Zu Besuch im Röthenbacher Schnackenhof

Dialog zwischen West und Ost

Reinhard Knodt auf Visite im Schnackenhof. Seit 20 Jahren pendelt er zwischen Berlin und Franken. | Foto: Krieger2021/03/Reinhard-Knodt-scaled.jpg

RÖTHENBACH/BERLIN. 415 Kilometer sind es von Berlin nach Röthenbach, in Zeiten wie diesen, in denen schon der Gedanke an das Reisen fast unerhört ist, eine gewaltige Distanz. Reinhard Knodt überbrückt sie seit 20 Jahren.

Im Jahr 2000 zog es den Philosophen, Schriftsteller und Autor von Franken in die Hauptstadt. Der Spagat zwischen Großstadt und Provinz, zwischen urbanem Leben und ländlicher Entschleunigung diente ihm lange als Motor. Er fühlt sich wohl im Stadtteil Moabit, wo um die Ecke der Wohnung Cafés und Buchläden sind, für die er, seit er nicht mehr an der Berliner Universität der Künste lehrt, endlich Zeit hat. Und doch zieht es ihn einmal im Monat zurück nach Franken, zum „Schnackenhof“, jenem Künstlerquartier, das er 1995 mit Gleichgesinnten gründete und wo sich Philosophie, Kunst, Literatur und Musik seit mehr als zwei Jahrzehnten zeitlos miteinander verbinden.

„Der Schnackenhof existiert immer weiter, was soll ich machen?“, sagt Reinhard Knodt halb im Scherz, halb im Ernst. Er hat zum Tee geladen ins japanische Teehaus, das der Verein erst in diesem Winter fertiggestellt hat. Nur wenige Meter vom Grundstück des Schnackenhofs und der Pegnitz entfernt, die an dieser Stelle ihre volle Schönheit entfaltet, hat ein Mitglied in einem kleinen Siedlungshaus, das ebenfalls dem Verein gehört, ein japanisches Teehaus nachgebaut.

Im Wohnzimmer, das wie das gesamte Haus im asiatischen Stil eingerichtet ist, kann ein Zeremonienmeister drei Menschen einladen, mit ihm auf einem aus Bambus und Holz konstruierten Podest das Ritual der Teezubereitung zu begehen.

„Die Teezeremonie ist ja ein philosophischer Vorgang“, sagt Reinhard Knodt, „sie entspricht uns deshalb“. Die Hinwendung zur Zen-Kultur, für Knodt war das fast schon eine Notwendigkeit. „Wir schätzen die Korrespondenz der Kulturen und Religionen. Asien und Europa können viel voneinander lernen. Für uns geht es darum, miteinander etwas zu tun. Nicht, die Unterschiede zu betonen.“

Unter dem Dach des Hauses lädt ein Raum Besucher zum gemeinsamen Meditieren ein. Zur Eröffnung kam sogar ein Vertreter der Konfuzius-Gesellschaft nach Röthenbach. Seither wartet das Haus darauf, mit Leben erfüllt zu werden. Doch die Pandemie erfordert auch von den Philosophen Tugenden wie Verzicht und Geduld. „Immerhin haben wir die Zeit genutzt und etwas geschaffen“, sagt Reinhard Knodt.

Aufhören, das kommt nicht in Frage

Im Sommer letzten Jahres hat er den Vorsitz des Vereins wieder übernommen, dem über die Jahre hinweg viele folgten und dann auch wieder ihrer Wege gingen. Doch aufzuhören, ohne ihn in Händen zu wissen, die ihn als den philosophischen Denkort weiterführen, der er stets war, kommt für Reinhard Knodt nicht in Frage. Obwohl er im Oktober 70 wird.

So geht es weiter, auch mit dem Hoffen, dass die Zeit für philosophische Kolloquien, für Klavierkonzerte im großen Salon, für Gartenfeste, Lesungen, Philosophie-Reisen und Sommerakademien wieder kommen wird. „Das Wir im festlichen Rahmen ist doch für die Menschen wie die Versprechung eines besseren Lebens“, ist sich Reinhard Knodt sicher. „Wir brauchen sie“.

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