Gute Chancen für Listenbewerber aus dem Nürnberger Land

Mehr als ein Abgeordneter für den Landkreis?

Die Kabarettistin und stellvertretende Simmelsdorfer Bürgermeisterin Andrea Lipka hat gute Chancen, für die SPD über die Liste in den Landtag einzuziehen. | Foto: Sichelstiel2018/08/lipka-wahlplakat-spd-.jpg

NÜRNBERGER LAND — Stellt das Nürnberger Land nach der Landtagswahl am 14. Oktober mehr als nur einen Abgeordneten im Maximilianeum?

Die SPD-Direktkandidatin Andrea Lipka und der AfD-Mann Ralph Müller aus Altdorf stehen weit vorne auf den mittelfränkischen Listen ihrer Parteien – Lipka auf dem vierten, Müller auf dem zweiten Platz. Die Lauferin Christine Deutschmann führt die Liste der von Claudia Stamm gegründeten „mut“-Partei im Wahlkreis Mittelfranken, der mit dem Bezirk identisch ist, sogar an. 15 solcher Wahlkreisvorschläge sind Mitte August offiziell zugelassen worden, darauf finden sich viele Namen aus dem PZ-Verbreitungsgebiet.

Trotzdem bekommt Norbert Dünkel, der das Direktmandat für die CSU im Nürnberger Land verteidigen will, im Falle seiner Wiederwahl nicht automatisch einen Kollegen oder eine Kollegin aus dem Landkreis. Anders als bei der Bundestagswahl entscheidet bei der Abstimmung über den Landtag nicht der Listenplatz darüber, wer einen Sitz ergattert, sondern die Summe aus Erst- und
Zweitstimmen, die ein Kandidat erhält. Der Wähler kann seine Zweitstimme frei verteilen, er ist nicht an die von den Parteien vorgegebene Reihenfolge gebunden.

‚In ganz Mittelfranken wählbar‘

Stimmen müssen die Kandidaten, die ins Maximilianeum wollen, also nicht nur in ihrem Direktstimmkreis einfahren, sondern auch im Rest des Wahlkreises. „Wir sind in ganz Mittelfranken wählbar“, sagt Lipka, die aus diesem Grund Wahlkampfveranstaltungen auch im Nachbarlandkreis Roth oder in Nürnberg besucht, so weit es ihr Terminplan zulässt.

Dass der Zahnarzt Ralph Müller aus Altdorf, der den zweiten Platz der AfD-Liste belegt und als Direktkandidat im Nürnberger Land antritt, in den Landtag einzieht, ist vor diesem Hintergrund noch nicht ausgemacht, auch wenn die Rechtspopulisten in den letzten Umfragen sogar die SPD überholt haben. Seine Nürnberger AfD-Mitbewerber dürften, obschon am Ende der Liste der Partei, unter Umständen mehr Erst- und Zweitstimmen bekommen.

Lipka, die Kabarettistin („Glückserei“), die für die SPD antritt, hat mit Platz 4 in Mittelfranken immerhin „eine gute Startposition“, wie sie selbst sagt. Die Position oben auf der Liste mache sie „leichter findbar“. 2013 schickte die SPD insgesamt sieben Abgeordnete aus dem Bezirk in den Landtag, darunter jene Kandidaten, deren Namen auf den ersten fünf Listenplätzen standen. Nur Arif Tasdelen (Nürnberg-Nord) und Harry Scheuenstuhl (Neustadt/Bad Windsheim/Fürth-Land) wurden „vorgewählt“.

SPD hofft auf Erfolg

Martina Baumann, die Vorsitzende der Sozialdemokraten im Nürnberger Land, ist sich auch deshalb sicher: „Ich sehe Andrea Lipka im Landtag.“ Für die Genossen im Landkreis wäre das ein wichtiger Erfolg: Seit dem Rückzug des damals stellvertretenden SPD-Landesvorsitzenden Thomas Beyer aus der Politik 2013 wird der Stimmkreis unmittelbar nur durch die CSU vertreten. Der gute Listenplatz für Lipka ist ein Signal: „Die Partei hat erkannt, dass es gut ist, wenn man Mandate über den Wahlkreis verteilt“, sagt Baumann im Gespräch mit der PZ.

Das Nürnberger Land konnte sich zuletzt bei der Aufstellung der SPD-Listen kaum durchsetzen: Alexander Horlamus, Direktkandidat bei der Bundestagswahl 2017, musste auf Platz 36 der Landesliste antreten. Damit war er von Anfang an chancenlos. Seinem Vorgänger Christian Nürnberger ging es ähnlich.

Bei der CSU hingegen spielt die Liste ohnehin eine geringere Rolle: Die Abgeordneten der Christsozialen aus dem Wahlkreis haben alle ein Direktmandat, über die Liste kämen nur Bewerber zum Zug, wenn der Partei durch einen hohen Stimmenanteil mehr Sitze zuststehen würden als über die Erstimmen schon verteilt wurden. Die Röthenbacherin Cornelia Trinkl steht hier auf Platz 8.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel