Stefan Pürners ungewöhnlicher Auftritt bei Juristen-Konferenz

„Röthenbacher“ Blues sorgt für Schlagzeile

Der Bericht der bosnischen Dnevni Avaz ist auch auf der Website der Zeitung zu finden.
Der Bericht der bosnischen Dnevni Avaz ist auch auf der Website der Zeitung zu finden.2014/12/93477_StefanPuernerZenicaBluesBosnien_New_1418229965.jpg

RÖTHENBACH/ZENICA — Der frühere Röthenbacher Stefan Pürner sorgte vergangene Woche in einer der populärsten Tageszeitungen Bosniens für eine Schlagzeile: „Deutscher Doktor des Rechts schockiert Teilnehmer auf einer internationalen Konferenz in Zenica“ hieß es in der Dnevni Avaz (zu Deutsch: Tägliche Stimme) vom 5. Dezember. Was war passiert?

Der 53-jährige Jurist ist Projektleiter der Deutschen Stiftung für Internationale Rechtliche Zusammenarbeit (IRZ). Vorige Woche hielt er in der 115 000-Einwohner-Stadt in der Mitte Bosnien-Herzegowinas den Eröffnungsvortrag bei einer Weiterbildungsveranstaltung. Junge bosnische Juristen nutzten dieses Angebot des IRZ, um ihren fachlichen Horizont zu erweitern. Normalerweise wären zu Beginn Dankesworte an den Gastgeber zu erwarten, die Pürner auch im gebotenen nüchternen Stil sprach, – und ein fachlicher Eröffnungsvortrag.

Doch dann brach der heute in Bonn lebende frühere Röthenbacher absichtlich mit der Etikette, wie er hinterher verriet. Die Juristen im Saal wussten erst nicht recht, worauf Pürner hinauswollte, als er erzählte, er habe von Zenica erstmals durch ein Lied der Punk- und Folkrock-Band „Zabranjeno pušenje“ (deutsch: „Rauchen verboten“) gehört. Die Gruppe hatte in den 90er Jahren die viertgrößte Stadt Bosnien-Herzegowinas nicht eben freundlich besungen, unter anderem wegen ihrer damals hohen Kriminalitätsrate.

Neuer Text für altes Lied

Dann griff Pürner zu seiner bis zu diesem Moment verborgenen Gitarre, spielte und sang den von ihm auf Bosnisch umgetexteten Song, seinen persönlichen „Zenica Blues“. Sinngemäß heißt es darin: In Bosnien gibt es junge Juristen, die den Rechsstaat aufbauen können, weil ohne diesen das Leben traurig ist und schlechte Richter urteilen würden – der Rechtsstaat kommt zurück, aber das Unrecht nicht.

Wie „schockiert“ war das Publikum daraufhin tatsächlich? „Es hat keiner Tomaten geworfen“, sagt Pürner im Gespräch mit der PZ lachend und fügt an: „Sie haben sich amüsiert.“ Gestört habe höchstens, dass er das Versmaß nur fast perfekt hinbekommen habe. Sein Motto sei einfach, erläutert er, dass, wer viel arbeitet, auch Spaß haben müsse. Man könne doch auch ernste Dinge lustig vermitteln. Es habe ihn gereizt, weil es „in der Gegend eine Tradition ist, dass einen die Wissenschaft etwas behäbig macht“, sagte der promovierte Rechtsanwalt. Außerdem sei es gut, wenn Deutsche, die für ihre Fachkompetenz allgemein bekannt seien, auch zeigen, dass dies Humor nicht ausschließe.

Der Zeitungsbericht in der Dnevni Avaz fiel – entgegen der boulevardesken Schlagzeile – denn auch eher wohlwollend aus. Nach dem Lied hätten ihm die Zuhörer großen Applaus gespendet, heißt es darin. Weiter ist darin zu erfahren, dass zu dem Treffen Rechtsexperten aus Mazedonien, Serbien, Kroatien, Montenegro, Bosnien-Herzegowina, Slowenien sowie Deutschland gekommen waren.

Die IRZ, für die Pürner arbeitet, wurde 1992 gegründet, um Staaten in Mittel-, Ost- und Südosteuropa bei der Reformierung ihres Rechtssystems und des Justizwesens zu helfen. Stefan Pürner ist ein Sohn des 2011 gestorbenen Röthenbacher Stadtrates, Gymnasiallehrers und Buchautors Ernst Pürner. Er ist nicht nur Jurist, sondern auch Schriftsteller – und im Freundeskreis nicht ganz unbekannt für unkonventionelle Ideen.

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren

Sie sehen gerade einen Platzhalterinhalt von Weekli. Um auf den eigentlichen Inhalt zuzugreifen, klicken Sie auf den Button unten. Bitte beachten Sie, dass dabei Daten an Drittanbieter weitergegeben werden.

Weitere Informationen