Serie „Im Sammelfieber“: Adi Gerl hat über 1000 Originalplatten

Alles auf Vinyl: The Doors, Bob Dylan, Pink Floyd

Die Doors, Bob Dylan, Pink Floyd, Yardbirds und Small Faces zählen neben vielen anderen Bands und Musikern zu Adi Gerls Plattensammlung.2014/12/altdorfsammlerplatten_New_1417530601.jpg

ALTDORF – Hat man einmal angefangen, ist es schwer, wieder aufzuhören. Nicht umsonst wird exzessives Sammeln als Sammelleidenschaft bezeichnet. In unserer Serie „Im Sammelfieber“ stellten wir in losen Abständen Sammler und ihre Leidenschaften vor. Zum Abschluss besuchten wir Adi Gerl, den die Musik zu einem Gutmenschen gemacht hat.

Adi Gerl lässt das schwarze Vinyl aus der cremefarbenen Schutzhülle in seine geöffnete Hand gleiten, Zeigefinger und Daumen bilden ein Dreieck, der Daumen stützt die Platte in der Mitte, die anderen vier Finger liegen am Rand. „Es ist eine Todsünde, das Ding mit den Fingern zu berühren“, sagt er, legt die Schallplatte auf den Plattenspieler, befreit sie mit einer Bürste vom Staub und legt die Diamantnadel auf. „Wonderboy“ von The Kinks ertönt, seine Lieblingsgruppe. Er dreht die Lautstärke hoch.

„Oder kennen Sie ‚It’s the time of the season‘ von den Zombies?“ Er beginnt leise zu singen, legt die nächste Platte auf. Zwischen den Liedern das vertraute Knacken. Er grinst. „Ich liebe das.“ Musik ist Adi Gerls Leidenschaft. Seine Plattensammlung umfasst über 1000 Stück. Das weiß er, weil er alle gewogen und durch 267 geteilt hat, denn eine Scheibe wiegt 267 Gramm.

Seine erste Schallplatte hat er 1975 gekauft, Pink Floyd: „Relics“. Die letzte ist auch von Pink Floyd: „Time“. „Es geht nicht, dass man diese Platte nicht hat.“ Auch, welche Scheibe die wertvollste ist, weiß der 57-Jährige genau: Für „Over, Under, Sideways, Down“ von den Yardbirds hat er Ende der 70er Jahre 12,80 Mark bezahlt. Er blättert im Rock&Pop-Lexikon von 2009. Dort sind Interpret, Titel, Erscheinungsjahr, Bestellnummer und Preis verzeichnet. 121,60 Euro war die Platte der Yardbirds Sammlern vor fünf Jahren wert. Gerade weil neues Vinyl nicht ganz billig ist, besitzt Gerl viel gebrauchtes aus den Musikrichtungen Rock, Pop und Folk. Und nur Originalplatten, Sampler oder Best-of-Platten interessieren ihn nicht. „Musik beeinflusst das Leben und Denken“, sagt der pharmazeutisch-technische Assistent. Die Musik habe ihn zu einem Gutmenschen gemacht. „Wer gute Musik hört, der ist schon pazifistisch veranlagt.“ Was ist gute Musik? – „Musik aus der Zeit und ihre Nachfolger.“

Alte Autos und WG

Die Zeit, die Adi Gerl meint, das war die Zeit der Hippies. Dazu zählte er auch sich selbst, obwohl er eher die Nachhippiezeit mitgenommen hat. Früher, da war das Äußere nicht so wichtig und es wurden alte Autos gefahren, sagt der Altdorfer. Die Musik weckt in ihm diese schönen Erinnerungen, auch an seine WG in Nürnberg oder die erste Wohnung mit seiner Frau. Mit dem Sammeln angefangen hat er – wie sollte es anders sein – wegen der Liebe zur Musik, obwohl er selbst völlig unmusikalisch ist, wie er zugibt. „Ich bring nicht mal was auf der Blockflöte zustande.“ Und, weil er Stücke haben wollte, die sonst keiner hat, zum Beispiel „Tales of the Great Rum Runners“ von Robert Hunter. Heute hört er nicht mehr so viele Lieder wie früher. Weil die Zeit einfach nicht mehr da ist. Denn, wenn er etwas auflegt, will er auch ganz bewusst zuhören und nebenbei nichts anderes machen. Außer die App Shazam anschalten, die erkennt, welcher Song gerade gespielt wird und den jeweiligen Text anzeigt.

„CDs sind Notlösungen“

Ergänzt hat er seine Sammlung mit CDs, auch wenn der 57-Jährige findet, „CDs sind Notlösungen, Platten erzählen Geschichten“. Seine Schallplatten sind von Mitte der 50er bis hinein in die 80er Jahre auf den Markt gekommen.

Mittlerweile hat er seine Sammlung eingestellt, „weil irgendwann ist gut“. Er müsste auf Flohmärkten oder in Plattenläden schon etwas ganz Besonderes finden, um noch einmal zuzuschlagen. Er nimmt die Nadel von der Platte, fasst das Vinyl vorsichtig an, lässt es zurück in die papierene Hülle gleiten und schiebt es mit der Öffnung zur anderen Seite in das Cover. Auf diese Weise kann sie nicht so leicht herausfallen. „Rein, raus, schnell, zack, zack ist da nicht.“

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren