Mut-Tour macht Halt in Feucht

Das böse D-Wort

Sich verstecken: Genau das wollen die Teilnehmer der Mut-Tour nicht. Sie fordern einen offenen Umgang mit der Krankheit Depression. | Foto: Bauer2019/06/Feucht-Muttour-Depression.jpg

FEUCHT- Die Mut-Tour ist ein Aktionsprogramm, das sich seit 2012 durch Deutschland bewegt. Mutige Teilnehmer möchten anderen Mut machen, Hilfe anzunehmen und in den Dialog zu treten. Am Donnerstag machte die Mut-Tour Halt am Pfinzingplatz.

Gestartet wurde heuer am 15. Juni in Fulda. Am 1. September wollen die 66 Teilnehmer die Endziele der beiden Routen, Braunschweig und Trier, erreichen. In bundesweit elf Etappen von je sieben Tagen legen sie 3675 Kilometer Gesamtstrecke zurück: mit dem Tandem und zu Fuß.

Die Teilnehmer wollen mit ihrer Aktion einen „unverkrampften Umgang mit dem D-Wort“ erreichen. Depressionserfahrene und -unerfahrene Menschen erleben gemeinsam Bewegung und Natur und wollen durch ihre Öffentlichkeitsarbeit ihre Erfahrungen im Umgang mit der Krankheit weitergeben und dabei auch um Verständnis und Hilfe in der Öffentlichkeit werben. Auch Teilnehmer, die selbst nicht betroffen sind, profitieren von diesem Austausch und begreifen Depressionserfahrung.

Keil radelt die komplette Strecke

Von Feucht aus führt sie ihre Route über Regensburg, Friedrichshafen, Freiburg, Karlsruhe und Heidelberg nach Trier. Eigentlich wird das Team wöchentlich gewechselt, aber manche absolvieren die gesamte Strecke – wie Jürgen Keil aus Neustadt a. d. Weinstraße.

Er ist selbst Betroffener und litt schon in jugendlichen Jahren an Stoffwechselerkrankungen. „Dadurch wird nicht nur der Körper beeinträchtigt, sondern auch das Gehirn – und diese Korrelation wird in neurowissenschaftlichen Untersuchungen bestätigt.“ Er hält zwar bei Depressionen viel von Sport- und Verhaltenstherapie, findet aber, dass der direkte Einfluss gesundheitlicher Defizite auf die Psyche viel zu oft verkannt wird. Trotz so mancher Wetterwidrigkeiten ist er zuversichtlich, die gesamte Tour bis Trier zu schaffen und damit auch Betroffenen Mut zu machen, die sich mit ihrer Krankheit nicht zeigen wollen oder können.

Willi Lemke und Annelie Keil, Schirmherren der Mut-Tour, fassen deren Ziel kurz und treffend zusammen: „Viele kennen sie, manche verleugnen sie beschämt, andere überspielen sie aus vielerlei Gründen. Kaum jemand redet gerne und offen über sie: Depressionen sollten kein Tabu sein und in ihrer Wirkung nicht unterschätzt werden.“

Regionale Anlaufstellen zum Thema Depression in der Region sind unter anderem der Sozialpsychiatrische Dienst (0911/2312297) und KISS (0911/2349449) in Nürnberg. Im Landkreis das Diakonische Werk (09187/80232), der Caritasverband (09187/3754) und der Sozialpsychiatrische Dienst (09187/906542) in der Türkeistraße 11 in Altdorf.

N-Land Herbert Bauer
Herbert Bauer