Urlaub vor der Haustüre

Dirndltag in der Edelweißhütte: Sonja Steinlein, Wirtin Christine de Vries und Sarah Furche haben keine Sommerpause. Foto: D. Dischner2010/09/5_2_1_2_20100911_AKTUELL.jpg

DECKERSBERG – Bäcker, Bademeister, Bauer, Sanitäter. Wer blieb noch daheim in den Sommerferien? Klar, die Wirte. Die Chefin der Edelweißhütte wäre auch gar nicht gern weg. Denn was sie mag, hat sie vor der Haustür: Wald, Wanderwege und Felsen.

Andere fürchten sich. Aber Christine de Vries findet: Im Wald lebt sich s gut! Und hier im Wald von Deckersberg in der idyllischen Edelweißhütte lebt und arbeitet die Gastwirtin das ganze Jahr, Sommer wie Winter. Die Ferien über hierzubleiben hat ihr nichts ausgemacht. Im Gegensatz zu ihrem 14-jährigen Sohn Clemens, der zu Verwandten gereist ist, käme es der Mutter nicht in den Sinn, im Sommer wegzufahren: „Ich bin kein Strandmensch, reinen Badeurlaub habe ich noch nie gemacht.“ Sie genießt lieber die Gegend, geht ab und zu mal joggen und am allerliebsten frönt sie ihrer Leidenschaft, dem Klettern. Da wir hier in der Gegend dafür die besten Voraussetzungen haben, sagt sie, brauche sie nicht wirklich wegzufahren. Sie liebt die Region, in der sie lebt. Hier sei sie „wirklich angekommen“, sagt die gebürtige Berlinerin, die das Gastronomie-Handwerk im Hersbrucker Land gelernt hat, in das sie vor drei Jahren aus dem hohen Norden zurückgekehrt ist. Sie kann und will es sich derzeit auch nicht leisten, die Hütte dichtzumachen: „Wir wollen hier ja eine Urlaubsregion sein. Da ist es ja unsere Aufgabe, gerade im Sommer geöffnet zu haben.“ Außerdem liefen die Kosten für Personal und Pacht weiter.

Der Betrieb der Hütte ist viel Arbeit für eine einzelne Person. Nur selten hat de Vries jetzt unter der Woche Zeit zum Klettern, am Wochenende sowieso nicht. Gerade erst ist die Deckersberger Kirchweih überstanden: „Manchmal ist es schon hart.“ Letztes Jahr hat sie im Herbst eine Woche zugemacht. Aber das möchte sie nicht wiederholen, denn die Vorbereitung und der Arbeitsaufwand nachher waren zu groß. Außerdem sei diese eine fehlende Woche von den Einnahmen her nicht mehr so einfach aufzuholen: „Wir sind hier eben sehr wetterabhängig. Das ganze Frühjahr war kalt und regnerisch, dann kam die Fußballweltmeisterschaft, von der wir nicht profitiert haben. Wir wollten absichtlich eine fußballfreie Zone bleiben.“

Hier in der Waldhütte hat die Gemütlichkeit absolute Priorität, weshalb wohl auch die meisten Gäste kommen. Im extrem heißen Juli schließlich gingen die Leute eher ins Schwimmbad oder an den See. Vom idealen Biergartenwetter 2010 kann Christine de Vries also nicht sprechen.

Ihre Angestellten lobt die Wirtin sehr, ohne ihre Stützen, sagt die Wirtin, würde sie sicher durchdrehen. „Das sind übrigens auch alles Daheimgebliebene, die nehmen sich jetzt auch keinen Urlaub.“

Die Stammgäste schätzen neben dem Ambiente vor allem die gute fränkische und die etwas gehobenere Küche. Im Sommer kommen auch viele Wanderer oder Radfahrer zufällig vorbei, teilweise nutzen auch die Jugendgruppen des Ferienlagers das Essensangebot der Edelweißhütte.

Märchen und Musik

Um die Gäste zu animieren, nicht nur der schönen Natur wegen die Edelweißhütte aufzusuchen, hat de Vries für den Rest des Jahres nach einer Lesung in Zusammenarbeit mit der Buchhandlung Lösch demnächst eine Musikveranstaltung und wieder einen Märchenabend geplant. Sie überlegt weitere zum Ambiente passende Aktivitäten, die auch bei schlechtem Wetter Spaß machen und bei denen man gemütlich die Wärme des Kachelofens genießen kann. Zeit für Urlaub hat die Wirtin dann im Winter eigentlich auch nicht.

Doris Dischner

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