Rock, Country, Folk und Pop

Rund um die Uhr gab’s Musik

Giftwood zeigte sich von seiner Rock-Seite: "Wolle" Völkl, Mike Kolb, Wolfgang März, Wutschgo und Jörg Szameitat (v.l.). | Foto: Spieß2016/07/altstadtfest19.jpg

ALTDORF – Ein abwechslungsreiches Unterhaltungsprogramm erwartete die Besucher des Altstadtfestes, am Samstagabend vor allem ein hochwertiges Line-up von Bands mit überwiegend Altdorfer Musikern.

Bekannte musikalische Lokalgrößen bestritten das Musikprogramm am Oberen und Unteren Markt: Den Auftakt am Oberen Markt machte um 19 Uhr die Band Bootcat, um 21 Uhr folgten die Musiker von Dillberg, die die Bühne um 23 Uhr für Triangle freimachten.

Das Musikprogramm am Unteren Markt startete mit dem Kinder- und Jugendchor der Städtischen Musikschule Altdorf, anschließend erwartete das Publikum Little big nothing, den Abschluss machte schließlich Giftwood.
Was den Burgthannern ihr „Jazz in der Burg“ ist, das ist für die Altdorfer der Samstagabend beim Altstadtfest. Sechs Formationen mit überwiegend Altdorfer Musikern sorgten mit Rock, Country, Folk und Pop bis in die Nacht für beste musikalische Qualität.

Den Reigen eröffnete der Kinder- und Jugendchor der Musikschule Altdorf mit einem kleinen Auszug aus seinem Programm mit aktuellen Charthits. Souverän und fast schon wie die „Großen“ zogen sie ihre Bühnenshow durch, die die 35 ausgewählten Chormitglieder vorher noch in der Märchenmühle geprobt hatten.

Leider waren technische Probleme aufgetreten – die Sicherung war den vielen Anschlüssen am Marktplatz nicht gewachsen – und der Beginn musste eine dreiviertel Stunde nach hinten verschoben werden. Dadurch wurde der wohlüberlegte Plan mit jeweils einer halbstündlichen Zeitversetzung der verschiedenen Auftritte zunichtegemacht.

Zug nach Westen

So startete zeitgleich Bootcat auf der anderen Bühne mit seinem Zug in Richtung Westen – geradewegs in die Klänge der Country- und Westernmusik. Bootcat wurde 2014 gegründet. Evelyn Cerny und Wolfgang Völkl waren ursprünglich als Duo unterwegs und holten dann Mitmusiker an Bord, die allesamt schon in der einen oder anderen Besetzung zusammen musiziert hatten. Die zwei Ladies und drei Cowboys brachen eine Lanze für Country- und Western-Acoustic-Covers. Sehr routiniert, aber nie trivial, wieherte der Cowboy-Gaul mit zwischendurch wunderbar-melancholischen Klängen.

Little Big Nothing, die siebenköpfige Formation – vier Musiker sind aus Altdorf –, die sich bereits vor zwei Jahren in die Herzen der Altstadtfestbesucher gespielt hatte, setzte mit ihren erfrischenden Coverversionen in der Richtung „New Country Rock“ das Programm am anderen Ende des Marktplatzes fort. Auch bei ihnen wird, wie bei Bootcat, nicht einfach eins zu eins imitiert. Das ist im besten Sinn Interpretation, denn die meist eher unbekannten Stücke von Country bis hin zum fetzigen Rock wurden stets bandtypisch präsentiert. Das ging in die Ohren, ohne flach zu werden. Besonders eindringlich die charismatische Ian-Gillan-Stimme des Sängers Fred Hallex. Das Filetstück der exquisiten musikalischen Kost zur besten „Sendezeit“ bot Dillberg: Dominik Hinneys perlende Klaviersoli, fulminante Gitarrenläufe von Oliver Spieß und ein knackiges Rhythmuspaket (Rolf Scharrer, Bass, und Johannes Voltz, Schlagzeug) mit Druck und Präzision.

Intensive Hör-Erlebnisse

Besonders ihre geradlinigen Rocknummern sind intensive Hör-Erlebnisse: „Blaue Stunde“ etwa oder „Es lohnt sich“. Wenn diese Maschine anläuft, ist sie nicht mehr aufzuhalten – da lässt man sich gerne überrollen! Dillberg war nicht nur als Band ein Höhepunkt des Programms, auch in den Instrumentaldisziplinen lagen sie an diesem Abend ganz vorne.
Als vorletzte Band des Spektakels enterte dann Giftwood die Bühne am Unteren Markt. Die vier Musiker um die beiden Sänger, Gitarristen und Songschreiber Jörg Szameitat und Mike Kolb spielten, wie Dillberg, Eigenkompositionen – schon damit hatten sie sich bereits eine besondere Note verdient. Mit „Wolle“ Völkl an den Tasten sind sie jetzt noch „klangreicher“ und im Vergleich zu früheren Jahren ist die Formation auch deutlich rockiger geworden, ohne ihre ganz eigene, melodiöse Stimmung zu verlieren.

Die Band Tringle setzte schließlich den Schlusspunkt und beschwor die Größen der Rockmusik früherer Jahrzehnte. Immer wieder erstaunlich zu hören, wie es eine minimalistische Dreierbesetzung schafft, einen derartigen Druck aufzubauen.

Geschickt arrangiert und präzise in Töne umgesetzt, ging ihr Blick zurück in eine Zeit, als Musik noch von talentierten Instrumentalisten gemacht wurde und nicht von erfolgversprechenden Computerprogrammen. „Rock me all night long“ sangen sie – und genau so war es.

N-Land Erich W. Spieß
Erich W. Spieß