Konzert im Kick

Joe Bawelino und Gige Brunner als swingender Ersatz

Die Gitarre kann eine kapriziöse Partnerin sein: Joe Bawelino und Gige Brunner (von links) fanden im Kick trotzdem zu einer äußerst harmonischen Paarbeziehung. | Foto: U. Scharrer2019/10/Bawelino.jpg

HERSBRUCK – „Des müssen wir nicht ankündigen, des kennen eh alle“, so Gige Brunner. Beim Gipsy-Fingerstyle Abend im Kick swingte er sich gemeinsam mit Joe Bawelino leichtfingrig und mit viel musikalischem und anderem trockenen Humor durch die beliebtesten Jazz-Stücke aller Zeiten.

Manchmal ist der Auswechselspieler von der Ersatzbank gar keine schlechte Sache: Joe Bawelino sprang im Kick für den erkrankten Helmut Kagerer ein und komplettierte das halbierte Duo mit solch schlafwandlerischer Sicherheit, dass keine musikalischen Wünsche offen blieben.

Denn dass das Leben als performender Musiker seine Spuren hinterlässt, erkannte man nicht nur am wegen überstrapazierten Handmuskeln ausgefallenen Helmut Kagerer. Auch „Big Papa“ Joe Bawelino knetete nach den anspruchsvollen und rasant gespielten Stücken immer wieder seine schmerzenden Finger. „50 Jahre auf der Bühne fordern ihren Tribut“, wie Brunner kommentierte.

Sport für die Finger

Kaum waren die ersten Akkorde erklungen, legte Bawelino aber jeweils noch einen Scheit aufs Feuer und an Geschwindigkeit und Fingerfertigkeit zu. Erholung winkte nur in Form der sich in Begleitung und Solo immer wieder abwechselnden zwei Gitarristen.

„Girl of Ipanema“, „Satin Doll“, „Caravan“, „Troublant Bolero“ und „Secret Love“: Duke Ellington, Django Reinhardt und andere, weniger bekannte Songschreiber, die unsterbliche Stücke komponiert haben, waren im Kick zu hören. Ihre Fans fielen von einem Entzücken ins andere, zumal die Titel nicht selten neu arrangiert oder frei interpretiert waren.

Joe Bawelino kaute die Töne sichtbar durch und schien teils in kleine Dispute mit seinem Instrument zu treten, das ganz offensichtlich auch ein paar Takte mitzureden hatte. Vor, zurück, die Gitarren steil gestellt, nach unten gedrückt und in kleinen Achterbahnen gedreht – vom verbissenen Fokus manch klassischer Gitarristen war „Big Papa“ weit entfernt. Und Gige Brunner neben ihm stimmte die All-Time-Favourites zwar scheinbar lakonisch, jedoch hörbar mit Passion an und die Töne rollten wie reife Früchte von der Bühne in die Ohren der Zuhörer. „Das ist eine Nummer, wo mein Herz blutet, sonst kann man das nicht spielen … das atmet!“, bemerkte Bawelino nach der Ballade „Moonlight in Vermont“ und Brunner stimmte zu.

Heiteres Liederraten

Beim heiteren „Wir raten die schönsten Jazzstandards der letzten 70 Jahre“ beglückten die zwei Gitarristen mit hellem Ton und scheinbar ganz beiläufig ein Publikum von Kennern, die bei ihren Favoriten erfreut aufseufzten und die spielerischen Kapriolen der zwei Musiker mit zunehmend begeistertem Applaus belohnten.

Eigentlich holten nur die fränkischen Ansagen das verzauberte Publikum aus den Kellern zurück auf den Boden des Kick. Die Musiker verabschiedeten sich nach zwei Stunden Konzert mit nur einer Zugabe, um ihre „Stoffwechseldepots wieder aufzufüllen“.

Für „Luz Amoi, Bayerische Weltmusik vom Feinsten“ am 19. Oktober sind noch wenige Karten erhältlich.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer