Corona-Demo und Gegendemo im Ortsteil Eschenau

„Spaziergang“ trifft Mahnwache in Eckental

In Gedenken an die Corona-Toten versammelten sich am Montagabend rund 50 Teilnehmer vor dem Rathaus Eschenau. Die Grünen Eckental hatten die Mahnwache organisiert, die gleichzeitig ein Zeichen gegen die Aktionen der Maßnahmen-Kritiker setzten sollte. | Foto: Andrea Beck2022/01/Mahnwache-Eschenau-100122-Beck-scaled.jpg

NÜRNBERGER LAND – Corona-Maßnahmen-Kritiker und -Befürworter riefen am Montagabend gleichzeitig zu einer Aktion am Rathaus Eschenau auf. Von dort aus zogen rund 250 Demonstranten als „Spaziergänger“ durch den Eckentaler Ortsteil. 50 Menschen blieben am Rathausplatz und zündeten Kerzen für die Corona-Opfer an. Sie wollten laut Grünen-Sprecher Manfred Bachmayer „ein Zeichen setzen“. Allein in Mittelfranken fanden am Montagabend insgesamt 28 Versammlungen statt.

Wer am Montagabend gegen 19 Uhr am Eschenauer Rathaus vorbeikam, stieß dort auf eine in Pandemiezeiten ungewohnt große Ansammlung von Menschen, die sich in kleinen Gruppen nur im Flüsterton unterhielten. Umringt wurde das Geschehen von mehreren Streifen der Polizei Uttenreuth. Auf den ersten Blick wirkten die Anwesenden wie eine geschlossene Gruppe, doch tatsächlich waren sie Vertreter zweier Lager, geteilt in Corona-Maßnahmen-Befürworter und -Kritiker. Sie hatten sich zum gleichen Zeitpunkt zu einem „Spaziergang“ und zu einer Mahnwache für die Corona-Toten getroffen.

Zum Glockenschlag setzte sich der Großteil der Menge in Bewegung und zog gemeinsam durch Eschenau. Rund 200 Teilnehmer zählte die Polizei auf der nicht angemeldeten Demonstration, ähnlich wie in den Wochen zuvor (Die PZ berichtete). Sie riefen keine Parolen und hielten keine Schilder, es war ein ruhiger Marsch, der von den Beamten nicht begleitet wurde.

Ebenfalls am Montagabend zogen, wie bereits in den vergangenen Wochen, rund 250 Menschen als „Spaziergänger“ durch den Eckentaler Ortsteil. Genau wie die Mahnwachen-Teilnehmer schwiegen sie die meiste Zeit und hielten Kerzen in der Hand. Foto: Andrea Beck2022/01/Corona-Spaziergang-Eschenau-100122-Beck-scaled.jpg

Gedenken an die Opfer

Rund 50 Menschen blieben währenddessen schweigend auf dem Rathausplatz stehen, im Schein der Kerzen, die im Kreis auf den Boden aufgestellt waren. Einige der Anwesenden hielten Kerzen in der Hand. Sie waren Teilnehmer der Mahnwache zum Gedenken an die Corona-Toten, zu der die Eckentaler Grünen aufgerufen hatten. Die stille Versammlung war gleichzeitig Gedenkfeier und Gegendemonstration.

„Wir wollen heute ein Zeichen setzen, gegen die Ignoranz gegenüber den Corona-Toten und ihrer Angehörigen und die Verharmlosung der Krankheit“, sagte Manfred Bachmayer, Sprecher der Grünen in Eckental und Initiator der Mahnwache. Die Grünen hätten die wöchentlichen „Spaziergänge“ durch Eschenau mit Sorge betrachtet und nun eine eigene Aktion gestartet. „Wir werden uns wohl einmal im Monat zur Mahnwache treffen“, so Bachmayer. Für ihn zeigt die hohe Zahl der Geimpften in Deutschland, dass die Mehrheit mit den Corona-Maßnahmen einverstanden ist, die „Spaziergänger“ seien ein kleiner Teil der Bevölkerung. 

In Bachmayers Augen halten sich diese nicht an die demokratischen Regeln. „Sie wollen wohl mögliche Auflagen umgehen, aber das muss gar nicht sein. Das Landratsamt Erlangen-Höchstadt ist in Sachen Demonstrationen sehr entgegenkommend.“ Leider sei mit den Maßnahmen-Kritikern selten eine Diskussion möglich. 

Eine Stunde dauerte die stille Mahnwache für die Corona-Toten. Im Landkreis Erlangen-Höchststadt sind laut RKI bislang 165 Menschen an oder mit Corona gestorben, im Nürnberger Land 244. Insgesamt forderte das Virus in Deutschland laut dem Institut bisher 114 000 Opfer.

8800 Menschen auf 28 Versammlungen

Die Polizei Mittelfranken begleitete am Montagabend zahlreiche angemeldete und nicht angemeldete Versammlungen in der Region. Auf 28 Demonstrationen von Maßnahmen-Befürwortern und -Kritikern trafen sich rund 8800 Teilnehmer, unter anderem in Nürnberg, Ansbach und Schwabach. Im Landkreis Nürnberger Land zogen „Spaziergänger“ durch Feucht, Altdorf und Hersbruck. Laut Polizei nahmen an dem Hersbrucker Rundgang rund 250 Menschen Teil. Die Teilnehmer selbst zählten dagegen über 400 „Spaziergänger“.

Die Versammlungen verliefen laut der Polizei Mittelfranken überwiegend friedlich und störungsfrei. Die infektionsschutzrechtlichen Vorgaben sowie der Mindestabstand wurden weitgehend eingehalten.

In Erlangen leiteten die Einsatzkräfte allerdings gegen sieben Personen Ordnungswidrigkeitenverfahren wegen Verstößen gegen die Allgemeinverfügung und Verstößen gegen infektionsschutzrechtliche Bestimmungen ein. In Schwabach kam es im Zusammenhang mit dem Versammlungsgeschehen zu mehreren Identitätsfeststellungen sowie zu einer Beleidigung von Einsatzkräften durch einen Teilnehmer. Dieser versuchte zudem, einen Beamten zu treten. Gegen den Mann werden nun entsprechende Ermittlungsverfahren eingeleitet.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren