Beim Reformationsjubiläum stand Ökumene im Vordergrund

„Noch mehr Miteinander wagen“

Bekannten sich einhellig dazu, künftig „noch mehr Miteinander“ zu wagen: Pfarrer Wunnibald Forster, Pastor Wolfgang Rieker und Dekan Werner Thiessen (v. links). | Foto: D. Seitz2017/11/Oekumene1.jpg

HERSBRUCK – Beim großen Reformationsjubiläum in der Stadtkirche stand weniger Luther als vielmehr die Ökumene im Mittelpunkt: Dekan Werner Thiessen, Pfarrer Wunnibald Forster und Pastor Wolfgang Rieker bekräftigten im Festgottesdienst die Gemeinsamkeiten der drei großen Kirchen.

Mit einem Wagenrad als Symbol stellte Pastor Wolfgang Rieker das Christentum dar: Gott im Zentrum, die Speichen sind die Menschen – manche näher an der Radnabe, manche weiter weg und weiter voneinander entfernt. „Im Radkranz sind sie vereint für das große Ganze“, so der Pastor der evangelisch-methodistischen Kirche Hersbruck.

Der katholische Pfarrer Wunnibald Forster nahm dieses Bild auf und erinnerte daran, dass alle getauften Menschen einen gemeinsamen Glauben haben, egal welcher Konfession sie angehören. Gemeinsam mit Dekan Werner Thiessen gingen sie mit ihren mittelalterlichen Kirchenvätern ins Gericht und verurteilten die Konfessionskriege, die aus der Suche nach Macht entstanden waren.

Für Wolfgang Rieker ist der Reformationstag vor allem ein gemeinsames Christusfest, zu dem sich für die Kirchen dieser Zeit die große Frage nach Gemeinsamkeiten und Einigkeit stelle.

Forster sieht im Reformationsjubiläum „keinen Anlass zur Heroisierung eines einzelnen Menschen.“ Er betont die Einheit in der Vielfalt der unterschiedlichen christlichen Glaubensrichtungen. Ganz im Sinne von Papst Benedikts Bemühungen um die Ökumene zieht er ein klares Fazit: „Es ist viel geschehen, aber noch nicht viel Greifbares entstanden. Nach 500 Jahren ist es an der Zeit, noch mehr Miteinander zu wagen.“

Auch Dekan Thiessen, auf dessen Betreiben hin der gemeinsame Gottesdienst entstand, möchte den Reformationstag nicht als Heldengedenktag feiern, denn auch nach der Gründung der evangelischen Kirche sei vieles schief gelaufen: Martin Luthers bekanntestes Kirchenlied „Ein feste Burg ist unser Gott“ wurde zuerst zum Kampflied gegen Katholiken, später zur Hymne gegen den Kriegsgegner Frankreich benutzt. Dabei habe es Luther als Mutmacher in einer persönlich schweren Lebensphase geschrieben: Die ganze Familie war krank, vor den Türen wüteten die Pest und Bauernkriege. Wie bei allen Konfessionen stehe auch in diesem Lied Christus im Mittelpunkt.

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