Evensong in der Stadtkirche

„Wer singt, betet doppelt“

Der Chor mit Karl Schmidt zauberte starke emotionale Momente. Foto: Pflaumer2015/04/5_2_3_2_20150425_KONZERT.jpg

HERSBRUCK – Zum ersten „Evensong“ nach anglikanischem Vorbild freute sich Initiator KMD Karl Schmidt über eine gut gefüllte Stadtkirche. Diese in England entstandene Gottesdienstform findet auch hier immer mehr Liebhaber. Dabei gebiert die Verbindung von liturgischer Strenge und großzügiger musikalischer Ausgestaltung eine ganz spezifische Art von Feierlichkeit.

Der Einzug des Chores zu Orgelmusik, das Singen der Gemeinde im Stehen, auch die farbige Stola des Liturgen Dekan Dr. Werner Thiessen gaben dem „Abendlob“ die gebührende äußere Gestalt. Inhaltlich führten Responsorium und Psalm, Kyrie und Gloria zum Mittelpunkt des Evensongs: die Lesungen aus Altem und Neuem Testament mit den Lobgesängen Mariens und Simeons. Die Mahnung des Propheten Hesekiels an die unfähigen Hirten Israels, welche statt der Schafe nur sich selbst weiden, korrespondierte mit dem Text aus dem Johannesevangelium, in dem Gott sich selbst zum guten Hirten erklärt. Der Spannungsbogen von Gottes Verheißung im Alten Testament und deren Einlösung im Neuen wurde eindrucksvoll unterstrichen durch das „Magnificat“ Mariens und das „Nunc dimittis“ des greisen Simeon, der die Geburt des Heilands bezeugt. Die bestens vorbereitete Selnecker-Kantorei (mit Soli und Orgelbegleitung aus eigenen Reihen) sang Hymnen, Responsorium, Psalm, Kyrie und Gloria, Magnificat und Nunc dimittis, Gebet und Segenslied in Sätzen englischer Komponisten: Robert Jones, William Smith, Alan Wilson, Charles Stenford, Joyce Eilers Bacak, stets mit atmosphärischer, teils orchestraler Orgelbegleitung. Deutsche Ausnahmen: das „Pater noster“ von Lorenz Maierhofer und Josef Rheinbergers Motette „Herr, bleibe bei uns“. Die Gemeinde wurde eingebunden mit Chorälen und liturgischen Wechselgesängen.

Eine wesentliche Rolle kam dem Nürnberger St. Johannis-Kantor Karsten Leykam an der Orgel zu. Er spielte nicht nur Ein- und Auszug, sondern begleitete Gemeinde und Chor und setzte damit eine gewichtige akustische Klammer. „Wer singt, betet doppelt“ – Es war ein gehaltvoller Gottesdienst mit erhebendem Charakter und starken emotionalen Momenten.

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