Neuer Marktgemeinderat formiert sich

„17 und 4“ im Schnaittacher Rat

Der neue Bürgermeister Frank Pitterlein beim Amtseid, den die Ratsälteste Irmi Vollmuth abnahm.2014/05/82035_SchnaittachAmtseidFPitterleinBgm_New_1399652464.jpg

SCHNAITTACH — Mit dem neuen Bürgermeister Frank Pitterlein (CSU) weht ein etwas anderer Wind in Schnaittach. So viel lässt sich nach der ersten, der konstituierenden Sitzung des neuen Gemeinderats schon sagen, die im Übrigen von so vielen Zuschauern besucht war, dass die Plätze auf der Galerie nicht ausreichten. Bei zwei Entscheidungen zeigte sich klar die politische Trennlinie für die nächsten Jahre: Mit jeweils 17:4 überstimmten CSU und SPD die Bunte Liste – bei der Wahl des zweiten Bürgermeisters Karlheinz Lang (SPD) und als es um das Sitzzuteilungsverfahren für die Ausschüsse ging.

Die Machtverhältnisse haben sich in Schnaittach also nicht wirklich verschoben. Denn auch bisher haben CSU und SPD nicht eng, aber doch gut zusammengearbeitet, wie der jetzt als Gemeinderat vereidigte Bürgermeister a. D. Georg Brandmüller immer betonte. Wie sich bereits abzeichnet, dürfte es bei neun CSU-Räten plus Bürgermeisterstimme, sieben SPD- und vier Bunte-Liste-Vertretern auch dabei bleiben. Die Opposition bildeten bisher – freilich nicht immer mit einheitlichem Kurs – die ausgeschiedene Gruppe Fair und die nun unter dem Dach der Bunten Liste zusammengefasste Fraktionsgemeinschaft von Freien Wählern und Grünen.

Ein erster Koalitionstest war die Wahl zum Bürgermeister-Stellvertreter. Thomas Winter (Bunte Liste) ging gegen Karlheinz Lang (SPD) aussichtslos ins Rennen, wie sich dann herausstellte. Ähnlich lief es mit dem Antrag der Bunten Liste, sich bei der Ausschussbesetzung am Sainte-Laque/Schepers-Verfahren statt wie bisher an Hare/Niemeyer zu halten. Damit hätte sie mehr Plätze zugesprochen bekommen, was aus ihrer Sicht mehr dem Wählerwillen entsprochen hätte. Mit 17:4 lehnten CSU und SPD dies ab. Nach der Sitzung prägte Winter ein möglicherweise neues geflügeltes Wort für Schnaittach: vom „17 und 4 im Marktgemeinderat“, angelehnt an die gleichnamige Pokervariante. Gemeint ist aber die sich abzeichnende einsame Oppositionsrolle gegen eine Große Koalition.

Dennoch hat sich mit dem neuen Bürgermeister auch etwas im Sinne der Bunten Liste geändert. Pitterlein legte erkennbar viel Wert darauf, dass nicht nur jeder Gemeinderat, sondern auch jeder Laie auf der Zuschauerbank verstand, was gerade vorging. So erläuterte der frisch vereidigte Rathauschef jeden Punkt ausführlich und setzte auch erstmals – wie im Wahlkampf angekündigt – die ganze Sitzung über einen Beamer ein. So konnte jeder den jeweiligen Tagesordnungspunkt von der Leinwand ablesen und eine Grafik veranschaulichte sogar die Auswirkung des Bunte-Liste-Antrags für die Ausschussbesetzung.

Auch in seiner Antrittsrede legte der 38-Jährige viel Wert auf Klarheit. Er freue sich über das große Interesse aus der Bürgerschaft, begann er. Der Gemeinderat brauche diese Bestätigung, auch auf Dauer. Schließlich wolle das Gremium „erfolgreich, sachlich und sicher auch kontrovers gute Ziele für die Bürger Schnaittachs“ verfolgen. Wichtig sei ihm dabei ein offener Umgang, so wie er bislang bereits üblich gewesen sei.

Für ihn selbst stünden „sehr viele Themen“ an in den nächsten sechs Jahren. In seiner Rede beschränkte sich Pitterlein aber auf die nächsten Aufgaben:

1. die Öffnung des Freibads zum bekannten Termin 17. Mai, was „anspruchsvoll“ sei, aber Bauhof und Firmen seien dran und es sehe sehr gut aus. – 2. ein sogenanntes „kleines Leitbild“, ein Entwicklungskonzept, für den Kernort bis Herbst, damit sich Schnaittach künftig „weiter Fördertöpfe erschließen kann“. Dies soll laut Pitterlein in einen „griffigen Markenslogan“ münden, der bestmöglich ausdrückt, was Schnaittach ausmacht.

Für ihn gehe es nun zunächst auch darum, dass die Verwaltung ihn und er die Mitarbeiter kennenlernt. „Wir müssen uns an manchen Stellen reiben und an anderen Stellen einander anpassen“, sagte der Bürgermeister, der zugleich von guten, motivierten Mitarbeitern sprach. Alles weitere werde sich in den nächsten Monaten und Jahren ergeben.

Bei den Fraktionssprechern hat sich nichts geändert: Johannes Merkel (CSU), Ulrich Weber (SPD) und das Tandem Karin Dobbert und Thomas Winter (Bunte Liste) behalten ihre Posten. Verabschiedet wurde offiziell noch die bisherige zweite Bürgermeisterin Karin Müller (CSU). Sie bekam lang anhaltenden Applaus.

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