Gymnasium Röthenbach

Dauerbaustelle und kein Ende in Sicht?

Der Klassentrakt des Gymnasiums muss saniert werden. Für Ausweichklassenzimmer sollten Bäume am Pausenhof gefällt werden. Dazu kommt es nicht. | Foto: Buchner-Freiberger2020/02/gymnasium-rothenbach-scaled.jpg

RÖTHENBACH — Die Röthenbacher Mittelschule wurde bereits generalsaniert. Doch bei der ebenfalls anstehenden Sanierung des benachbarten Geschwister-Scholl-Gymnasiums hakt es an vielen Stellen. Jüngste Volte: Am Donnerstag hat die Stadt Röthenbach die Fällung von 54 Bäumen abgelehnt, die für Container-Fachklassenzimmer weichen sollten. Die Mehrheit im Stadtrat will das Wäldchen am Pausenhof nicht opfern, es gebe Alternativen. Nun wird Kritik am Landkreis Nürnberger Land laut, der für das Bauvorhaben zuständig ist. Ungehalten sind vor allem die Eltern, sie sprechen von schlechter Kommunikation und Planung.

Eigentlich sollten die Bauarbeiten am zwischen 1974 und 1976 errichteten Gymnasium schon auf Hochtouren laufen. Doch die Landkreisverwaltung musste nach einem Fehler im Vergabeverfahren eine neue europaweite Ausschreibung für die Planungsleistungen durchführen, was zu einem Jahr Verzögerung führte – ein Bewerber sah sich benachteiligt. „Mit den Bauarbeiten soll im Herbst 2019 begonnen werden“, hieß es in der ursprünglichen Ausschreibung – daraus wurde Herbst 2020.

Immerhin sind der Verwaltungs- und der Werktrakt, die sich das Gymnasium mit der Mittelschule teilt, bereits saniert worden. Doch auch hier gibt es Verzögerungen, können Räume nicht wie vorgesehen genutzt werden. Mal liegt das daran, dass Firmen während der Bauphase pleite gingen, mal hakt es an der Telefonanlage und am Internetanschluss.

Efeu kommt durch die Wand

Zugleich muss die Schule auf Sportanlagen verzichten: Das Hallenbad ist vor wenigen Wochen abgerissen worden, über die Finanzierung eines Neubaus debattieren Stadt und Landkreis noch. Auf einem der Sportplätze stehen Container, die zunächst von der Mittelschule genutzt wurden und in die im Anschluss die Kindertagesstätte der Stadtmission eingezogen ist. Und dann ist da noch die Turnhalle: Ihr Dach ist undicht. So undicht, dass Eimer aufgestellt werden müssen. „Durch die Wand wächst sogar Efeu“, sagt Christian Golombek vom Elternbeirat.

Die Situation sei „sehr unbefriedigend“, steht in einem offenen Brief, den das Gremium verfasst hat. Durch die Baumaßnahmen seien ohnehin viele Kompromisse nötig, nun müssten weitere Verzögerungen „dringend vermieden werden“. Eine Gefährdung für den Zeitplan sieht der Elternbeirat vor allem in der Debatte um die Rodung von Bäumen: „Uns ist die ökologische Bedeutung (…) bewusst, gleichzeitig wünschen wir uns (…) eine sinnhafte und zügige Planung und Umsetzung der Containerlösung, damit der Umbau des Klassentraktes zeitnah erfolgen kann.“

Der Landkreis hatte bei der Stadt eine Ausnahme von der Baumschutzverordnung beantragt, um Platz für zusätzliche 30 bis 35 Container zu schaffen. Doch der Stadtrat lehnte dies ab – mit drei Gegenstimmen aus der CSU-Fraktion. Für Ärger bei den Fraktionen sorgte vor allem die Tatsache, dass der Antrag erst in der ersten Februarwoche eingegangen war. Dabei dürfen Rodungen aus Vogelschutzgründen nur bis Ende nächster Woche vorgenommen werden. Ein straffer Zeitplan also.

Zeitplan wohl nicht gefährdet

Während Kreiskämmerer Werner Rapp sagt, dass es bereits Ende vergangenen Jahres „Abstimmungen auf Fachebene“ gegeben habe, meint Bürgermeister Klaus Hacker: „Ich war nicht informiert.“ Cornelia Trinkl, Stellvertreterin des Landrats, CSU-Stadträtin in Röthenbach und selbst Lehrerin am Gymnasium, kann das nicht nachvollziehen: „Der Landrat ist gefühlt dreimal die Woche in Röthenbach, da erwarte ich, dass er und der Bürgermeister über solche Themen reden.“

Immerhin: Rapp, der Abteilungsleiter Finanzen und Liegenschaften des Landratsamts, ist „zuversichtlich, dass der Zeitplan nicht gefährdet ist“. Die Entscheidung des Stadtrats sei zu akzeptieren. Röthenbach hat ihm inzwischen elf Alternativvorschläge für einen Containerstandort unterbreitet. Favorit dürfte der zweite Hartplatz sein, also die Fläche neben den bereits bestehenden Ausweichklassenzimmern. „Dann fehlt ein Platz für Basketball, Volleyball und Weitsprung. Das schränkt das Sportangebot weiter ein“, sagt Golombek vom Elternbeirat.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel