Engagierte nähen Mundschutz

Mit Nadel und Faden gegen das Virus

Zwei Lagen Stoff, ein Draht zum Verstärken und Bänder oder Gummis zum Festmachen – ein Mundschutz ist relativ einfach hergestellt. | Foto: privat2020/03/90949981-2752917981492007-35477392324181.jpg

HERSBRUCK – Ein Beispiel dafür, wie der Einzelne in der Krise helfen kann, liefert gerade Tanja Gundel: Die Hersbrucker Künstlerin näht Mundschutze für Pflegepersonal.

Damit folgt sie unter anderem dem Hilferuf eines Ansbacher Pflegeheims über Facebook, das dringend weitere Schutzmasken brauche. „Ich habe mit der Hygienebeauftragten des Heims gesprochen und sie gab mir Tipps für die Fertigung“, sagt Tanja Gundel. Danach reiche herkömmlicher Baumwollstoff, zum Beispiel ausrangierte Bettwäsche, aus. Es sollte auf 90 Grad waschbar sein. Weil es für die Masken zwei Lagen braucht, kann jeder vorher ausprobieren, ob sich durch das Material gut durchatmen lässt. Ein eingenähter Draht – zum Beispiel Basteldraht – soll den Bereich um die Nase verdichten und Bänder oder Gummis zum Fixieren des Schutzes angebracht werden.

Dabei ist wichtig zu wissen: Die selbstgenähten Masken helfen nicht zu 100 Prozent gegen das Virus. Aber sie können das Ansteckungsrisiko zumindest minimieren. Tröpfchen, die bei Husten oder Niesen entstehen, können so weniger weit kommen, erklärt Gudrun Wildensinn. Die Hersbruckerin hat gemeinsam mit anderen einen Aufruf auf Facebook initiiert. Nun sammelt sie Stoffteile und bringt sie zu Tanja Gundel, die sie weiter verarbeitet und an das Ansbacher Pflegeheim schickt.

Kunden könnten unterstützen

„Als Prophylaxe helfen die Masken auf jeden Fall“, sagt Wildensinn. Damit könne man auch Leuten entgegenkommen, die täglich durch ihre Arbeit mit vielen Menschen zu tun haben, zum Beispiel Kassiererinnen. Denn acht Stunden pro Tag einen Schutz zu tragen, sei fast eine Zumutung. Die Kunden dagegen müssten die Masken nur einen Bruchteil der Zeit anbehalten. „In Hersbruck ist der Virus noch nicht so verbreitet wie anderswo. Es wäre einfach, ihn gleich am Anfang auszubremsen“, sagt sie.

Gundel ruft weitere Näher und Näherinnen dazu auf, mitzumachen. „Man kann auch einfach alte Bettwäsche oder Garn spenden“, betont sie. Die Stadt Essen hat auf ihrer Internetseite ein kostenloses Nähmuster veröffentlicht und auf Youtube gebe es viele gute Anleitungen. „Man kann die Masken auch super gemeinsam mit seinen Kindern nähen“, sagt Gundel. Auch das Dresdner Uniklinikum hilft sich mittlerweile mit selbstgenähten Mundschutzen aus.

Wer auch Nähen oder Material spenden möchte, kann sich per Mail an Tanja Gundel ([email protected]
gmail.com) wenden.

N-Land Marina Gundel
Marina Gundel