„Landmusigg“ spielte im Citykino

„Strümpferts“ im Kick

Judith Förster, Hannah Richter, Siggi Michl und Marlene Ebertshäuser (von links) brillierten im Citykino mit einfühlsamem Mehrgesang. | Foto: U. Scharrer2017/11/8521712.jpeg

HERSBRUCK – Drei Frauen und vier Männer hoch auf der Bühne des Citykinos und gute Stimmung vom ersten Moment an: Die „Landmusigg“, die sich lange um einen Auftritt im Kick bemüht hatte, passte dorthin wie maßgeschneidert. Sie riss das Stammpublikum und die vielen Gäste aus dem Umland vom ersten Triller ihrer Klarinetten an mit.

„Sitze ich jetzt auf einer Bierbank, auf einem Sessel im Kaffeehaus oder bin ich in einem jiddischen Festchen gelandet?“ Diese Frage konnte man sich während eines einzigen Liedes der fidelen „Landmusigger“ stellen, wirbelten sie doch vergnügt Zweifache, Walzer und melancholisch-mitreißende Klezmerfetzen aufs Virtuoseste durcheinander. Die überschäumende Freude, endlich vor dem Kick-Publikum spielen zu dürfen, das offenbar einen guten Ruf besitzt, schwappte zwischen Zuhörern und Musikern hin und her.

Vom Gewirr aus Mikro- und Notenständern auf der Bühne ließ sich die siebenköpfige Gruppe nicht in ihrem Temperament einschränken. Als die Temperatur im Kick langsam anstieg, wurden die Strickjacken abgelegt und die Schuhe von den Füßen gekickt, um in Wollstrümpfen noch einmal einen Zahn zuzulegen.

Vergnügt und nachdenklich zugleich hangelten sich die sieben durch den Reichtum europäischer Musikstile und blieben dabei ihrem oberfränkischen Idiom treu.
Gänsehaut entstand beim Mehrgesang, der die ziellose Odyssee von „Resi“ durch eine fremd gewordene Welt erzählte und die intensive Schilderung der Gefühle einer Dementen auf die Klänge der Roma-Hymne „Ederlezi“ legte. Die Tanzbeine zuckten auf der handtuchgroßen Tanzfläche im Citykino zum frechen Schüler-Mobbing-Gstanzl „Hamma scho im Mund ghabd!“.

Übermut und leise Töne

Die schwer zu erzielende Balance zwischen Übermut und leisen Tönen gelang durch das gleichermaßen entspannte wie perfekt abgestimmte Zusammenspiel der Musiker um Bandleader Sigfried Michl. Herzstück der „Landmusigg“ waren die zwei Klarinetten, vergnügt gespielt von Judith Förster und Andreas Richter. Er tauschte  seine Klarinette nur kurz gegen den behaarten und mit geschnitztem Ziegenkopf verzierten Dudelsack aus, um zu beweisen, „warum dieses einst auch in Franken heimische Instrument hier inzwischen völlig ausgestorben ist!“

An der Geige sorgte Hannah Richter für beseelte Klänge und im einzigen Mitsinglied der „Landmusigg“ sorgte sie in Schürze und mit durchdringendem Organ für den einprägsamen Refrain des Kirwa-Songs „Wo is denn mei Gerchla?“. Am Akkordeon glänzte Marlene Ebertshäuser und das stabile Rückgrat der Musik wurde von Schlagzeuger Harry Tröger und Bassist Georg Hofmann aufgestellt.

Mit dem aufmüpfigen Reggae „Schau der mal de annere Seidn o“ und dem innigen „Hamm zu Dir“ in den Zugaben verließen die Oberfranken ihr hochzufriedenes Publikum. „Hier haben wir noch nie schlechte Musik gehört“, konstatierte eine Besucherin aus Guntersrieth. Der Abend mit der „Landmusigg“ war keine Ausnahme.

Am Samstag, 11. November, bringen „Que Bobbo“ Funk und Rock auf die Bühne des Kick.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer