Wenn jemand stirbt, wollen viele Eltern Kinder vor dem Schmerz schützen und sagen lieber nichts. Doch genau das kann mehr verunsichern als trösten, sagt Trauerbegleiterin und Autorin Sarah Benz. Sie erklärt, wie Erwachsene ehrlich und kindgerecht über Tod und Trauer sprechen und Kinder einbeziehen können.
Warum ist Schweigen keine gute Idee?
„Kinder spüren sofort, dass etwas nicht stimmt – auch wenn niemand etwas sagt“, erklärt Sarah Benz. „Dann fangen sie an, sich Geschichten zusammenzureimen: ‚Ich war schuld‘ oder ‚Ich darf nicht fragen‘. Das macht alles schlimmer. Sie brauchen klare, einfache Worte und Menschen, denen sie vertrauen können.“
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Wie kann man Kindern erklären, was Tod bedeutet?
„Wahr und konkret“, meint die Trauerbegleiterin. „Ich sage gern: ‚Wenn jemand stirbt, hört das Herz auf zu schlagen, der Körper kann nicht mehr atmen, essen, denken.‘ Das verstehen auch Fünfjährige. Wir müssen nicht alles schönreden. Kinder halten Wahrheit besser aus als Unklarheit.“
Ab wann verstehen Kinder, dass der Tod endgültig ist?
„Unter drei merken sie vor allem die Trennung und unsere Stimmung. Im Vorschulalter glauben sie oft, der Tod sei rückgängig zu machen – wie ein Zaubertrick. Ab etwa sechs begreifen sie: Tod ist für immer. Dann kommen viele sachliche Fragen“, beschreibt Sarah Benz. „Kinder haben ein großes Bedürfnis, sich die Welt zu erklären. Natürlich wächst mit dem Todesverständnis die Todesangst, das ist normal. Dann ist es besonders wichtig Erwachsene zu haben, die bei diesen Prozessen begleiten.“
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Sollte man Kindern zeigen, wenn jemand gestorben ist – auch am offenen Sarg?
„Ja, wenn sie wollen. Abschied mit allen Sinnen hilft, zu begreifen, dass der Mensch tot ist. ‚Behalte ihn lebendig in Erinnerung‘ reicht Kindern nicht. Sie dürfen den Verstorbenen anziehen helfen, Blumen legen oder den Sarg bemalen – wichtig ist, dass wir sie dabei gut begleiten. Der Körper ist nicht gefährlich, er ist nur tot. Wenn Menschen sich verabschieden können, werden sie oft ruhiger. Das gilt auch für Kinder“, so die Expertin.
Welche Rituale helfen?
„Das geht schon mit kleinen, einfachen Gesten – eine Kerze anzünden, dem Stern am Himmel etwas erzählen, ein Herz aus Rinde bemalen und ans Grab legen“, weiß Sarah Benz
Wie sollte unsere Gesellschaft mit Trauer umgehen?
„Der Tod sollte in unserem Leben seinen Platz haben dürfen – in der Schule, im Alltag, im Gespräch“, wünscht sich Trauerbegleiterin Sarah Benz. „Verluste prägen unser ganzes Leben, nicht nur durch Tod, auch durch Trennung, Umzüge oder Schulwechsel. Wenn wir Kindern beibringen, gut mit Verlusten umzugehen, schenken wir ihnen etwas sehr Wertvolles.“ dpa
