Lebenshilfe-Projekt: Motiviert und voll integriert

Christina Oehm (Mitte) mag ihre Arbeit im Bistro des Laufer Biomarktes. Ihre Chefin Erika Vogel (links) ist rundum mit ihrer neuen Angestellten zufrieden.2010/08/lebenshilfe_oehm_biomarkt_.jpg

LAUF/SCHÖNBERG — Mit dem Ende der Schulzeit beginnt für Jugendliche ein neuer Lebensabschnitt. Das ist auch bei jungen Frauen und Männern mit Handicap nicht anders. Mit dem Übergang von der Schule in die Arbeitswelt stellt sich auch die Frage, welche beruflichen Möglichkeiten Menschen mit geistiger Behinderung offen stehen. Nicht zwangsläufig führt der Weg in eine Werkstatt für behinderte Menschen. Die Lebenshilfe Nürnberger Land hat verschiedene Projekte, die beim Übergang in den ersten Arbeitsmarkt helfen sollen. Ein gutes Beispiel für gelungene Inklusion ist Christine Oehm. Die 26-Jährige mit Lernbehinderung arbeitet im Bistro des Biomarktes in Lauf und ist mit ihrer Arbeit vollends zufrieden – genau wie ihre Chefin Erika Vogel.

„Ich bin sehr stolz, dass ich hier arbeite“, sagt Christine Oehm. Die junge Frau mit Lernbehinderung arbeitet seit 1. April im Laufer Biomarkt. Sie unterstützt das Fachmarkt-Team mit Gemüse-Schnippeln, Pizza-Belegen, spülen oder Tische-Wischen. Tätigkeiten, die Christine Oehm ausfüllen. Der Weg dahin war für die 26-Jährige nicht einfach: Seit fünf Jahren ist sie betreute Mitarbeiterin der Moritzberg-Werkstätten, seit zwei Jahren gehört sie dem Inklusionsprojekt der Lebenshilfe an, dessen Ziel es ist, Menschen mit Behinderung auf den allgemeinen Arbeitsmarkt sowie in die Gemeinschaft einzugliedern. Die Teilnehmer werden regelmäßig in Service und Sozialverhalten geschult.

So hat auch Christine Oehm neben der Theorie im Unterricht schon erste praktische Erfahrungen gesammelt: im Café des Laufer Indus­triemuseums, das die Schönberger Projektgruppe über ein Jahr lang führte, sowie in weiteren Serviceeinsätzen bei Firmen- und Verbandsfesten.

Presseberichte über die Lebenshilfeprojekte machten Biomarktchefin Erika Vogel aufmerksam: „Ich konnte mir gut vorstellen, bei uns im Bioladen auch einen integrativen Arbeitsplatz zu schaffen.“ Nach ausführlichen Gesprächen und einer Arbeitsplatz- und Kompetenzanlayse stellte Christine Oehm ihre Fähigkeiten in einem Praktikum unter Beweis. Mit Erfolg: Seit April besteht zwischen Bioladen und Lebenshilfe-Werkstätten ein Vertrag über einen ausgelagerten Arbeitsplatz.

„Am liebsten schneide ich Gemüse“, erzählt Christine Oehm. Überfordert habe sie sich bisher nicht gefühlt, denn die Aufgaben kamen nach und nach. Sie freue sich sehr über diese Chance. Ein Außenarbeitsplatz bietet Arbeitnehmern mit Handicap einen möglichen Einstieg in ein reguläres Arbeitsverhältnis. Unter sozialer Begleitung einer Integrationsbeauftragten lernen sie neue Arbeitsprofile kennen, testen ihre Fähigkeiten und werden schrittweise an die Arbeitsbedingungen herangeführt. Auch Christine Oehm wird weiterhin regelmäßig von der Lebenshilfe-Integrationsfachkraft Britta Neumayr unterstützt. Sie ist auch Ansprechpartnerin für das gesamte Markt-Team.

Die 26-Jährige hat sich gut integriert. „Man merkt ihr die Freude an ihrer Arbeit förmlich an“, finden ihre Biomarkt-Kolleginnen, die die junge Frau bei der Einarbeitung angeleitet und unterstützt haben. „Frau Oehm gehört inzwischen zum Team und macht sich gut“, lobt Chefin Vogel, „wir sind sehr stolz, sie bei uns zu haben, denn sie ist motiviert, immer freundlich und sehr zuverlässig“. Auch die Integrationsbeauftragte hat nur Positives berichten: „Frau Oehm ist gut integriert, selbstsicher und viel selbstständiger geworden. Sie benutzt ohne Probleme öffentliche Verkehrsmittel, um zur Arbeit zu kommen.“

Das Modell des Außenarbeitsplatzes hat sich bewährt. Seit 2009 haben die Moritzberg-Werkstätten vier weitere solcher Stellen eingerichtet. Ein junger Mann hat den Übergang auf den allgemeinen Arbeitsmarkt bereits geschafft. Lebenshilfe-Geschäftsführer Norbert Dünkel sieht darin ein gelungenes Beispiel zur Inklusion von Menschen mit Handicap und hofft auf viele Nachahmer.  

Mehr Normalität im Umgang untereinander

Ein weiteres Projekt, das die Lebenshilfe vor über zehn Jahren begonnen hat, wird in Kooperation mit dem Erlanger Integrationsdienst „Access“ durchgeführt. Jedes Jahr erhalten geeignete Schüler die Chance sich direkt nach der Schule durch ein betriebliches Arbeitstraining auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt zu bewähren. Im vergangenen Schuljahr wurden sieben Schüler begleitet. „Drei konnten direkt in Arbeit vermittelt werden, zwei in weiterführende Maßnahmen und ein Schüler wird im kommenden Schuljahr weiterbegleitet. Ein Ergebnis, das sich sehen lassen kann“, findet Access-Geschäftsführer Karl-Heinz Miederer. „Jedes Praktikum trägt durch Kontakt mit Menschen mit Behinderung dazu bei, dass sich noch mehr Verständnis, Achtung und Normalität im Umgang miteinander einstellen“, ergänzt Dünkel.

Die Access-Mitarbeiter verstehen sich als „Brückenbauer“ zwischen Arbeitgeber und Berufsanwärter. Sie suchen aktiv geeignete Stellen, verhandeln im Vorfeld mit Arbeitgebern und informieren diese über Beschäftigungs- und Fördermöglichkeiten für behinderte Menschen. Beim Berufsstart leisten sie als sogenannte „Job-Coaches“ den anfänglich höheren Unterstützungsbedarf, den Menschen mit Handicap haben, ohne den betrieblichen Ablauf zu stören. 

Auch in diesem Jahr treten acht Schulabgänger aus dem Förderzentrum für geistige Entwicklung der Lebenshilfe in Schönberg mit Hilfe von Access ins Berufsleben. Stolz erklärt Sonderschullehrerin Ruth Kolb, dass zwei davon ein Arbeitsverhältnis auf dem allgemeinen Arbeitsmarkt beginnen. Zwei weitere Abgänger absolvieren zunächst ein Berufspraktikum, das durch Access begleitet wird. 

Eine, die es schon geschafft hat, ist Christine Zander. Sie ist seit 15. Juli im Café Ruff in Lauf angestellt. Vorher absolvierte sie sehr erfolgreich ein Praktikum im Hauswirtschaftsbereich der AOK Hersbruck.

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