Interview mit Unterbiberger Hofmusik

Der beste Weg der Völkerverständigung

Franz und Irene Himpsl (2. v.r. und 3. v.l.) bilden mit ihren drei Söhnen die Unterbiberger Hofmusik. In Hersbruck spielen sie gemeinsam mit Mathias Götz (4.v.l.) und Florian Mayrhofer (l.). | Foto: Lena Semmelroggen/Smashing Snapshots2020/02/MG-8158.jpg

HERSBRUCK – Wer die Unterbiberger Hofmusik als reine Volksmusik-Gruppe bezeichnet, liegt falsch. Denn die Familie aus Oberbayern, die sich auch andere Musiker mit auf die Bühne holt, bereist viele Länder und spickt ihre Lieder mit den unterschiedlichsten Elementen.

Für das Goetheinstitut und das Auswärtige Amt sind Sie oft als Botschafter bayerischen Kulturguts unterwegs. Wie wichtig ist es Ihnen, Ihre Musik weiter zu tragen?

Franz Himpsl: Ich denke, jedem Menschen und vor allem Musiker, der sich mit seinen Wurzeln auseinandergesetzt hat, ist das irgendwo wichtig. Wenn ich nicht sage wer ich bin und woher ich komme, kann der andere nicht reagieren. Und mit unserer Musik machen wir sofort klar, woher wir sind.

Wie nehmen Menschen in anderen Ländern die Volksmusik an?

Auf der Bühne bekommt man eigentlich immer positive Reaktionen. Auf einer unserer letzten großen Touren waren wir mit dem Botschafter in Ägypten unterwegs und haben unter anderem vor der größten Bibliothek der Welt, in Alexandria vor rund 3000 Studenten gespielt. Dafür habe ich auch etwas Arabisch gelernt. Aber mehr schätze ich die direkte Begegnung mit den Menschen. Unser heutiger Bundespräsident hat vor Langem die „Partnerschaftsschulen Deutschlands“ (Pasch-Schulen) gegründet, in denen Deutsch als zweite oder dritte Fremdsprache zertifiziert ist und die regelmäßig mit deutscher Kultur „beliefert“ werden. Diese Pasch-Schulen gibt es weltweit. Unsere Gruppe gehört dazu und ist deshalb oft in Schulen oder auch Flüchtlingslagern vor Ort.

Also sieht sich die Unterbiberger Hofmusik auch im Auftrag der Völkerverständigung?

Ja, auf jeden Fall. Wenn man zusammen Musik macht, zeigt man: „Wir gehören zusammen.“ Nichts funktioniert so unmittelbar zur Völkerverständigung wie die Musik. Sie geht von Herz zu Herz.

In den Alben „Bavaturka“ und „Bavaturka Vol.2“ mischen Sie bayerische und türkische Klänge. Wie schwer oder einfach war es zusammenzufinden?

Am Ende soll es natürlich einfach klingen. Aber am Anfang muss man schlicht viel ausprobieren. Unser Anspruch ist es, dass die Leute, von denen wir die Musik nehmen, mit dem Ergebnis zufrieden sind. Das ist ein fortlaufender Prozess und mit der Zeit kommt man immer näher zusammen. Irgendwann entsteht dann etwas Neues, von dem man nicht mehr genau weiß, wo der Ursprung liegt. Die schönsten Dinge kommen heraus, wenn man Unterschiedliches mischt. Ist es nicht bei den Menschen genauso?

Welche Eindrücke haben Sie aus Ihren Reisen in die Türkei mitgenommen?

Wir haben mittlerweile 50 Konzerte in 20 Reisen gespielt und ich habe vor rund 15 Jahren angefangen, Türkisch zu lernen. Das Land ist sehr vielschichtig. Wir haben die Einwohner immer als sehr gastfreundlich erfahren, vor allem, wenn man ihre Musik aufnimmt und spielt. Erstaunlich ist, dass die Menschen viel mehr Musik im Kopf haben als wir Deutsche, sie können haufenweise Lieder aus dem Gedächtnis singen. Je schlechter es den Leuten geht, desto mehr Raum nimmt die Musik in ihrem Leben ein.

Sie waren auch im Iran unterwegs.

Ja, da sind wir gerade in die Zeit des Ramadan (dort: Muharram) gekommen, in der im Iran so gut wie alles verboten ist. Aber wir haben in einer Kneipe in Teheran gespielt und niemand hatte etwas dagegen. Die Menschen dort sind auch sonst wahnsinnig freundlich. Und in Gesprächen auf der Straße stellte sich oft heraus, dass viele Frauen das Kopftuch eigentlich nicht mehr tragen wollen. Aber sie müssen.

Sind Sie hauptsächlich in östlichen und arabischen Ländern unterwegs?

Nicht nur, 2019 waren wir zum Beispiel in Mexico. Aber bei der momentanen politischen Situation ist klar, dass die Botschaften diese Länder bevorzugen. Erstaunlich finde ich, dass die arabische Welt uns zwar geographisch näher ist 
als beispielsweise die Karibik, musikalisch ist sie aber viel weiter entfernt. Es ist zum Beispiel wesentlich einfacher, kubanische und bayerische Musik zu kombinieren, da diese Musik sehr von den Eroberern und Einwanderern aus Europa bestimmt ist. Zu dieser Zeit gab es im mittleren Osten schon längst Hochkultur, die uns weit voraus war und sich natürlich nicht so einfach beeinflussen ließ. Aber im Endeffekt geht es immer nur um den Menschen selbst und es ist immer wunderbar, wenn man zusammen Musik macht. Für unser Konzert in Hersbruck wünsche ich mir deshalb, dass auch Türken, Syrer oder Menschen aus anderen Ländern unsere Gäste sind.

Wie entstehen Ihre Lieder?

Das hängt immer vom Lied und der Situation ab. Manchmal schreibt nur einer, wenn es zum Beispiel in die klassische Richtung geht, übernimmt das meist meine Frau. Wenn es ein volksmusikalisches oder jazziges Lied ist, kann die Idee von mir sein. Aber jeder unserer Musiker kann seine Ideen mit einbringen, da hat auch jeder seine bestimmten Qualitäten. Wir sehen uns sowieso eher als Bastler denn als Komponisten.

Mit Ihrer Musik tragen Sie immer ein Stück Ihrer Heimat in die Welt. Was bedeutet das Wort für Sie?

Mich stört, dass der Begriff mittlerweile so sehr kommerzialisiert wird. Viele wollen aus dem Begriff Kapital schlagen. Aber sagen wir mal so: Heimat ist ein emotionaler Begriff, den jeder für sich bestimmen kann und darf. Aber keiner sollte dem anderen seine Heimat vorschreiben

Die Unterbiberger Hofmusik spielt am Samstag, 8. Februar, um 20.30 Uhr im Kick im Citykino mit ihrem Programm „Dahoam und retour“. Karten für 23 Euro gibt es bei Spielwaren Rauenbusch in Hersbruck. Karten-Reservierungen per Mail an kickev.reservierung
@gmail.com. An der Abendkasse kosten die Karten 25 Euro. Freie Platzwahl, Einlass ab 19 Uhr.

N-Land Marina Gundel
Marina Gundel