Luz Amoi im Kick

Wenn Salsa und Landler flirten

„Fein beieinander bleiben“, anders als in dem Bayerischen Lied ging es für „Luz Amoi“ auf der Kick-Bühne gar nicht: von links Manuela Schwarz, Dominik Hogl, Stefanie und Stefan Pellmaier und Johannes Czernik. | Foto: U. Scharrer2019/10/Luz-amoi-Kick-1.jpg

HERSBRUCK – „Holadiraidullioholadiro“ – ja, es wurde gejodelt im Kick, nicht gerade die Königsdisziplin der Mittelfranken. Aber der Abend war schon fortgeschritten, die Freude der Jodellehrer von „Luz amoi“ aus Freising ansteckend, wegen drangvoller Enge konnte nicht getanzt werden und irgendwie muss die durch Mark und Tanzbein gehende Energie schließlich einen Auslass finden: Jodeln also. Und zwar mit wachsender Hingabe.

Gerammelt voll war es nicht nur vor, sondern auch auf der Bühne. Geige, Harfe, Hackbrett, Kontrabass, Gitarre, Klarinette, Blockflöte, das Instrumentarium der „Stubenmusi“ machten E-Bass, Saxophon, Djembe, Cajon und Steel Drum, den Musikinstrumenten der Weltmusik und des Jazz den Platz streitig. Die fünf Musikanten von „Luz amoi“ mussten akrobatische Kunststückchen vollbringen, um auf die Bühne zu gelangen und sich dort bewegen zu können. Aber was soll´s: „Sonst Zehntausender-Hallen, heute im Kick“, nahm es „Luz Amoi“-Bandleader Stefan Pellmaier philosophisch.

Stets charmant parlierend

Der Reichtum der dargebotenen Musik war der Vielfalt der musikalischen Hilfsmittel denn auch ebenbürtig: Stefan Pellmaier an Akkordeon und Percussion, Johannes Czernik als Leadsänger, der auch Gitarren, Saxophon und Klarinette hernahm, Stefanie Pellmaier an der Geige, Manuela Schwarz an Hackbrett und Harfe und Dominik Hogl am Kontrabass parlierten in den musikalischen Sprachen der ganzen Welt fließend – doch stets mit charmant oberbayerischem Akzent.

Ob die Salsa zur Polka mutierte, der Tango Argentino in einen Zwiefachen überging oder Klezmer Klänge mit karibischen Rhythmen zum Landler verschmolzen: „Luz Amoi“ machte glauben, die fremdartigen Klänge seien schon immer Teil des oberbayerischen Idioms gewesen. Denn die fünf aus Appersdorf bei Freising blieben stets bei sich und ihrem Publikum. Und das bis zum definitiv allerletzten Stück, bei dem sie sich nach Zugaben und stehenden Ovationen leise musizierend durch das Publikum zum Ausgang schlängelten.

Wie im Flug

Davor waren zwei Stunden voller Freude am flotten Musizieren wie im Flug verstrichen, voll ansteckender Begeisterung für musikalische Strömungen rund um den Globus. Das intuitive Zusammenspiel der „Großfamilie plus Hausfreund“ hob das Kick-Publikum vor Begeisterung von den Lehne an Lehne geschachtelten Stühlen.

Mit ihrem Programm „Für Berta“ soll jeder Zuhörerin und jedem Zuhörer ein Ständchen gebracht werden: mit melancholisch-romantischem Dreivierteltakt wie in „Kirschblütenzeit“, unwiderstehlich hervorgebrachter Konsumkritik „Des wos I hab, is ned gnua“, bayerisch-italienischem Sprachengewirr wie in „Einfach leben“ oder mit dem halsbrecherisch entfesselten „Steilhang“.

Macht Nebel Geräusche? Wenn ja, dann die, die der Klarinette von Johannes Czernik entweichen: „Regentag“ feiert die stille Tristesse schlechten Wetters auf dem Land – und dann geht`s wieder ab im imaginären Bierzelt mit dem „Fuhrmann“, einem „Bayern-Medley“ und eben dem gemeinsam erarbeiteten „Herbst-Jodler“. „Mia hoff´n, eich hod´s taugt!“, wünscht sich Bandleader Stefan Pellmaier am Schluss. Es sah doch schwer danach aus.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer