Die 4b der Grundschule schrieb eine spannende Geschichte mit Autorin Ursula Muhr

Story-Schreiben im Ping-Pong-Verfahren

Vor der spannenden Leserunde übergaben die Lions ihre symbolischen Schecks, sowohl für die Grundschule als auch für das SFZ. Von links: Ex-Lions-Präsident Prof. Anselstetter, Schatzmeister Manfred Göhring, der aktuelle Lions-Präsident Dr. Thomas Hildebrandt, Klassenleiter Stefan Richter und Autorin Ursula Muhr. | Foto: Gisa Spandler2017/07/storymailing1.jpg

ALTDORF – Deutschunterricht – laaaangweilig. Langweilig? Ganz sicher nicht für die 4b der Grundschule. Die hat im vergangenen halben Jahr nicht nur nach Lehrplan gearbeitet, sondern auch eine Geschichte geschrieben. Storymailing nennt sich das Verfahren, bei dem neben Lehrer Stefan Richter vor allem die Autorin Ursula Muhr die Fäden in der Hand hielt. Heraus kam eine spannende Geschichte mit dem Titel „Der geheimnisvolle Pfad“. Doch bei diesem Projekt haben die Kinder mehr als das Schreiben einer stimmigen Story gelernt: Sie haben mehr oder weniger einen Crash-Kurs auch in Grammatik, Orthografie, Satzbau, Syntax und geschickten Formulierungen absolviert. Bei einer kleinen Veranstaltung in der Schule haben sie nun das fertige Ergebnis vorgestellt.

Möglich wurde das Ganze durch einen ordentlichen Zuschuss der Lions Altdorf, die einsprangen, weil die öffentlichen Mittel für derartige sinnvolle Schulprojekte immer knapper werden. 400 Euro erhielt das Sonderpädagogische Förderzentrum für ein Buchprojekt und eine Lesung mit anschließender Klassenlektüre, 600 Euro die Grundschule für die Storymailing-Aktion. Aus diesem Grund waren auch Professor Dr. Rainer Anselstetter, Dr. Thomas Hildebrandt und Manfred Göhring von den Lions eingeladen, die sich vom Erfolg der geförderten Schulstunden überzeugen ließen.
Doch wie kann das funktionieren, wenn eine ganze Klasse mit einer Autorin zusammen eine Geschichte schreibt? Der Text entsteht im Ping-Pong-Verfahren, das so erst möglich ist, seit man mailen kann. Abwechselnd schreiben die Kinder und die Autorin eine Fortsetzung des Textes und mailen sich diese zu, wobei sie sich gegenseitig loben und kritisieren – ja, auch die Kinder dürfen der Autorin Verbesserungsvorschläge machen – und gemeinsam nach Lösungen suchen. Den Anfang machen immer die Schülerinnen und Schüler, die erste Forsetzung schreibt Ursula Muhr, nachdem sie den Einstieg der Kinder sorgfältig gelesen und ihre Änderungsangebote gemacht hat. Die zweite Fortsetzung schreibt dann wieder die Klasse und schickt sie per E-Mail an die Autorin.

Von Account zu Account

Zehnmal ging der Text beim „geheimnisvollen Pfad“ von Account zu Account, bis Muhr den Schluss schrieb, in dem sie alle Handlungsstränge zu einem plausiblen Ende zusammenführte. Die Aufgabe der Lehrkraft ist dabei auch nicht zu unterschätzen, denn sie muss bei der Entscheidung helfen, welche Ideen der 27 Kinder der 4b in den Text einfließen. Ein weiterer Nebeneffekt entsteht bei diesem Schreibprozess: Die Buben und Mädchen lernen demokratische Spielregeln, etwa wenn ihre Vorschläge verworfen werden und sie sich einer Mehrheit fügen müssen.
Die eigentliche Arbeit ist also nicht das Ausdenken und die Weiterentwicklung der Geschichte, sondern das Feilen am Text. Das liest sich dann etwa so, wenn die Schriftstellerin den neuen Fortsetzungsteil kommentiert: „Euer erster Absatz gefällt mir gut. Ihr habt die Landschaft schön beschrieben, man kann sich diesen verschneiten Hügel richtig vorstellen. Dass so ein fieser Wind weht, das macht einen als Leser gleich ein bisschen misstrauisch – ist wirklich alles so friedlich, wie es auf den ersten Blick scheint? Sehr gut!“ Später wird es dann konkreter: „-Clara war sehr schlecht bei Schneeballschlachten- Das ist etwas umständlich. Was kann Clara nicht so gut wie Fred? Werfen, egal ob einen Schneeball oder etwas anderes.
Sie hat nicht so viel Kraft wie ihr Bruder, ihre Bälle fliegen nicht weit genug und sie trifft auch nicht so gut. Ein Vorschlag: Clara konnte bei weitem nicht so gut werfen wie ihr Bruder. Oder so ähnlich.“ Und an anderer Stelle muss sie zugeben: „… danke für eure Nachricht, euer Lob und eure Kritik! Die zahlreichen -sie- in meinem Text habe ich kontrolliert, ihr habt recht, es sind wirklich aufdringlich viele. Ich habe einige ersetzt und hoffe, dass es jetzt besser klingt.“
Mit dem fertigen Produkt sind alle zufrieden. Die Story ist eine Fantasy-Geschichte und spielt natürlich in Altdorf. Bevor das Schreiben losging, sah sich die Klasse die Schauplätze vor Ort an, die im Plot eine Rolle spielen sollten.
Zu Beginn der Lesung, bei der auch jüngere Schülerinnen und Schüler sowie einige Eltern und Lehrkräfte anwesend waren, übergaben der ehemalige Präsident der Altdorfer Lions, Prof. Dr. Anselstetter, der aktuelle, Dr. Thomas Hildebrandt, und Lions-Schatzmeister Manfred Göhring den symbolischen Scheck über 600 Euro sowie den weiteren von 400 Euro für das SFZ.
Gern habe man dieses Sache unterstützt, so Hildebrandt, der mit seinen Lions-Kollegen von einem „tollen Projekt“ sprach. Im Anschluss wurde im Wechsel zwischen Autorin und Schülern aus der spannenden Geschichte gelesen. Große Mühe gaben sich dabei die jungen Autoren am Mikrofon, die auch zusammen mit ihrer professionellen Betreuerin eine Leseprobe-Stunde einige Tage vor dem „Auftritt“ eingelegt hatten.
Zur Veranschaulichung der Story wurden die Illustrationen aus dem Geheft in Übergröße an die Wand projiziert.
Dass die aufregende Geschichte von Clara und ihrem Bruder Fred, in der Dinge passieren, die eigentlich gar nicht sein können, ausgesprochen gelungen und packend ist, merkte man bei der Vorstellung daran, dass es mucksmäuschenstill war im Klassenzimmer, weil alle wissen wollten, wie das Abenteuer ausgeht.

N-Land Gisa Spandler
Gisa Spandler