Wie wird Fasching stattfinden?

Verpflichtung der Narren

Ein Rathaussturm, wie hier 2019 mit Pascal Czerwek (links) und dem damaligen Feuchter Bürgermeister Konrad Rupprecht, ist in Pandemie-Zeiten kaum denkbar. Zu viel Publikum würde dem Event möglicherweise beiwohnen. | Foto: Anita Wilcke2020/09/Feucht-rathaussturm.jpg

Feucht. Auch bei Feucht-fröhlich weiß man noch nicht, wie die kommende Session aussehen wird. Über die aktuelle Herausforderung hat man sich aber schon intensiv Gedanken gemacht, Feiern wie gehabt wird auf keinen Fall im Mittelpunkt stehen.

So, nun wissen es aber auch wirklich alle: Jens Spahn ist selbst als Kind Karnevalsprinz gewesen, aber als verantwortungsbewusster Gesundheitsminister kann er sich das Faschingfeiern im üblichen Rahmen „schlicht nicht vorstellen“. Was sich Jens Spahn aber vorstellen kann, weiß man leider immer noch nicht, die Faschingsvereine und -gesellschaften hängen ziemlich in der Luft. Auch bei der Feuchter Faschingsgesellschaft Feucht-fröhlich brütet man noch darüber, wie die kommende Session aussehen wird. Ihr Präsident Pascal Czerwek hat auf jeden Fall eine differenzierte Meinung zur gesellschaftlichen Funktion der fünften Jahreszeit und zur Aufgabe, die Fasching trotz der Pandemie erfüllen könnte.

Worst case

Der worst case für Faschingsfreunde, die drohende ersatzlose Absage, hat auch in der Region unterschiedliche Reaktionen hervorgerufen. Neben der kompletten Ablehnung eines solch radikalen Schritts bei Insidern gab es auch verständnisvolle Stimmen. Die meisten aber hoffen auf einen Kompromiss, der sich im Rahmen gewisser Hygiene-Vorschriften realisieren lässt und neue kreative Formen des Faschings hervorbringt.

Verband braucht Planungssicherheit

In der Region sind die Meinungen der Funktionäre durchaus geteilt. Marco Anderlik, der Präsident des Fastnacht-Verbands Franken in Veitshöchheim, mahnt Planungssicherheit für die 300 Mitgliedsgesellschaften seines Verbands an. Manche hätten bereits abgesagt, er selbst könne sich vorstellen, dass mit Flexibilität und Kreativität Fasching „in irgendeiner Form“ stattfinden könne. Eine pauschale Absageempfehlung wolle man nicht aussprechen.
Jörg Philips, der Präsident der Nürnberger Luftflotte des Prinzen Karneval, stellt fest, man könne das Brauchtum auch anders pflegen als mit 500 Menschen in einem Saal. „Wir feiern gern wieder, wenn wir dürfen.“ Und Udo Diehl, Vorsitzender des Festausschusses Nürnberger Fastnacht, wartet zwar auf eine konkrete Entscheidung, hat aber schon entschieden, dass es in Nürnberg kein Prinzenpaar geben wird.

Keine klaren Vorgaben

Bei den Feucht-fröhlichen steht man ebenfalls vor Entscheidungen, für die es derzeit keine klaren Vorgaben gibt. „Zum jetzigen Zeitpunkt ist es für uns schwer, eine Prognose abzugeben“, erklärt Pascal Czerwek. Selbstverständlich hält auch er fest, dass „grundsätzlich immer die Gesundheit und Sicherheit aller Aktiven, Mitwirkenden und potentieller Gäste beziehungsweise Zuschauer“ an erster Stelle steht.
Für den FF-Chef ist es jedoch ganz wichtig, zwischen „Faschingfeiern“ und „Fasching bescheren“ zu unterscheiden. Fasching sei auch ein Lebensgefühl für die Karnevalisten und bedeute für jeden etwas anderes. „Vor allem aber ist Fasching, Fastnacht, Karneval etwas für unsere Gesellschaft, für jedermann.“

„Nicht um jeden Preis“

Gerade in dieser aktuell schweren Zeit hätten die Karnevalisten hier sogar eine „besondere Verpflichtung“ der Gesellschaft gegenüber, findet Czerwek: „Daher muss man in dieser Pandemie nicht um jeden Preis Fasching feiern. Unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern ein Stück fränkischen Fasching – auch wenn es vielleicht nur ein Schmunzeln, ein Lächeln, ein Schenkelklopfer ist – zu bescheren, macht dafür umso mehr Sinn“, folgert er und definiert gleichzeitig seine Auffassung von Fastnacht.

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