Manfred Scheld liest aus Gröschels Büchern

Video zum 100. Geburtstag von Hans Gröschel

Redakteurin Andrea Beck präsentiert die Lesung von Manfred Scheld
Redakteurin Andrea Beck (links) im Gespräch mit Manfred Scheld und Christa Knecht, der Tochter von Hans Gröschel. | Foto: Sven Trautwein2020/11/ab_podcast_neu_1-scaled.jpg

LAUF – Der ehemalige Schulrektor und Laufer Mundartdichter Hans Gröschel liebte seine Heimatstadt und verewigte sie und die bekannten Charaktere seiner Zeit – die Laufer Originale vom „Bimbela“ bis zur „Stärkeren“ – in zwei Büchern. Am heutigen 1. Dezember wäre Hans Gröschel 100 Jahre alt geworden. Zu diesem Anlass nahm die Pegnitz-Zeitung mit Manfred Scheld einen Video-Podcast auf.

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Nach dem jahrelangen Schreiben von pädagogischer Fachliteratur wählte Gröschel die Laufer Mundart als den passenden Stil, um seine Geschichten und Gedichte, die er im Laufe seines Lebens erdacht und gesammelt hatte, zu Papier zu bringen. 

Gröschels Tochter, Christa Knecht, und sein guter Freund, Altbürgermeister Manfred Scheld, geben in dem Podcast einen Einblick in das Leben von Hans Gröschel, kommentieren seine Geschichten und schildern berührende Erinnerungen. 

Scheld, der 2006 Gröschels erstes Mundart-Buch „In Laff dou draß is gwesn“ aus dem Jahr 1987 als Hörbuch las, gibt auch im Podcast drei Ausschnitte daraus zum Besten. Mit dem ersten und seinem zweiten Buch „Wos ich Eich nu vo Laff derzühl“, erschienen 1990, hielt Gröschel oft erzählte Geschichten, zum Beispiel über das Laffer Bimbela, für die kommenden Generationen in humorvoller Sprache fest.

Wahre Geschichten 

Vor allem, wenn es um die Charaktere geht, enthalten die Geschichten viel Wahrheit. „Ich habe diese Laufer Originale gekannt, zum Beispiel die „Leichenfra“ Frau Fischer oder die „Stärkere“, die immer an der Kirchweih ihre Süßigkeiten verkauft hat“, sagt Christa Knecht. Lange bevor Gröschel seine Eindrücke von Lauf aufschrieb, erzählte er die Geschichten bereits seinen Kindern und den Freunden am Stammtisch.

In der Stadt bekannt war Gröschel unter anderem durch seine Arbeit als Lehrer und Rektor der Heuchlinger Schule, aber nicht nur: „Seine Mutter stammte aus der Bäckereifamilie Weigel und hatte in Lauf eine riesige Verwandtschaft. Dazu kamen seine Freundschaften, von denen viele von der Kindheit bis zum Lebensende hielten, und schließlich die große Schar seiner Schüler“, sagt Tochter Knecht. Kein Wunder also, dass ihr Vater mit der Zeit ein großes Repertoire an Laufer Geschichten zur Auswahl hatte. 

Doch Gröschel hielt auch die Schattenseiten seines Lebens schriftlich fest. In Form von Tagebüchern verarbeitete er seine Erlebnisse als Soldat, der im Zweiten Weltkrieg an der Ostfront kämpfte. „Ich kann die Bücher bis heute nicht lesen, weil ich zu sehr weinen muss“, sagt Knecht.

„Er war einfach ein korrekter Mensch“

Als Lehrer erzählte Gröschel seinen Schülern von dem Grauen der Kriegsjahre. Einer dieser Schüler war Manfred Scheld, der einige Jahrzehnte später neben seinem ehemaligen Rektor als Stammtischbruder im Laufer Turmstüberl saß. Gröschel sei beliebt gewesen, „denn er war einfach ein korrekter Mensch“, sagt Scheld. 

An eine Situation erinnert er sich noch genau: „An dem Tag, an dem mein Urgroßvater beerdigt wurde, fand abends die Aufführung des Schultheaters statt und ich wollte nicht auftreten. Ich konnte ja nicht auf die Bühne und singen, obwohl mein Uropa gestorben war.“ Doch Gröschel ermunterte ihn. „Er sagte: ,Du machst das schon‘, und schickte mich hoch und mit meinem Lied habe ich die Zuschauer zu Tränen gerührt. Hans Gröschel hat seinen Gegenübern Mut gemacht.“ 

Ein Laufer Original

Hans Gröschel kam am 1. Dezember 1920 in Forchheim zur Welt. Nach dem frühen Tod seines Vaters kehrte Gröschels Mutter zwei Jahre später zurück zu ihrer Familie, die in Lauf die Bäckerei Weigel führte. Gröschel machte am Nürnberger Albrecht-Dürer-Gymnasium sein Abitur und hatte gerade das Jurastudium begonnen, als er im Alter von 20 Jahren in die Wehrmacht eingezogen wurde. Als Artillerie-Offizier kämpfte er in Russland und entging durch einen Wechsel an die Westfront vor Kriegsende der russischen Kriegsgefangenschaft. 

Mit Texten und Zeichnungen verarbeitete er seine Erlebnisse. Bereits 1937 hatte Gröschel in der Laufer Tanzschule seine Frau kennen gelernt, mit der er später zwei Töchter bekam. 1946 kehrte er aus der amerikanischen Kriegsgefangenschaft nach Lauf zurück und fasste den Entschluss, Lehrer zu werden. 

Vom Lehrer zum Schulamtsdirektor

Seine erste Stelle trat er in der Günthersbühler Volksschule an und wechselte dann an die Bertleinschule, bevor er 1956 die Leitung der neu gebauten Heuchlinger Volksschule übernahm. Als Privatdozent unterrichtete er angehende Lehrer, schrieb Fachbücher und gab über Jahrzehnte die „Blätter für Lehrerfortbildung“ heraus, die in Bayern zur pädagogischen Pflichtlektüre wurden.


Im Podcast:

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In den 1960er Jahren wurde Gröschel zum Schulrat in Schwabach befördert und übernahm dann das Amt des Schulamtsdirektors in Nürnberg. Von 1979 bis zu seiner Pensionierung 1983 war er der Leiter der Schulabteilung der Regierung von Oberfranken. 

In seiner Freizeit zeichnete und malte er und verschriftlichte seine Gedichte und Geschichten. 1987 und 1990 erschienen seine beiden Bücher in Laufer Mundart beim Fahner-Verlag. Für seine beruflichen und kulturellen Leistungen erhielt 1993 die Goldene Bürgermedaille der Stadt Lauf. Drei Jahre später starb er am 7. Januar 1996 im Alter von 75 Jahren.

Info 

Der Podcast über Hans Gröschel ist auf n-land.de und auf Youtube abrufbar. Das Buch und das Hörbuch „In Laff dou draß is gwesn“ und das Buch „Wos ich Eich nu von Laff derzühl“ sind beim Fahner-Verlag erschienen und unter anderem im Service-Center der PZ erhältlich.

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