Nötigung und Beleidigung

Streit auf der Autobahn landet vor Hersbrucker Amtsgericht

Verhandlung vor dem Amtsgericht Hersbruck. | Foto: recht_schoen - stock.adobe.com2021/11/ger.jpg

HERSBRUCK – Wer hat wen auf der Autobahn ausgebremst, beleidigt und den Mittelfinger gezeigt? Diese Fragen wurden am Amtsgericht Hersbruck verhandelt, am Ende stand Aussage gegen Aussage.

Wegen Beleidigung in zwei Fällen und einer Nötigung mit Beleidigung, alles am selben Tag, musste sich ein 29-Jähriger aus Eckental verantworten. Seine Taten bezogen sich auf ein und denselben Mann: Dessen BMW soll er im Dezember 2020 zunächst auf der B 14 nach Rückersdorf rechts überholt, knapp vor ihm eingeschert und ihm den Mittelfinger gezeigt haben. Kurz darauf habe er laut Anklage den Geschädigten auf der A3 durch ein Bremsmanöver gezwungen, stark abzubremsen. Und an der anschließenden Ausfahrt bei Erlangen/Bruck habe er den BMW-Fahrer schließlich durchs geöffnete Fenster an der Ampel beschimpft und abermals seinen Finger sehen lassen.

Der 29-Jährige will die Anklage vor Gericht nicht so stehen lassen und holt zur Gegendarstellung aus: Er könne sich zwar nicht an alles erinnern, wisse aber noch, dass der erste Überholvorgang auf der B 14 nicht stattgefunden habe. Er sei dann hinter dem Geschädigten auf die Autobahn gefahren, danach aber als Erster auf die mittlere und dann auf die linke Spur gewechselt. Er vermutet, dass das den BMW-Fahrer verärgert hatte, weil dieser dadurch einen auf der rechten Spur fahrenden Lkw nicht gleich überholen konnte. Der Kläger sei daraufhin dicht auf ihn aufgefahren und habe die Lichthupe betätigt.

Abermals den Mittelfinger gezeigt

Als beide Wagen nebeneinander an der Ampel in der Ausfahrt standen, habe der Kläger ihn aufgefordert, das Fenster herunterzulassen, gesagt, er solle zur Seite fahren, und ihm gedroht. Beide seien dann aber in unterschiedliche Richtungen weitergefahren, er habe nur noch gesehen, wie der BMW-Fahrer seinen Wagen fotografierte.

Richter Klaus Schuberth ruft daraufhin den Geschädigten in den Gerichtssaal und lässt ihn seine Version des Vorfalls erzählen. Der 51-jährige Erlanger wiederholt im Großen und Ganzen die Anklage, will sich jedoch an keine Beschimpfungen erinnern, die zum Schluss an der Ampel stattgefunden haben sollen. Er wisse nur noch, dass der Angeklagte laut gelacht und ihm abermals seinen Mittelfinger gezeigt habe. Er sei dann ziemlich wütend geworden, habe das Kennzeichen fotografiert und sei zur Polizei gefahren. „Ich hätte ihn nicht angezeigt, wenn er aufgehört hätte, mir den Mittelfinger zu zeigen“, schließt der Zeuge.

Verständigung möglich?

Wohl auch deshalb, weil nun Aussage gegen Aussage steht, schlägt der Verteidiger eine Verständigung vor. Er zieht sich mit der Staatsanwältin und dem Richter zurück und bespricht sich anschließend mit seinem Mandanten. Es dauert eine Weile, doch als die beiden den Gerichtssaal wieder betreten, lässt der Anwalt wissen, dass sie die Verständigung „schweren Herzens“ annehmen.

Das Verfahren wird vorläufig eingestellt, der Angeklagte muss als Strafe bis Ende Januar 1800 Euro an einen Laufer Sportverein zahlen. Dagegen könne er noch Widerspruch einlegen, erklärt Richter Schuberth, aber so sei es eine einmalige Chance, um möglichst ohne Fahrverbot wegzukommen.

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