Hund wurde eingeschläfert

Wieso musste Jacko sterben?

Jacko in jüngeren Jahren, als es ihm noch gut ging. | Foto: privat2019/11/Schwarzenbruck-Jacko2.jpg

Schwarzenbruck – Ein Hundebesitzer wirft dem Veterinäramt vor, seinen Hund ohne Erlaubnis eingeschläfert zu haben. Dort beharrt
man aber darauf, dass er dem Vorgehen zugestimmt hat und der Hund von seinem Leiden erlöst werden musste.

Der Albtraum eines jeden Hundebesitzers ist am vorvergangenen Wochenende für Norbert Rieß wahr geworden. Sein entlaufener Hund Jacko wurde, wie er es darstellt, gegen seinen Willen eingeschläfert. Das Erstaunliche daran: Für diesen Akt ist das Veterinäramt in Lauf zuständig. Dort ist man sich aber sicher, gute Gründe für dieses Handeln gehabt zu haben.
Rückblick: Jacko war zuletzt komplett taub und fast blind, erfreute sich aber noch seines Lebens, glaubt Rieß. „Hätte er gelitten, hätte ich ihn selbstverständlich einschläfern lassen“, betont er. Dass Jacko teils inkontinent und mit seinen 17 Jahren „nicht mehr der Schönste“ war, gibt Rieß unumwunden zu.

„In erbärmlichem Zustand“

Als der Jack-Russel-Mischling vor zwei Wochen durch die Gartentür seines Betreuers in Schwarzenbruck entwischte und auf Erkundungstour ging, fand ihn ein kleiner Junge, der Hund landete schließlich im Tierheim. Dessen Mitarbeiter schalteten Amtstierärztin Dr. Elke Spengler-Wieber vom Landratsamt ein. Aus deren Sicht war Jacko allerdings in sehr schlechter Verfassung und litt durchaus. Der Hund sei in einem „erbärmlichen gesundheitlichen Zustand“ gewesen. Neben seinen Altersbegleiterscheinungen habe er unter anderem an einem Tumor im Analbereich gelitten, der nicht operiert werden konnte, so dass er eingeschläfert werden sollte, wie Rieß in einem Gespräch mit der Veterinärin erfuhr.

Aussagen gehen auseinander

Ab hier gehen die Aussagen nun deutlich auseinander. Rieß gibt an, dass er keineswegs der Tötung seines Hundes zugestimmt habe, während Dr. Spengler-Wieber behauptet, er habe sich in diesem Telefongespräch mit der Euthanasie einverstanden erklärt. Ferner sagt er, die behandelnde Tierärztin in Wendelstein, die Jacko kannte, hätte nie davon gesprochen, dass der Hund leide.

Keine Auskunft im Tierheim

Als sich der Schwarzenbrucker am nächsten Morgen im Tierheim nach Jacko erkundigte, wurde ihm keine Auskunft erteilt. Schließlich erhielt er am späteren Nachmittag einen Anruf der Amtstierärztin, die ihm mitteilte, sie habe das Tier von Dr. Duschner einschläfern lassen.
Die Tatsache, dass der Hund an einem inoperablen Tumor leide und Schmerzen erdulden müsse, sei die rechtliche Voraussetzung dafür, dass sie die Tötung anordnen und verantworten kann, teilt sie unserer Redaktion in einer Stellungnahme mit. Zudem wurde ein Ordnungswidrigkeiten-Verfahren wegen Verstoßes gegen das Tierschutzgesetz eingeleitet.

„Hat dem Einschläfern zugestimmt“

Auf den entsetzten Protest von Rieß und seinen Vorwurf, man habe ihn doch informieren wollen, hieß es nach seinen Angaben, Dr. Spengler-Wieber habe ihm gesagt, sie hätte keine Zeit dazu gehabt ihn zu informieren. Sie dagegen schildert, da sie ja ohnehin davon ausging, dass Rieß dem Einschläfern zugestimmt hat, sei er ja informiert gewesen. „Sollte es in der Kommunikation zu Missverständnissen gekommen sein (was sich nicht mehr abschließend klären lässt), so bedauern wir diese sehr“, heißt es im Veterinäramt des Landratsamts.
Für Jackos Besitzer geht die Geschichte aber noch weiter. Er wollte wenigstens dafür sorgen, dass sein Hund bei ihm im Garten seine letzte Ruhestätte finden sollte, und musste nun erfahren, dass die sterblichen Überreste seines Tiers in der Pathologie des Landesamts für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit obduziert werden. Zudem erhielt er ziemlich prompt vom Landratsamt eine Rechnung über knapp 130 Euro. Verzweifelt hat sich das ehemalige Hundeherrchen nun an einen Anwalt gewandt, mit dem er sein weiteres Vorgehen absprechen will.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler