Röthenbacher Gymnasiasten gewinnen das „Planspiel Börse“

Röthenbacher Schüler spekulieren nachhaltig

Jasmin Kohler, Philipp Riedel, Jakob Hellbarth und Okan Baris (v.l.) erhielten zusammen mit ihrem Lehrer Sebastian Bretzner (2.v.r.) ihre Urkunde in der Nürnberger Schwarzlichtfabrik. | Foto: Andrea Beck2020/01/Planspiel-Borse-GSGym-Rothenbach-Preisverleihung-210120-Beck2-scaled.jpg

RÖTHENBACH — Vier Schüler des Geschwister–Scholl–Gymnasiums Röthenbach haben als die Gruppe „Herr Bretzner wäre stolz“ den ersten Platz im Wettbewerb „Nachhaltigkeit“ des Planspiels Börse in der Region Nürnberg 2019 belegt. In Nürnberg erhielten sie am 21. Januar ihre Auszeichnung.

Jasmin, Philipp, Okan und Jakob sitzen im Café der Schwarzlichtfabrik in Nürnberg und ihre Wangen glühen vor Aufregung. Und vor Farbe, die das Schwarzlicht reflektiert. Gleich erhalten sie vom Leiter der Abteilung Direct Banking der Sparkasse Nürnberg, Thomas Feneberg, ihre Urkunde als Siegerteam des „Planspiels Börse“ in der Region Nürnberg. Die vier Zehntklässler des Geschwister-Scholl-Gymnasiums in Röthenbach haben den Nachhaltigkeitswettbewerb des Planspiels 2019 gewonnen. 

Unter dem Gruppennamen „Herr Bretzner wäre stolz“ beschließen sie im September 2019, unterstützt von  ihrem Wirtschaftslehrer Sebastian Bretzner, das fiktive Startguthaben in Höhe von 50 000 Euro in Aktien von Unternehmen, die im Planspiel als „nachhaltig“ gelistet werden, anzulegen.

„Wer beim Thema Nachhaltigkeit gewinnen will, darf nur in ein einziges Börsenunternehmen investieren, das nicht nachhaltig ist. Alle anderen müssen zum Beispiel Umweltprojekte finanzieren“, sagt Okan. Er hat den größten Teil der Recherche übernommen.

Handeln per Online-App

„Wir hatten zehn Wochen Zeit und haben in der Online-App des Planspiels 100 Aktien zur Auswahl bekommen. Erst haben wir uns über die Firmen informiert und uns dann für Adidas, die Münchner Versicherung, das Mode-Unternehmen Kering und Google – als das nicht nachhaltige Unternehmen – entschieden“, erzählt Okan.

Die vier Freunde würden 2020 als Elftklässler gerne noch einmal zu Junganlegern werden. Dass das Spiel nicht allzu viel mit der Realität zu tun hat, wissen sie. „Wenn man nur über drei Monate Geld anlegt, ohne sich gut auszukennen, ist das Ergebnis Glücksache“, sagt Jakob.

Das Glück war auf der Seite von „Herr Bretzner wäre stolz“. Nach zehn Wochen verzeichneten sie einen Ertrag von rund 1900 Euro und belegten damit in Sachen Nachhaltigkeit im Vergleich zu 157 weiteren Gruppen den ersten Platz in der Region. Unter den 5742 teilnehmenden Gruppen mit dem Fokus auf Nachhaltigkeit in Bayern landeten die vier Nachwuchs-Börsianer auf dem 63. Platz. 

Darüber, dass das Thema Nachhaltigkeit relevant ist, sind sie sich einig. „Die Umwelt wird immer wichtiger. Man muss sich heute überlegen, was brauchen wir eigentlich für die Zukunft?“, sagt Jasmin. 

Wann kauft man eigentlich Aktien?

Die 15-Jährige ist das zurückhaltende Mitglied der Gruppe. Sie wartet lieber, bis sie an der Reihe ist, während die drei Jungen auf jede Frage gleichzeitig antworten wollen. So viel Aufmerksamkeit ist ungewohnt und sie sind stolz auf ihre Urkunde und die 300 Euro Belohnung für alle zusammen. Der erste Platz war ihr großer Wunsch, aber auch ohne Preisverleihung hätten sie aus dem Planspiel einen Nutzen gezogen. 

„Ich habe vorher nicht gewusst, dass man Aktien nur zu bestimmten Tageszeiten kaufen kann und Gebühren zahlen muss. Adidas fällt normalerweise am Abend, aber wenn man den Kauf zu spät anmeldet, bezahlt man sie morgens, wenn sie teuer sind“, sagt Philipp. „Interessant war auch, was riskante und was sichere Anlage-Methoden sind und welche Firmen stabil bleiben. Diese Praxis war spannender, als im Unterricht Arbeitsblätter auszufüllen“, sagt Okan. 

Ob sie mit ihrem Gehalt später einmal in Aktien investieren, wissen die vier noch nicht. „Wenn, dann müssen es gute Firmen sein, die keine Waffen verkaufen oder in anderen Ländern Wasser abpumpen“, sagt Jakob und die anderen nicken. Die vier im Alter von 15 und 16 Jahren haben sich ein hintergründiges Wissen über den Aktienhandel erarbeitet. „Wer an der Börse handelt, darf nicht vergessen, dass er damit Arbeitsplätze beeinflusst“, sagt Philipp.

Gerade sind „Herr Bretzner wäre stolz“ wieder am Diskutieren, als die Leiterin des Planspiels Börse in Nürnberg, Christine Feidel, das Siegerteam aus Röthenbach aufruft. Der Lehrer kommt auch mit nach vorne und beobachtet seine glücklichen Schüler beim Empfang ihrer Urkunde. Er wäre nicht nur, sondern er ist stolz auf sie. 

N-Land Andrea Beck
Andrea Beck