Delegation der Eppelein-Festspiele im bayerischen Landtag

Mit Bedacht an die verehrte Stamm gedacht

In historischen Kostümen (v.l.n.r) sind Loni Püntzner als Töpfer, Betty Püntzner als Bäuerin, Bärbel Sopper und Dieter Sopper als Patrizier, Manfred Martini als Kaiser Karl VI., Festspielleiter Helmut Buchner, der Schirmherrin Barbara Stamm die Festrede überreicht, Achim Schwarzkopf als Eppelein und Sandra Thaller als Agnes Tetzel, links außen der Landtagsabgeordnete Norbert Dünkel, rechts Bürgermeister Heinz Meyer nebst Elke Leser. | Foto: Hornung2016/06/Burgthann-Eppelein-Stamm.jpg

BURGTHANN/MÜNCHEN – Nachdem Barbara Stamm ihre Schirmherrschaft und auch bereits den Besuch der Festspiele 2017 zugesagt hatte, überbrachte eine Eppelein-Abordnung der Landtagspräsidentin ihren freudigen Dank. Man traf sich – natürlich – im Landtag, der politischen Bühne der Schirmherrin.

Auch diesmal sollte wieder ein Landsmann oder eine Landsmännin als Aushängeschild für die Eppelein-Festspiele gewonnen werden. Vor zwei Jahren hatte Innenminister Joachim Herrmann das Amt übernommen. Eigentlich hätten die Burgthanner für die kommende Saison 2017 gerne Markus Söder gehabt. Der Heimatminister fiel nun allerdings weg, nachdem die Wallensteiner in Altdorf den gebürtigen Nürnberger 2015 zum Schirmherrn hatten – ungeschriebene Festspielpolitik. In der Unterfränkin Stamm, die ja auch mit Kultur und Geschichte Mittelfrankens vertraut sei, wie Spielleiter Helmut Buchner betonte, fanden die Eppeleiner schließlich ihre Herrin.

Die politische Bühne

Zunächst jedoch mussten die Festspielleute eine Weile auf ihr ersehntes Ziel Stamm warten. Die bayerischen Abgeordneten waren doch länger als geplant mit einer Abstimmung beschäftigt. So konnten die Volksschauspieler selbst einmal in die Zuschauerrolle schlüpfen und die politischen Akteure durch verglaste Flügeltüröffnungen auf ihrer Landtagsbühne beobachten.

Nicht schlecht staunte die Präsidentin über die Gruppe bunt Kostümierter, als sie schließlich den Sitzungssaal verließ.

„Wir Burgschauspieler aus Burgthann reisen heute in München an und haben nur das eine zum Ziel: die Schirmherrin 2017 für das Eppelein-Festspiel“, rezitierte Buchner im Kreise einer Delegation aus acht Darstellern nebst Bürgermeister Heinz Meyer und Elke Leser von der Gemeinde Burgthann. Barbara Stamm zeigte sich hoch erfreut über den Besuch: „Es ist eine Ehre, dass Sie mir die Schirmherrschaft übertragen.“ Sie ist die fünfte Person im Amt.

Vor elf Jahren haben die Burgthanner ihre Premiere der Uraufführung des „Volksstücks über einen ehrlichen Strauchdieb“ gefeiert. Regisseur und Schauspieler Werner Müller hatte die Erlebnisse Frankens mit Eppelein von Gailingen den Burgthannern und ihrer Burg auf den Leib geschrieben. Historisch belegt ist, dass der Raubritter dort im Turm die letzte Nacht seines Lebens vor der Hinrichtung in Neumarkt verbrachte.

Fränkischer Robin Hood

Was war dieser Ritter von Gailingen für ein Typ? „Der historische Eppelein hat freilich Kaufmannszüge ausgeraubt, vielleicht hat er sogar Hände abgehackt“, sagt Buchner, „tatsächlich belegt ist allerdings sehr wenig“. Möglicherweise hat es gar zwei Eppeleins gegeben. Einige Quellen, in denen von einem jüngeren und einem älteren die Rede ist, legen diese Vermutung nahe. In jedem Fall war der Eppelein volksnah, und deswegen spielen die Burgthanner seine Geschichte als die eines fränkischen Robin Hood, mit deftigen Szenen und echtem Brautkuss.

Über 60 Laiendarsteller sind in 46 Sprechrollen an der Inszenierung beteiligt. Um das stemmen zu können, probt das Ensemble ab Anfang April jedes Wochenende.

„Ich bedanke mich schon heute für die Schirmherrschaft“, schloss Barbara Stamm: „Wie schnell wird 2017 da sein.“ Den Spielen, die vom 8. bis 23. Juli kommenden Jahres auf der Burgthanner Burg stattfinden, wird sie am letzten Tag der Saison die Ehre erweisen. Zum Abschied überreichten die Eppeleiner ihr eine Münze und ein Foto der Schlussszene mit der gesamten Besetzung.

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