Gaudiwurm wird 20

Der „Närrschbrucker Rummzug“ feiert Geburtstag

Prinzessin Jana I. und Prinz Michi I. führten vor 20 Jahren den Hersbrucker Rummzug an. | Foto: privat2019/03/IMG_20170207_0001.jpeg

HERSBRUCK – Ob Prinzessinnen und Könige, Frösche und Löwen, Engel und Hexen oder ein fast lebensgroßer Dinosaurier: Es gibt wenig, was noch nicht mit dem Hersbrucker Faschingszug durch die Straßen der Stadt lief. Am kommenden Dienstag feiert das bunte Treiben seinen 20. Geburtstag – Grund genug, einen närrischen Blick zurück zu werfen.

„Auslöser für uns war, dass die Happurger gesagt haben, sie hören auf“, erzählt Gerhard Kratzer. Der Altstadtwirt hat den Faschingszug im Jahr 2000 gemeinsam mit einer kleinen Gruppe Hersbrucker zum Leben erweckt. Oder, besser gesagt, wiederbelebt – denn ein Blick ins HZ-Archiv zeigt, dass es in den 1930er Jahren bereits einen Rummzug gegeben hat. Eine Anzeige, die auch im Bericht über das bunte Treiben vor 20 Jahren abgedruckt war, lud damals zum „Großen Faschingsrummel am Fastnachts-Dienstag um halb drei“ ein. 32 Wagen wurden dort angekündigt – einer weniger als beim Revival im Jahr 2000.

Die Wiederbelebung schlug ein wie eine Bombe. In einem zweiten Nachbericht war zu lesen, dass die Zuschauerzahl auf 5000 bis 7000 geschätzt wurde und etwa 500 Menschen im Zug mitliefen oder fuhren. Der Obere Markt war völlig überfüllt. Und schon vor zwei Jahrzehnten nahmen die Narren besonders lokale Themen aufs Korn: Da gab’s Kritik an der damals noch neuen Sperrstunde oder gegenüber der ein oder anderen Stadtratentscheidung. Auch das Hersbrucker Krankenhaus war bereits Thema, weil damals schon die Zentralisierung in Lauf aufkam. „Totgesagte leben länger“ hieß es da auf einem Plakat.

Dass sich der Faschingszug in Hersbruck vor 20 Jahren nicht am Sonntag, sondern am Faschingsdienstag in Bewegung setzte, lag laut Kratzer daran, dass in Happurg dann doch noch ein Zug organisiert wurde. Und so vertrösteten die Hersbrucker ihre Narren auf zwei Tage danach. Ein Arbeitskreis traf sich regelmäßig in Kratzers Keller, wo über Pappnase und Co. getüftelt wurde.

Das ging drei Jahre so weiter, bis sich schließlich die Faschingsgesellschaft Närrschbruckia gründete – mit ihr kam auch das Logo mit dem gut gelaunten Hirschen und der Schlachtruf „Hersbruck Ruck-Zuck“. Vorher, so heißt es im Vorbericht zum Rummzug im Jahr 2000, hatte man sich „Bist nääärrsch!“ als Erkennungsschrei ausgedacht.

Kreativ waren sie schon immer, die Mottos der aufwendig gebastelten Wagen vieler Vereine, aber auch die bunten Kostüme der Fußgruppen standen dem in nichts nach. Das loben auch Kathrin Kellner und Roland Winkler, Vorsitzende und Ehrenvorsitzender der FG Närrschbruckia. In den vergangenen Jahren hat sich der Verein auf aktuell 164 Mitglieder gemausert, darunter zirka 70 Kinder sowie mehrere Garden.

Viele schöne Erinnerungen schwingen in den Erzählungen mit, vor allem an glückliches Kinderlachen und jubelnde Faschingsgäste. Aber auch an viele Stunden Arbeit. Kellner spricht von einer Mammutaufgabe, die in dem Moment beginnt, wenn die Narren den Rathausschlüssel mopsen. „Dann heißt es Vereine anschreiben, nach den Mottos fragen, Werbung machen, sich mit der Stadt zusammensetzen und die Leute zusammentrommeln“, erzählt sie. Bis einen Tag vor dem Rummzug sei sie und „eine Stammmannschaft von knapp 20 Leuten“ zu Gange.

Trotz der närrischen Aufregung ist die Freude im Verein zur Zeit getrübt, verrät Kellner. Für den 20. Rummzug hätte sie sich mehr Gruppen gewünscht, die mitmachen. 17 Teilnehmer seien zwar nicht übel, für ein kleines Jubiläum aber nicht angemessen. „Die Leute werden träge“, sagt sie und es sei vor allem das Desinteresse, das sie und ihre Mitstreiter wurmt. Hinzu kommen Auflagen, die dem Verein von Jahr zu Jahr mehr Arbeit abverlangen.

Am Faschingsdienstag startet der Rummzug um 14 Uhr und hat wie jedes Jahr sein Ziel am Oberen Markt.

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