Neugestaltung des Marktplatzes

Altdorf sucht den Superbaum

Zwei größere Bäume außen, zwei etwas kleinere im Zentrum: So stellt sich der Stadtrat den Platz vor der Laurentiuskirche vor. | Foto: Fraas Landschaftsarchitektur2022/04/altdorf-kirchplatz-visualisierung-1.jpeg

ALTDORF – Die Kastanien vor der Laurentiuskirche sind weg, vier neue Bäume sollen her. Doch welche? Wie hoch sollen sie sein? Und dürfen es auch unterschiedliche Arten sein? Wie das Baum-Casting des Stadtrats gelaufen ist.

Der Stadtrat will mehr Grün auf den Marktplatz holen. Das stand bereits nach der Sitzung im März fest, als sich die Mehrheit dafür ausgesprochen hatte, die Schotterfläche vor der Laurentiuskirche durch zwei große Hochbeete mit vier Bäumen zu ersetzen. Offen ließ man damals die Frage, welche Bäume hier in den Himmel wachsen sollen.

Am Montagabend präsentierte Landschaftsarchitekt Robert Fraas seinen Vorschlag. Der hatte zunächst überlegt, wo in der Natur vergleichbare Bedingungen herrschen wie auf dem Altdorfer Marktplatz: also eine nach Süden ausgerichtete Fläche, sehr sonnig und von viel Gestein umgeben. Oder – um es mit Eckart Paetzold (Grüne) zu sagen – ein „gepflasterter Kachelofen“.

Was die Forschung empfiehlt

Fraas jedenfalls kam zu dem Ergebnis, dass es diese Lebensbedingungen nur auf Schuttflächen gibt, wie sie beispielsweise bei einem Hangrutsch entstehen. „Dort dominieren häufig Eschen, Linden und Ahorne“, erläutert Fraas im Stadtrat.

Um nun Arten zu finden, die dem trockenen Stadtklima langfristig gewachsen sind, richtete er seinen Blick Richtung Balkan, Kaukasus und Kleinasien. „Die Bäume dort waren vor der letzten Eiszeit bei uns heimisch. Und werden wohl hierher zurückkehren.“

Als Hilfestellung diente Fraas neben einer offiziellen, 100 Arten umfassenden Straßenbaumliste ein Forschungsprojekt der Bayerischen Landesanstalt für Wein- und Gartenbau Veitshöchheim. In einem Langzeitversuch pflanzt sie seit 2010 Baumarten aus Südeuropa, Asien und Nordamerika in mehreren bayerischen Städten und untersucht, ob sie dem prognostizierten Stadtklima kommender Jahre standhalten.

Silberlinde, Blumenesche und Mehlbeere sind eine Runde weiter

Für die beiden äußeren, größeren Bäume (bis zu 15 Meter Wuchshöhe) schlägt Fraas Silberlinden vor, für die kleineren in der Mitte Blumeneschen (circa 12 Meter Endhöhe). Beide beschreibt er als „absolute Bienenweide“ mit „attraktivem Blütenschmuck“. Sie blühen nacheinander und tragen im Herbst beide gelbliches Laub. Anders als der fünfte neue Baum des Marktplatzes. Für den Standort vor Schreibwaren Pranz schlägt der Landschaftsarchitekt eine schwedische Mehlbeere vor. Sie trägt rotes Herbstlaub und ihre roten Beeren dienen Vögeln als Nahrung.

Durch die Wahl verschiedener Baumarten möchte Fraas dem Wunsch aus der Bürgerbeteiligung nach Biodiversität Rechnung tragen. Die unterschiedlichen Höhen vor der Kirche erklärt er unter anderem damit, dass sich in der Mitte der Bäume das umstrittene Kriegerdenkmal befindet. Sollte dieses an Ort und Stelle bleiben – die Entscheidung hierüber fällt in einer der kommenden Sitzungen – rücke die Abstufung von außen nach innen das Denkmal in den Mittelpunkt. Und sie bilde ein Sichtfenster auf die Kirche.

Karin Völkl: „Sinnlose Ökoromantik“

Volle Zustimmung zu Fraas‘ Plänen signalisieren im Stadtrat unter anderem Bürgermeister Martin Tabor (SPD), Margit Kiessling (Grüne) und der parteilose Christian Lamprecht. Kritik kommt unter anderem aus Reihen der FW/UNA. Dr. Ralf Schabik beispielsweise fürchtet, dass Kinder die Früchte der Mehlbeere essen und dadurch Bauchschmerzen bekommen könnten.

Und sein Fraktionssprecher Thomas Dietz plädiert aus optischen Gründen für vier gleich hohe Bäume vor der Kirche. Das sorge für Symmetrie und eine „harmonische Ansicht“. Gegenwind kommt auch von Karin Völkl (SPD). Bei vier Bäumen von Biodiversität zu sprechen, kanzelt sie als „sinnlose Ökoromantik“ ab.

Knappe Entscheidung

Schlussendlich entscheidet der Stadtrat mit 13:11 Stimmen für den Vorschlag des Altdorfer Landschaftsarchitekten. Die Bäume sollen bestenfalls im Spätherbst gepflanzt werden, Blumeneschen und Mehlbeere mit einer Höhe von fünf bis sieben Metern, Silberlinden mit sieben bis neun Meter Ausgangshöhe. Außerdem klärt das Gremium die Frage der Beleuchtung. Mit jeweils großer Mehrheit spricht man sich gegen LED-Leuchtbänder an den Sitzbänken entlang der Hochbeete und für zwei Lampen auf Sockeln aus. Dabei handelt es sich um sogenannte Altstadtleuchten, wie sie unter anderem am Kulturrathaus zu finden sind.

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