Röthenbach: Keine allzu großen Sorgen

Weil es vor dem neuen Lidl-Markt in Röthenbach immer wieder zu brenzligen Situationen kommt, wenn Fußgänger die Renzenhofer Straße überqueren, denkt die Stadt jetzt sogar über eine Ampel nach2011/01/15734_New_1296232264.jpg

RÖTHENBACH — Was brennt den Röthenbachern auf den Nägeln? Rostende Laternen in der Seespitze, die Tatsache, dass die Renzenhofer Straße für Fußgänger mitunter nur schwer zu überqueren ist, und das Angebot auf dem Wochenmarkt – nur drei von zahlreichen Themen bei der Bürgerversammlung für den Kernort in der Karl-Diehl-Halle.

Ein wenig ungewohnt war das schon am Donnerstag in Röthenbach: Nicht Stadtoberhaupt Günther Steinbauer leitete die Bürgerversammlung, sondern Dieter Quast, sein Stellvertreter. Steinbauer nämlich ist seit Wochen krank und liegt derzeit sogar im Krankenhaus. Aber das war längst nicht alles: Zum ersten Mal saßen die wichtigsten Mitarbeiter der Verwaltung auch an einem großen Tisch vor den Gästen, als direkte Ansprechpartner. Und in dieser Funktion waren sie auch gefragt.

Stadtwerke-Chef Waldemar Munkert etwa musste erklären, wie die Straßenlaternen ein- und ausgeschaltet werden. Per Sensor nämlich, der das Umgebungslicht registriert. So kommt es zustande, dass mitunter im Sommer die Laternen erst spät angehen und nur Minuten später in den Nachtmodus wechseln, bei dem bloß noch jede zweite Laterne leuchtet. Das soll sich mit den neuen Leuchten ändern, die derzeit überall im Stadtgebiet installiert werden (wir berichteten). Sie können die ganze Nacht über an bleiben, weil sie nur wenig Strom brauchen. Dass in der Seespitzstraße indes so mancher alte Laternenpfahl kräftig vor sich hin rostet, wie ein Anwohner monierte, soll kein Dauerzustand sein. Munkert: „Wir werden da tätig werden.“

Tätig werden will die Stadt auch in der Renzenhofer Straße. Dort ist es für Fußgänger wegen des vielen Verkehrs nicht einfach, die Straße zu überqueren, um im neuen Lidl-Markt einzukaufen. Eine Querungshilfe oder eine Ampelanlage wünscht sich deshalb nicht nur Klaus Hacker von den Freien Wählern, der sich als Bürger zu Wort meldete. Quasts Antwort: „Hier wird gerade ein Verkehrskonzept erstellt.“ In der Verwaltung könne man sich sogar eine Ampel vor dem Markt vorstellen. „Außerdem wollen wir das Ortsschild weiter stadtauswärts aufstellen“, so Quast. An der Bushaltestelle auf Höhe der Einmündung zur Werner-von-Siemens-Allee solle nicht mehr so schnell gefahren werden.

Josef Hailand, Leiter des Bauamts, musste auf Anfrage einer Besucherin hin Auskunft über das Neubaugebiet Steinberg II zwischen Realschule und Renzenhofer Straße geben. Dieses werde vom Freistaat Bayern vermarktet, erklärte er (wir berichteten). Und weiter: „In diesem Jahr soll ein Investor gefunden werden.“ Einen rechtskräftigen Bebauungsplan gibt es bereits seit 1982. Sind daran Änderungen notwendig, müssen die Anwohner beteiligt werden.

Erfolgsgeschichte Realschule

Derzeit wird an der Realschule in der Seespitze eine zweite Einfachturnhalle gebaut. 2,1 Millionen Euro kostet das. Ob es nicht billiger gekommen wäre, gleich eine doppelte Turnhalle zu errichten, so wie die Stadt das dem Kreis vor Jahren, vor dem Spatenstich für die Realschule, vorgeschlagen habe, wollte ein Bürger wissen. Quast erinnerte daran, dass es sogar lange umstritten gewesen sei, ob Röthenbach überhaupt eine Realschule brauche. Nachzuhaken sei deshalb „vielleicht interessant, aber müßig“. Der Erfolg der Schule gebe der Stadt ja recht.

Weitere Anregungen aus der Versammlung will der Bürgermeister-Stellvertreter aufnehmen: So dürften Rechnungen für Beerdigungen auf dem städtischen Friedhof bald wohl zusammen mit einer Beileidsbekundung verschickt werden. Auch um Nachfolger für jene beiden Händler, die ihre Stände nicht mehr auf dem Wochenmarkt aufschlagen, kümmert man sich im Rathaus bereits. Über eine zumindest vorübergehende Verlegung des Marktes auf die leer stehende Fläche vor dem Luitpoldplatz denken die Stadträte momentan zwar nach, aber diese habe „ihr Für und Wider“, so Quast. Wenn der neue Marktplatz nämlich eines Tages tatsächlich gebaut wird, müssten die Stände dort wieder weichen.

Wenig ausrichten kann die Stadt dagegen am Erlenplatz: Dort weist bereits ein blaues Schild mit weißem Pfeil die Autofahrer darauf hin, dass sie beim Abbiegen von der Schönberger Straße in die Kleingartenstraße oder direkt auf den Erlenplatz rechts an der dortigen Verkehrsinsel vorbeifahren müssen. Trotzdem findet so mancher den richtigen Weg vorbei an dem Hindernis nicht und gerät so unwissentlich auf die Gegenfahrbahn. Ebenso machtlos ist die Kommune in Sachen Kinoberg (wir berichteten). Werden dort die Büsche abgeholzt? „Der Kinoberg gehört uns nicht“, sagte Quast. Wenn der Besitzer des Grundstücks dort bauen wolle, könne er dies auch tun.

Immerhin: Beim neuen Marktplatz sollen die Bürger „aufs Engste“ eingebunden werden. Das hatte Quast gleich zu Beginn der Versammlung in seinem Jahresrückblick betont. Dieser enthielt zwar viel Eigenlob für die Stadt, vor allem in Sachen Haushalt – hier habe man in der Not gespart und deshalb jetzt mit rund sechs Millionen Euro noch genug auf der hohen Kante –, ließ jedoch auch die auch die wunden Punkte nicht außen vor. Beispiel Ladenleerstände in der Innenstadt: Hierum werde man sich genauso kümmern, wie man sich für einen behindertengerechten Ausbau des Bahnhofs einsetzen werde. Röthenbach, so Quast, sei alles in allem eine sehr sichere Stadt. Stolz sei man auf die eigenen Stadtwerke und auf die gut ausgelastete Karl-Diehl-Halle. Und im Jubiläumsjahr 2011, in dem die Kommune 700 Jahre alt wird, breche man sicher den „Feierrekord“.

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