ALTDORF – Noch nie war ein Jahresempfang der Lebenshilfe so gut besucht wie die Veranstaltung in Altdorf, wo das Team um Gerhard John, Jürgen Six und Norbert Dünkel den Empfang mit der Einweihung des Objekts „Inklusive Wohnwelten“ verband. Als Pilot- und Leuchtturmprojekt gleichermaßen wurde die Wohnanlage von mehreren Rednern bezeichnet. Viele Gäste hatten zwar mehrfach davon in der Zeitung gelesen, wollten den Empfang aber als Gelegenheit nutzen, sich vor Ort einmal umzusehen. Dafür boten die Verantwortlichen der Lebenshilfe Hausführungen an.
In den „Inklusiven Wohnwelten“ in Altdorf, in direkter Nachbarschaft zur Fachakademie für Sozialapädagogik, leben behinderte und nichtbehinderte Menschen zusammen. „Ich finde das super“, versicherte Gabi Näder, die Sprecherin der Bewohner in ihrer Begrüßung.
Finanzielle Anstrengungen
Damit die Wohnanlage realisiert werden konnte, waren zunächst vor allem finanzielle Anstrengungen nötig. Als ambitioniertestes Projekt bezeichnete deshalb Gerhard John als Lebenshilfe-Vorsitzender das Ende vergangenen Jahres fertiggestellte Haus. Sechs Millionen Euro schwer ist das Projekt, dafür gab es vier Millionen Zuschüsse, zwei Millionen muss die Lebenshilfe selbst stemmen.
John erinnerte auch daran, dass bereits 1965 in Altdorf die Arbeit mit geistig behinderten Menschen begann, damals engagierter Mitbegründer des Vereins zur Förderung geistig behinderter Kinder war Günter Lang, langjähriger Leiter der Altdorfer Hauptschule.
Ein Haus für alle
„Wir wollen ein Haus für alle sein“, versprach John zum Ende seiner Rede – auch mit dem Hinweis auf ein geplantes Café im Foyer der Wohnwelten, das demnächst eröffnen und für alle Bürger zugänglich sein soll.
Bezirkstagspräsident Richard Bartsch bekannte, dass die Inklusion eine große Aufgabe ist. „Wir brauchen Mut für die Zukunft.“ Leben von behinderten und nicht behinderten Menschen gemeinsam zu gestalten, ist eine große Herausforderung. Allen Förderern und Gönnern der Lebenshilfe sprach Bartsch einen ausdrücklichen Dank aus. „Sie tragen mit dazu bei, dass man hier gut leben kann.“
Geplant hat die Wohnanlage der Simmelsdorfer Architekt Professor Hans Peter Haid, der sich auf Gesundheits- und Sozialbauten spezialisiert hat. „Hier ging es darum, etwas ganz Besonderes zu schaffen“, so Haid bei der Einweihung seines Objekts. Mit viel Herzblut sei er an die Planungen herangegangen. Und dass am Ende etwas ganz Besonderes entstand, mag auch damit zusammenhängen, dass der Planer im Vorfeld zahllose Gespräche mit angehenden behinderten Bewohnern der Wohnanlage führte. Dabei habe er eine Vielzahl von Ideen für das Wohnhaus aufgenommen, das Platz für 31 Bewohner bietet.
Stephan Zilker ist Vorsitzender der Bundeskammer der Lebenshilfe und freute sich über die Einladung zur Einweihung des Altdorfer Leuchtturmprojekts. Mit Blick auf die investierten sechs Millionen Euro erinnerte Zilker daran, dass die Lebenshilfe immer auf Unterstützung angewiesen ist: „Wir möchten große Sprünge machen, haben aber nichts im Beutel – wie ein Känguruh.“ Inklusion – das bedeutet für Zilker „dabei sein“. Und genau das versuche das Altdorfer Haus umzusetzen.
Für Landrat Armin Kroder sind die „Inklusiven Wohnwelten“ nicht nur im gesamten Landkreis, sondern in der Metropolregion einzigartig. Sein Wunsch an die Stadt, dass das Haus gut aufgenommen wird, ist schon in Erfüllung gegangen.
Treffen beim Neubürgerempfang
„Ich freue mich, dass das Haus hier in Altdorf entstanden ist“, so Altdorfs Bürgermeister Erich Odörfer, der wie John daran erinnerte, dass die Arbeit mit behinderten Menschen in Altdorf Tradition hat. Viele der neuen Bewohner der „Inklusiven Wohnwelten“ hat er bereits beim Empfang für Neubürger im Rathaus getroffen.
Pfarrerin Ursula Kronenberg und Pfarrer Albert Börschlein segneten das neue Haus. „Hier wurden Nägel mit Köpfen gemacht“, so Kronenberg. „Man hat eine Vision aus einer ganz konkreten Hoffnung heraus gestaltet.“
Viele Ehrengäste
Lebenshilfe-Geschäftsführer Norbert Dünkel übernahm die Begrüßung der zur Feier eingeladenen Nachbarn und der Gäste aus Politik und öffentlichem Leben, darunter Vertreter der Wohlfahrtsverbände, der Verwaltungen, der Polizei und der Justiz, zahlreiche Bürgermeister, Kreis-, Stadt- und Gemeinderäte und Mitglieder des Lebenshilfe-Verwaltungsrats.
Das Schlusswort blieb Gerhard Johns Vertreter Jürgen Six, der die Gäste zu einer Besichtigung des Hauses einlud. Die Führungen übernahmen Petra Taubmann als Leiterin der Einrichtung und Verwaltungsleiter Clemens Schramm.
