Einstimmiger Beschluss im Stadtrat

Lauf bevorzugt Abluftanlagen auch in den Kitas

Die Räume des Kindergartens Heuchling sollen noch in diesem Monat mit Abluftanlagen ausgestattet werden. Mobile Luftreinigungsgeräte stellt die Stadt Lauf nur in Ausnahmefällen auf. | Foto: PZ-Archiv2021/08/kita-foto-lauf-archiv.jpg

LAUF – „Frischluft vor Luftreinigung“ ist der Grundsatz der Stadt Lauf, wenn es um die Raumluftverbesserung in Schulen und Kitas geht und an diesem will sie auch im Zuge der aktuellen Debatte um mobile Luftfilteranlagen (die PZ berichtete) festhalten. Bereits im Herbst 2020 wurden die Klassenzimmer der Laufer Grund- und Mittelschulen ohne fest installierte Raumluftanlagen mit sogenannten Abluftanlagen ausgestattet.


Nun hat der Stadtrat einstimmig beschlossen, dass auch die Raumluft der Kitas mit diesen Abluftanlagen und nicht mit mobilen Luftfiltergeräten gereinigt werden soll. Einzige Ausnahme sind die kleinen Schlafräume der Kitas, in denen sich die Installation einer Abluftanlage nicht lohnt. Dort werden mobile Luftfilter aufgestellt, wie aktuell im Bertlein-Kindergarten getestet. „Die Rückmeldungen der Mitarbeiter sind positiv, die Kinder können trotz den Geräuschen des Motors schlafen“, sagt Richard Knauer vom Bauamt Lauf.


Saugen statt Filtern


In Sachen Lärm geben sich die weißen Filterkästen und die Motoren der Abluftanlagen nicht viel, beide liegen im Bereich von etwa 50 Dezibel. Doch die Abluftanlagen, die über Rohre an den Decken die verbrauchte Luft – und somit auch die Aerosole – absaugen und von außen frische Luft zuführen, sind, vor allem im Hinsicht auf Wartung und langfristigen Betrieb, um einiges günstiger als die mobilen Luftreiniger. Letztere sind außerdem kein Ersatz für das Fensterlüften, denn sie wälzen die Raumluft nur um.


Auf der Suche nach Methoden, um die Infektionsgefahr in Schulräumen zu senken und die Raumluftqualität zu steigern, wurde die Stadt Lauf 2020 auf eine Studie des Max-Planck-Instituts aufmerksam, die die verschiedenen Methoden der Luftreinigung vergleicht.


Die Studie stellt den einfach zu bauenden Abluftanlagen dabei ein gutes Zeugnis aus, die mobilen Luftfiltergeräte reinigten dagegen nur etwa 50 Prozent der Raumluft und müssten regelmäßig gewartet werden. Also ließ die Stadt in 61 Schulräumen, inklusive der Container-Klassenzimmer der Bertleinschule, Abluftanlagen einbauen und testete deren Wirksamkeit mit CO2-Messgeräten und einem Rauchversuch in der Bertleinschule. „Wir haben den ganzen Raum zugequalmt und in wenigen Minuten hatte die Anlage den Rauch abgesaugt“, sagt Knauer.


Nach der vom bayerischen Kabinett Anfang Juli als Förderbeschluss verpackten Aufforderung an die Kommunen, Schulen und Kitas bis zum Beginn des neuen Schuljahrs mit mobilen Luftfiltergeräten auszustatten, griffen die Laufer Bauamtsmitarbeiter zum Taschenrechner. Sie kamen für die Lüftung von rund 70 Räumen mithilfe von mobilen Filtergeräten auf eine Summe von rund 750 000 Euro, inklusive der Unterhaltskosten im ersten Jahr.


Die Ausschreibungen sind raus


Der Einbau und Unterhalt von Abluftanlagen und – wo diese nicht sinnvoll sind – Filtergeräten kosten die Stadt dagegen rund 217 000 Euro. Angesichts dieses hohen Preisunterschieds und der guten Resonanz zu den Abluftanlagen in Schulräumen diskutierten auch die Laufer Stadträte am vergangenen Donnerstag nicht lange. Sie stimmten für das Konzept des Laufer Bauamts, das am gestrigen Montag die Ausschreibungen für den Bau der Anlagen verschickte.


„Die Firmen haben nun zehn Tage Zeit, uns ein Angebot zu machen und ab dem 23. August sollen die Bauarbeiten dann starten. Bis zum Schuljahresbeginn soll alles fertig sein“, sagt Knauer.


Mit diesem Konzept folgt die Stadt Lauf somit nicht der Empfehlung der Bayerischen Regierung an die Kommunen, flächendeckend mobile Luftreiniger anzuschaffen. Zur Enttäuschung der Herstellerfirmen, die sich laut Knauer regelmäßig an die Stadt Lauf wenden. „Und nicht nur an die Stadt, sondern auch an die Elternbeiräte und Schulen.“ 17 mobile Filtergeräte wird die Stadt Lauf bis zum Ferienende kaufen. Aus Sicht der Produzenten ist das wohl besser als gar nichts.

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