Serie „Im Sammelfieber“: Familie Jäger aus Altdorf sammelt Rauchverzehrer

Von einer Sucht zur nächsten

Rauchverzehrer gibt es in den verschiedensten Ausführungen, meist als Tiere. Die Igel oben links sind am wertvollsten.2014/11/altdorfsammlerrauchverzehrer_New_1417185602.jpg

ALTDORF – Hat man einmal angefangen, ist es schwer, wieder aufzuhören. Nicht umsonst wird exzessives Sammeln als Sammelleidenschaft bezeichnet. In unserer Serie „Im Sammelfieber“ stellen wir in losen Abständen Sammler und ihre Leidenschaften vor. Heute: Brigitte und Erich Jäger, die mit dem Rauchen aufgehört und dafür mit dem Sammeln angefangen haben.

Erich Jäger steckt die Schneeeule, den Lieblingsrauchverzehrer seiner Frau, ein, Augen und Körper des Tieres beginnen zu leuchten. Am Hinterkopf ist eine Öffnung für das Duftöl. Wenn die Glühbirne brennt, verdampft das Öl und überlagert den Rauch im Zimmer. Der Name Rauchverzehrer ist also ein wenig irreführend, da die Porzellanfiguren den Rauch nicht „verzehren“.

„Seit wir nicht mehr Rauchen, sammeln wir“, sagt Erich Jäger. Deshalb hat er bisher auch erst eins der Geräte ausprobiert. 1989 kauften er und seine Frau ihren ersten Rauchverzehrer auf einem Flohmarkt, einen Vogel mit einem angeklebten Flügel. „Der hat uns leid getan“, sagt Brigitte Jäger. Seitdem ist die Sammlung des Ehepaars auf 464 Stück angewachsen. Bei 500 Stück soll Schluss sein. „Eigentlich wollten wir bei 400 schon aufhören“, sagt Erich Jäger. „Aber wennste einen hundertprozentig nicht hast, überlegst schon“, fügt er lächelnd hinzu. Die Sammelleidenschaft teilen beide, „sammelt nur einer, funktioniert das nicht“, meint seine Frau. Und weiter: „Jede Sammlung ist eine Sucht.“

Die porzellanenen Rauchverzehrer gibt es in den verschiedensten Varianten, meistens sind es Tiere oder asiatische Motive. Brigitte und Erich Jäger haben ihre Sammlung auf zwei Orte verteilt. Etwa 260 Stück sind in Vitrinen in ihrem Haus in Altdorf verteilt, der Rest in einer Wohnung in Rasch über der eigenen Autowerkstatt. Fürs Abstauben ist Erich Jäger zuständig, „ich bin nicht so die Putzfee“, sagt seine 66-jährige Frau und lacht.

Rauchverzehrer waren vor allem in den 50er Jahren bei Zigarrenrauchern populär. Sie wurden von 1920 bis 1965 hergestellt. Die Initiative, das Sammeln anzufangen, zeigte Brigitte Jäger. „Mir haben sie so gut gefallen und wir kannten niemanden, der das gesammelt hat“, sagt sie. Mittlerweile schon. Denn die beiden sind fast jedes Wochenende auf Flohmärkten auf der Suche nach neuen Stücken. Dabei haben sie schon manch einen Sammler kennen-
gelernt.

„Dann mach ich auf dumm“

Erich Jäger sieht bei den Streifzügen sofort, ob es sich um einen Rauchverzehrer oder lediglich eine Porzellanfigur handelt. Manchmal übersieht er ein Gerät, dann macht ihn seine Frau darauf aufmerksam. Viele Verkäufer wissen selbst nicht, was sie da verkaufen, sie denken, es handelt sich um eine Lampe. Das nutzt Erich Jäger aus: „Dann mach ich auf dumm und frag, wie viel die Lampe kostet“, sagt er amüsiert.

Zwischen 20 und 120 Euro kosten die Figuren. Früher lag der Preis zwischen 100 und 150 DM. Viele Stücke wurden in der DDR gefertigt, weil es dort mehr Porzellanfabriken gab, sagt der 70-Jährige. Er deutet auf eine Gruppe von Igeln im obersten Fach einer Vitrine. „Die Meckis sind am begehrtesten“, sagt er. Davon gebe es nicht so viele.

Ein Lieblingsgerät hat Erich Jäger nicht, er mag alle gleich gern. Solange er lebt, will er die Rauchverzehrer nicht verkaufen. Die Tochter des Ehepaars hat bereits angekündigt, die schönsten Stücke zu übernehmen.

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