Deftig-derbes Gelage unter Rittern

Unruhe auf der Burg, schließlich steht der Feind vor der Tür. Rechts beraten sich Recke Heinrich (Gerald Karrer) und Ritter Unkenstein (Bele Turba). Foto: Krieger2010/04/unkenstein_dht_ritter_ik_pz.jpg

DEHNBERG – »Da ham alte Ritter ghaust, denen hats vor gar nix graust …» – was als Lied am Schluss noch einmal für Stimmung sorgte, kann man getrost als Motto über die neueste Eigenproduktion des Dehnberger Hof Theaters stellen. Schrill, komisch und streckenweise herrlich dämlich ist die abendfüllende Musical-Persiflage »Ritter Unkenstein», die beim Premierenpublikum für viel Gelächter sorgte.

Den ersten Szenenapplaus gibt es schon, als Unkenstein (einfach genial: Bele Turba) umhüllt von Rauchschwaden die Bühne betritt und die erste Maß Bier des Abends – viele weitere werden folgen – in einem Zug leert. Der bärbeißige Ritter von Burg Dehnburg hat gar keinen guten Tag, sein Erzfeind Rodenstein macht ihm das Leben schwer, Tochter Kunigunde ist noch immer nicht verheiratet und Recke Heinrich (Karl Valentin mit Haut und Haaren: Gerald Karrer) nervt mit seinem bauernschlauen Geschwätz.

Was Unkenstein noch nicht weiß – Kunigunde (wie immer vielseitig: Tanja Maria Froidl) hat’s nicht nur faustdick hinter der Ohren, sondern auch ein süßes Geheimnis. Am Ende des Tages wird nichts mehr so sein, wie es einmal war …
So weit die mehr oder weniger sinnfreie Handlung des gleichnamigen Stücks von Karl Valentin, das der bayerische Volkskomiker 1939 in seiner »Ritterspelunke» in München erstmals aufgeführt hat und dabei selbst die Hauptrolle spielte. Doch Valentin wäre nicht Valentin, und die Mitglieder des Ensembles des Valentin-Karlstadt-Theaters keine würdigen Nachfolger, hätten sie es dabei belassen. Und so gesellen sich zu den derb-frivolen Dialogen und halsbrecherischen Selbstversuchen der Figuren, die Einfälle von Regisseur Ioan Toma, Texter Karl-Heinz Hummel und dem Komponisten Christian Auer.

Diese haben in der »Unkenstein»-Inszenierung des Dehnberger Hof Theaters alles verwurstet, was nicht niet- und nagelfest ist: Den Schauplatz (zwischen Bierfässern) verlegten sie kurzerhand nach Franken, wo schaurige Ritter aus Langwasser, Bullach und Kuhnhof das Sagen haben. Der Scharfrichter entpuppt sich als Weichei und will lieber Superstar werden, als den Kopf der hübschen Kunigunde abzuschlagen. Und ihre Herzensbrecher tragen denselbigen entweder schon unter dem Arm oder kommen als Elton-John-Imitat daher.

Dazwischen wird gesungen und Musik gemacht, was die Rüstung hergibt: 15 Songs hat Auer extra für das Stück komponiert und auch dabei ist ihm nichts heilig: Vom Rap über Bossa Nova und Blues bis hin zu Puccini und Alpenjodler, von Klavier über Waschbrett bis zum Bierfass muss alles herhalten – Hauptsache es lässt sich rocken und reimen. Die Lieder haben so sinnige Titel wie »Gummitwist» oder »Arschlings».
Mit einen der besten musikalischen Auftritte des Abends aber hat der Scharfrichter (Gregory Charamsa), der in einem herzzerreißenden Lied sein weiches Herz offenbart – und dafür ebenfalls mit Szenenapplaus bedacht wird. Und natürlich Karl Valentin alias Gerald Karrer, der in einer etwas aus dem Rahmen fallenden Traumszene nach der Pause solo sein schauspielerisches Können zeigen darf.

Fazit: ein deftig-derbes, herrlich sinnfreies Rittergelage mit fetten Zutaten und vielen musikalischen Gängen, nach dem ein Schnaps sicher nicht schadet. Prost.

N-Land Isabel Krieger
Isabel Krieger