Kunstmarkt und verkaufsoffener Sonntag

Kehrschaufel, Kleidung, Kunst

Treffpunkt Hersbruck: Der verkaufsoffene Sonntag bei Bilderbuchwetter war ein Publikumsmagnet für die offenen Läden, Restaurants und vor allem die Eiscafés. | Foto: J. Ruppert2019/03/IMG_4431.jpeg

HERSBRUCK – Manchmal hat es die Kunst nicht leicht, sich zwischen Nachtwäsche, Waschmaschinen und Sandkastenförmchen zu behaupten. Findet man Arrangements dieser Art in den Schaufenstern von Hersbruck, ist wieder Kunstmeilen-Zeit. Die Gelegenheit, in der Galerie zu shoppen oder beim Optiker Kunst zu erleben, ließen sich am verkaufsoffenen Sonntag bei strahlendem Sonnenschein viele nicht entgehen.

Inzwischen ist die Kunstmeile mit dem verkaufsoffenen Sonntag ein gut eingeführtes Format. Die Händler freuen sich, „ihre“ Künstler einmal wieder zu sehen. Und die Künstler empfinden es als Herausforderung, wenn sich ihre Werke neben Konsumartikeln behaupten müssen und können. Dabei gibt es stet Paarungen, die sich so perfekt ergänzen, dass es kaum einen Aha-Effekt gibt.

Bei RaumFrau ergänzen Nora Matoczas Gemälde farblich und vom Format die ausgestellten Deko-Artikel aufs Angenehmste. Optik Riedel arrangiert seine Kassengestelle so raffiniert um die Aquarelle von Jutta Schwarz, dass beides wie für einander gemacht erscheint. „For You“ zieht seinen Schaufensterpuppen Outfits über, die farblich zu Sonja Flotts schwungvollen Leinwänden passen. Lisa Schicks farbstarkes Bild harmoniert sehr witzig mit den ebenso bunten Besen, Kehrichtschaufeln und Brillen bei Brillenmacher Singer.

Mementos an den Schuhmacher

Die kleinen Schühchen im Rahmen von Inge-Bärbel Drexel könnten auch persönliche Mementos bei Schuhmacher Seitz sein. Die kleinen „Zeitungsleser“ von Andreas Hauter nehmen starken Bezug auf die Aushänge der Lokalseiten in der Hersbrucker Zeitung. Und die Drucke von Waldansichten von Karin Plank-Hauter am gleichen Ort erinnern an den Ursprung des Papiers: das Holz.

Doch auch starke Kontraste haben ihren Reiz: Die blaue Welle von Elisabeth Stiegler entfaltet neben den Wäschepflegehelfern von ComTec Loss eine gewisse leise Komik. Die kleinen Keramikfiguren von Gina Bauer purzeln ebenso lustig durchs Schaufenster von Tabak Biegel wie die bunten Grußkarten darüber. Urige, dreidimensionale Torsi, die Hans Tuchscherer aus Metallplatten mit einer erstaunlichen Formsicherheit zusammenschraubt und -lötet, sind bei „Geld und Haus“ untergekommen. Die ungezähmten Kreaturen von Melanie Hehlinger bei Foto Steinbauer und in der Stadtapotheke stehen für sich.

Grußkarten und kleine Akrobaten: Die Keramiken von Künstlerin Gina Bauer turnen bei Tabak Biegel. Foto: U. Scharrer2019/03/Bauer-Biegel.jpg

Schön, dass mit Hehlinger und den bei Spielwaren Rauenbusch ausstellenden Kunststudenten Mathis Hauter, Dominik Gierl und Hannah Schwab auch die junge Generation ein Forum erhält. Die zurückhaltenden Streifen-Bilder von Hannah Schwab sehen wie Design-Objekte im Tui-Reisecenter-Fenster aus.

Herausfordende Organisation

So viel Einsatz will auch gefeiert werden: Eine Stunde vor der Sonntagsöffnung der Geschäfte zur Kunstmeile versammelten sich Ladeninhaber und Künstler im Hirtenmuseum und stießen miteinander an. Auf die Kunstmeile 2019 und auf eine gelungene Organisation, die dieses Jahr Anita Magdalena Franz stemmte. Sie hatte nicht wenig mit zögerlichen Künstlern und Geschäften zu kämpfen. Das machte den vielfach nachgefragten und bereits finanzierten Flyer terminlich unmöglich. Am Ende füllte Franz mehrere Fenster mit ihren eigenen, eindrucksvollen Keramiken auf.

Carola Hoffmann vom Wirtschaftsforum Hersbruck und Kollege Jürgen Wild freuten sich, organisatorische Arbeit in so kompetente Hände abgeben zu können – letztlich sind fast 25 Kunstschaffende in den Schaufenstern vertreten und geben, wie Stadträtin Irmgard Raum betonte, ein gutes Bild von Hersbruck ab. Sie wünschte den Beteiligten und den zu erwartenden Gästen eine Symbiose aus Genuss, Kunst und Konsum sowie zufriedene Gesichter am Ende des Tages.

N-Land Ute Scharrer
Ute Scharrer