Elektro und Gasfahrzeuge verändern Arbeit der Feuerwehr

Neue Technik fordert die Retter

In Heuchling schlugen gestern Flammen aus dem Motorraum dieses erdgasbetriebenen VW Touran.
In Heuchling schlugen gestern Flammen aus dem Motorraum dieses erdgasbetriebenen VW Touran. | Foto: Feuerwehr2016/11/erdgasauto-brand-heuchling.jpg

HEUCHLING — Ein brennendes Auto: für Feuerwehrleute ein normaler Einsatz. Doch am Mittwoch stand in Heuchling ein erdgasbetriebener VW Touran in Flammen. Für die Einsatzkräfte war das Grund zu erhöhter Vorsicht, denn Gas ist hoch­explosiv. Der Fall, der glimpflich ausging, offenbart, wie alternative Antriebe die Feuerwehr zunehmend fordern.

Als ein Heuchlinger seinen VW Touran mit Erdgasantrieb am Mittwochmorgen anlassen wollte, reagierte der Wagen nicht. Wenig später schlugen Flammen aus dem Motorraum des Fahrzeugs, das direkt neben einem holzverkleideten Carport abgestellt war.

Wenn ein gasbetriebenes Auto brennt, gesteht Daniel Bösch von der Laufer Feuerwehr, dann nähern er und seine Kollegen sich nur ganz vorsichtig. Gas kann leicht explodieren. „Die Tanks sind zwar relativ sicher“, sagt Bösch, „aber bei nachgerüsteten Fahrzeugen weiß man nie, wer die Arbeiten wie ausgeführt hat“. Hinzu kommt, dass technische Defekte nicht auszuschließen sind. So wurden 2014 bei Bad Segeberg zehn Feuerwehrleute verletzt, weil ein Überdruckventil eines bei einem Unfall beschädigten Autos nicht richtig funktionierte. Der Wagen war allerdings mit Flüssiggas (LPG) betankt, nicht mit Erdgas, so wie der VW Touran in Heuchling.

Wo läuft welches Kabel?

Ob Elektro-, Gas- oder Hybridfahrzeuge: Die wachsende Vielfalt auf den Straßen macht die Arbeit der Feuerwehr schwieriger. Bei Gas­autos müssen die Einsatzkräfte die Absperrhähne finden, bei E-Autos müssen sie dafür sorgen, dass das Hochvolt-System abgeschaltet ist, ehe die Rettungsschere zum Einsatz kommt. Spannungsführende Kabel sind laut Landesfeuerwehrschule Baden-Württemberg zwar orangefarben gekennzeichnet, „jedoch ist deren genaue Verlegung im Fahrzeug nicht bekannt“. Hinzu kommen neue, stabile Werkstoffe wie Carbon.

Im Bereich der Nürnberger Leitstelle gibt es schnelle Hilfe für die Retter vor Ort: „Die Leitstelle hat ein Softwaresystem, mit dem wir die wichtigsten Infos auf das Smartphone bekommen“, sagt Bösch. Versendet werden mehrseitige Broschüren zum jeweiligen Fahrzeugtyp, die genau angeben, wo sich welche Leitungen befinden, wo Tanks untergebracht sind.

Auch im Heuchlinger Fall konnte die Leitstelle auf diese Weise helfen. Zudem brannte nur der Motorraum, nicht der im Bereich der Hinterachse untergebrachte Tank. Die Feuerwehren aus Lauf und Heuchling brachten das Feuer unter Kontrolle, niemand wurde verletzt. Den Schaden am Fahrzeug beziffert die Polizei auf 5000 bis 7000 Euro. Zudem seien der Carport, eine Hecke und ein Zaun in Mitleidenschaft gezogen worden. Noch offen ist die Ursache des Brands.

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