Wichtiger gesellschaftlicher Beitrag

Friedenskonzert in Altdorf: Künstlerische und politische Botschaften gehen Hand in Hand

Karin Völkl (Mitte) präsentiert die Rede von Bundespräsident Richard von Weizsäcker zum 8. Mai 1985 als „Jahrestag der Befreiung.“
Karin Völkl (Mitte) präsentiert die Rede von Bundespräsident Richard von Weizsäcker zum 8. Mai 1985 als „Jahrestag der Befreiung.“ | Foto: Eleonore Schön2026/07/q80-f307x512-1024x823-1.webp

ALTDORF – Aufgeschoben ist nicht aufgehoben – das Friedenskonzert, das im Rahmen der Wallensteinfestspiele 2025 abgesagt werden musste, wurde nun nachgeholt. Unter dem Motto „Kein Frieden ohne Versöhnung“ boten rund 80 Akteure ein breitgefächertes Programm mit musikalischen und literarischen Aufrufen zu „Mut zum Frieden“: vom Klagelied aus dem 30-jährigen Krieg bis zu John Lennons „Imagine“, von Texten politischer Dissidenten bis zur Rede eines deutschen Bundespräsidenten und dem Segen eines Papstes.

„Eigentlich ein fulminanter Auftakt“ nennt Pfarrer Bernd Popp den Feierlichen Einzug von Richard Strauss in seiner Begrüßung, klangvoll vorgetragen vom Evangelischen Posaunenchor und Wolfram Wittekind (Orgel) – und spricht damit gleich die Spannungen und Brüche beim Thema Frieden an. „Eigentlich“, so Popp, „ist der Unterschied zwischen der Welt, wie sie ist und wie wir sie wünschen.“

Dabei bekräftigt er den Aufruf zum Friedensmut im Veranstaltungstitel: „Es braucht Menschen, die der Hoffnung mehr glauben als der Angst.“ In Liedern von Reinhard Mey und Wolf Biermann lautet die Devise gegen „die Mauern meiner Zeit“: „Du lass dich nicht verhärten“. Tief unter die Haut geht Anke Trautmanns virtuose Interpretation von Edgar Vareses „Density 21.5“, statt gewohnt lieblicher Seelentöne schrille, abgehakte Flötenklänge einer gar nicht heilen Welt, dem auch die wenigen Stille-Momente und zarteren Töne keinen wirklichen Halt bieten können.

Erschütternd die Verschränkung von Schillers „Wallenstein“ mit dem szenisch vorgetragenen Dialog aus Wolfgang Borcherts „Draußen vor der Tür“ und verstörenden Trompetensignalen des Erlanger Komponisten Werner Heider (aus dem weiten Kirchenraum vorgetragen von Eckhard Kierski): Bernd Fischer als Kriegsheimkehrer Beckmann ringt mit dem „Anderen“ (Wolfgang Völkl) darum, die Brutalität des Krieges zu benennen oder zu verdrängen – „weil das Leben nicht zulässt, sein Herz zu zeigen“.

Kompositionen und Gedichte

Kompositionen und Gedichte, die sich künstlerisch „einer gefährlichen Zeit“ (Alan Hovhaness), „wölfischem Blut“ (Ossip Mandelstam) oder der „Wehrlosigkeit der Guten“ (Bertolt Brecht) widersetzen, kontrastieren mit Mordechaj Gebirtigs jiddischem Lied über intensive Friedenshoffnung im Bild spielender Kinder (Ullrich Reuter und Wim Scheuerlein). Conny Lang zeigt mit Texten von Miguel Hernandes, Heribert Prantl und Dietrich Bonhoeffer Wege zu Versöhnung und Frieden auf. Ein ganz neues Klangerlebnis für das Publikum bildet der achtsame musikalische Dialog der Klangschale von Anna Späth mit dem Gesang von Rayka Wehner in ihrem „Alphabet of Peace“. Dieses Frauenduo schafft mit ungewohnten Saiteninstrumenten und Stimme einen spannenden, emotionalen Klangraum für die von Karin Völkl eindrücklich vorgetragene Rede von Bundespräsident Richard von Weizsäcker zum 8. Mai 1985 als „Jahrestag der Befreiung“ und seiner Forderung, sich der Erinnerung an das Unrecht zu stellen und Menschlichkeit im Heute zu zeigen.

Von Wolfram Wittekind komponierte Zwischenspiele des Posaunenchors greifen Gefechtssignale des Dreißigjährigen Krieges auf und setzen die von der Evangelischen Kantorei vorgetragene Bitte um Frieden des in dieser Zeit in Altdorf wirkenden Erasmus Kindermann in einen authentischen Kontext. Bei John Lennons „Imagine“ stimmen Besucher und Mitwirkende gemeinsam ein in den Wunsch nach einem menschlichen und friedlichen Miteinander.

Standing Ovations in der Kirche

Nach einem abschließenden Segen von Papst Johannes Paul II, vorgetragen von Pfarrer Dominik Pillmayer, zeigen die Zuhörer in der gut gefüllten Laurentiuskirche mit Standing Ovations und großzügigen Spenden für „Ärzte ohne Grenzen“, wie sehr der anspruchsvoll gestaltete Friedensmut der Mitwirkenden sie bewegt und begeistert hat.

Es wurde deutlich: Friedvolles Miteinander bei allen Spannungen war nicht nur die Botschaft der Texte, sie war auch in der Gestaltung der Veranstaltung spürbar. Ein weiter Bogen verband verschiedenste Zeiten, Situationen, Kunstformen und Menschen. Dass sich alle Akteure und Zuhörenden darauf eingelassen haben, dass sich auch im Veranstalterteam Kirchen, Festspielverein und Evangelisches Bildungswerk verbündet haben, ließ einen starken gesellschaftlichen Beitrag der Altdorfer Kulturwelt entstehen. 

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