Verein Gesundheitsregion krankt an engagierten Mitarbeitern

Was wird aus der Gesundheitsregion?

Cornelia Wilhelm. Foto: privat2014/10/5_2_1_2_20141025_INTERV.jpg

Große Kliniken, viele Ärzte und Praxen haben ihren Sitz hier: Die Hersbrucker Schweiz schmückt sich daher mit dem Titel der Gesundheitsregion. Um diese samt ihren Anbietern zu präsentieren, gibt es seit 2010 den Verein „Gesundheitsregion Nürnberger Land e.V.“ – noch. Am 3. November werden die Mitglieder über eine Auflösung entscheiden. Den Antrag hat Vorsitzende Cornelia Wilhelm gestellt, weil die Bereitschaft vieler zu mehr Engagement dafür fehlt.

Wie kam es zur Gründung des Vereins?

Cornelia Wilhelm: Auslöser war eigentlich die damalige LAG Gesundheitsregion Hersbrucker Land. Es wurde überlegt, ob sich die Region nicht zertifizieren lassen sollte. Das hätte aber nur bedeutet, die verschiedenen Gesundheitsanbieter zu erfassen. Außerdem war die LAG zu klein dafür. Im Rahmen einer Diplomarbeit der IHK 2007 stellte sich heraus, dass das Hersbrucker Land zwar sehr gut aufgestellt war, die Ärzte, Vereine und Unternehmen aber schwer zu finden sind. Also wurde nach Gesprächen mit IHK und LAG der „Verein zur Vernetzung der Gesundheitsregion Hersbrucker Land e.V.“ gegründet.

Das Ziel sollte also in erster Linie eine Suchhilfe für Patienten sein?

Es ging uns nicht nur darum. Wir wollten Gesundheitstage veranstalten und die Hausärzte gewinnen, um alle Gesundheitsanbieter abbilden zu können, denn eigentlich wollten wir immer noch die Zertifizierung. Mit dem Verein und der eigenen Homepage war es möglich, dass sich die einzelnen Mitglieder je nach Beitragssatz individuell präsentieren können. Das war auch die Hauptaufgabe in unserem ersten Jahr.

Erste Herausforderung war dann die Umgestaltung der LAG aufgrund von Fördervorgaben der EU.

Ja, denn das Hersbrucker Land war dann passé. Auch unser Verein entschied sich, sich 2013 anzupassen und sich in Gesundheitsregion Nürnberger Land e.V. umzunennen. Daher schrieben wir die Gesundheitsmacher im ganzen Landkreis an, um diese ebenfalls katalogisieren zu können. Nur zwei meldeten sich, die beitraten.

Was ist Ihre Erklärung dafür?

Ich kenne das selbst: Als Arzt oder Unternehmer bekommt man viel Werbung. Erfahrungsgemäß wird diese nicht gelesen. Hier wäre es nötig gewesen, die Leute nochmal anzurufen. Und hier ist der springende Punkt: Der Verein besteht größtenteils aus Firmen- und Praxisinhabern, die wenig Zeit haben. Ich allein kann das nicht alles machen und bei den 31 Mitgliedern – das sind die Kliniken, Krankenkassen, Wohlfahrtsverbände, Vereine und Ärztehäuser – ist keiner bereit, meine Aufgaben mit zu übernehmen.

Gab es Ideen, dieses Problem zu lösen?

Im Prinzip würden wir eine Halbtageskraft benötigen, um auch Öffnungszeiten eines kleinen Büros anbieten zu können. Aber dazu fehlen uns natürlich die Mittel. Ein Freiberufler, der für die Sache brennt und sich auskennt, oder ein Ehrenämtler wären toll. Da haben wir auch bei der Ehrenamtsbörse gesucht, mit Bürgermeister und Landratsamt gesprochen, in der Hoffnung, dass man die Organisation der Gesundheitsregion bei einer Abteilung mit ansiedeln könnte. Denn eine Förderung über die LAG geht nicht, weil hier nur Projekte und nicht Stellen unterstützt werden.

Da scheinen Sie nicht auf offene Ohren gestoßen zu sein.

Wir wurden oft vertröstet mit den Worten „wenn ihr mal groß seid“ oder es wurde uns gesagt, es ginge nicht, weil wir ein Verein sind. Aber die Struktur ist ja nicht in Stein gemeißelt. Der Verein ist zwar Mitglied in der Vorstandschaft der LAG, aber dennoch vermisse ich die Bereitschaft, über das Thema zu reden.

Das hört sich nach einer großen persönlichen Enttäuschung an, die zum Antrag auf Auflösung führte.

Ich bin schon sehr enttäuscht, weil ich gerne für die Region weiterkämpfen würde. Es gibt so viele Probleme im Gesundheitswesen, nicht nur den Ärztemangel. Wir haben schon gedacht, dass wir etwas bewegen können. Aber uns wurden Steine in den Weg gelegt und mir wurde oft unterstellt, dass mein Engagement auf Eigennutz abzielt.

Wie groß empfanden Sie denn das Interesse der Bürger, also letztlich der Betroffenen?

Die Gesundheitsregion ist tatsächlich nicht so richtig bei den Menschen angekommen, aber dazu fehlten uns die Aktionen. Wir haben uns nur an der Gewerbeschau 2011 beteiligt, zu mehr hätten wir mehr Zeit gebraucht – wieder das alte Thema.

Wie ist die Stimmung bei den Mitgliedern?

Sie finden immer noch, dass der Verein eine gute Idee ist, aber wenn, dann sollte es gescheit gemacht werden. Allein ein Schild an der Autobahn reicht nicht aus. Klar, alle finden es schade, dass acht Mitglieder und ich für die Auflösung sind, aber alle wissen, dass es für einen zu viel Arbeit ist.

Wenn das Ende des Vereins beschlossen wird, was wird dann mit der Gesundheitsregion?

Ich denke, es wird sicher keinen geben, der sich des Themas allein annimmt. Es wird erst einmal vom Tisch sein, bis es vielleicht die kommunalpolitische Ebene für sich entdeckt.

Interview:

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