die gesamte Wertschöpfungskette der Smartphone-Industrie kritisch. Sie berichtet dabei von Kinderarbeit, Umweltverschmutzung und politischem Versagen. Des Weiteren betont sie das enorme Recycling-Potenzial, das hierzulande in Schubladen und Wühlkisten schlummert.

Illegal nach Afrika

„Man könnte knapp fünf Tonnen Gold und über 25 Tonnen Silber zurückgewinnen“, erklärt Kanda im Hinblick auf die Wiederverwertung alter Handys. Ein großer Teil der Elektronikabfälle wird jedoch nicht sachgemäß entsorgt, geschweige denn recycelt. Seit Jahrzehnten werden riesige Mengen Elektromüll illegal nach Afrika verschifft.

In Ghanas Hauptstadt Accra türmen sich auf der Schrottdeponie Agbogbloshie gigantische Schrottberge. Knapp 4000 Menschen, darunter viele Kinder, arbeiten dort ohne Schutzmaßnahmen, verbrennen und zerlegen den giftigen Abfall und versuchen so an die kostbaren Metalle der Smartphones und Tablets zu gelangen.

Reparatur möglich?

Aufklärung und Unterrichtsmaterialien allein genügen jedoch nicht, um das strukturelle Recycling-Problem zu lösen. Auch Lobbyarbeit auf bundes- und europapolitischer Ebene ist notwendig und gehört zur Arbeit des deutschlandweit vertretenen Projekts. „Wir brauchen klare Regeln für die Reparaturfähigkeit und das Produktdesign der Geräte“, sagt Gisela Voltz, Pfarrerin bei Mission Eine Welt.

Aber es gibt auch Hoffnung: Geräte wie das niederländische „Fairphone“ zeigen, dass nachhaltige Smartphones zu marktüblichen Preisen produziert und verkauft werden können. So soll das neue Modell Fairphone 4 elektronikmüllneutral sein, für jedes verkaufte Modell soll ein Smartphone generalüberholt oder die gleiche Menge an Elektronikmüll recycelt werden. Nun hat Fairphone das Umweltzeichen Blauer Engel erhalten.

Zahlreiche Abgabestellen

Für jedes mobile Telefon, das den Weg in eine Abgabestelle findet, erhält Mission Eine Welt 50 Cent, womit unter anderem Bildungsprojekte in El Salvador und Liberia gefördert werden. „Wichtig ist, dass vor der Abgabe Speicherkarten und Akkus entfernt werden“, erklärt Monika Schwarzfischer vom Lorenzer Laden „LoLa“.

Bereits seit mehreren Jahren befindet sich dort eine von zehn Abgabestellen im Nürnberger Stadtgebiet. Wo überall im Nürnberger Land Abgabestellen zu finden sind, findet sich unter www.mission-einewelt.de/kampagnen/handyaktion-bayern/ .

Nachdem die Geräte an die Telekom verschickt wurden, werden alle noch vorhandenen Daten von einer Spezialfirma gelöscht. Funktionsfähige Smartphones können anschließend gebraucht weiterverkauft werden, der Rest wird in Deutschland recycelt.

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