Vorreiterrolle in der Klimadebatte

Finanzamt Hersbruck testet ein Lastenrad

Sinnvolle Alternative: Finanzamtsleiter Wolfgang Löwe (links) und Alexander Frank von der Poststelle sind von ihrem Leih-Lastenrad sehr angetan. | Foto: Porta2019/04/DSC_0159.jpeg

HERSBRUCK – Das Finanzamt Hersbruck übernimmt eine Vorreiterrolle in der Klimadebatte – und holt seine Post künftig mit dem Lastenrad statt dem Auto ab.

Für die knapp drei Kilometer zum Postamt in der Innenstadt und zurück in die Amberger Straße benutzten Alexander Frank und seine Kollegen von der Poststelle bislang immer einen Opel Combo – „ökonomisch wie ökologisch ein Aberwitz“, sagt Finanzamtsleiter Wolfgang Löwe. Inzwischen hat der Kastenwagen 15 Dienstjahre auf dem Buckel, Ersatz ist dringend geboten.

Schon vor zwei Jahren machte sich Löwe erste Gedanken über einen sinnvollen Nachfolger und kam als passionierter Radfahrer auf die Idee, für seine Behörde ein Lastenrad anzuschaffen. Mitte 2018 stieß er auf der Internetseite des Bundesumweltministeriums auf das Projekt „Ich entlaste Städte“. 

Zu diesem Zweck stellt das Institut für Verkehrsforschung im Deutschen Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR) interessierten „Testpiloten“ für drei Monate eines seiner 150 Räder – 23 Modelle in fünf Bauformen vom Long John bis zum einfachen Lieferbike – zur Verfügung. Die Gelegenheit, auszuprobieren, wie die Alternative bei seinen Mitarbeitern ankommt, fand Löwe gut und bewarb sich.

Nun kam nun ein gut zweieinhalb Meter langes E-Trike mit 250 Watt-Mittelmotor, Scheibenbremsen, neigbaren Vorderrädern und einer 150 Liter und bis zu 100 Kilo fassenden Alubox vor dem Lenker beim Finanzamt an. Das wird seitdem von Hausmeister Alexander Frank und seinem Kollegen Reinhold Mayer aus der Poststelle jeden Morgen auf Herz und Nieren geprüft.

Gute Alternative

Soviel steht nach der ersten Testwoche fest: Ein Lastenrad ist tatsächlich eine gute Alternative zum Auto, in die große Box vor dem Lenker passen leicht vier der gelben Briefkisten (Frank: „Wenn es mal mehr sind, fahre ich eben zweimal“) und die allmorgendliche Bewegung macht den beiden ebenfalls Spaß, und das nicht nur weil sie auch gut für die Gesundheit ist.

Allerdings ist das Leihmodell (noch) nicht die Ideallösung, zumindest nicht für die örtlichen Gegebenheiten in Hersbruck. Auf dem Kopfsteinpflaster in der Innenstadt hüpft das Trike mehr als dass es rollt, und mit mehr als einem drei viertel Meter Breite macht es Autofahrern das Überholen auch nicht eben leicht. „Das Trike ist eher für schnelles Fahren auf breiteren Straßen geeignet“, sagt Frank.

App stellt Fragen

Deshalb radeln er und Mayer kurzerhand über den Chotieschauer Weg, Michael-Roiger-Weg und den Lohsteg in die Innenstadt. Sind sie wieder in der Amberger Straße zurück, kommt das flotte, zu Forschungszwecken mit einem Tracker versehene Gefährt in die Garage und die beiden zücken ihr Handy, um den wissenschaftlichen Begleitern via App ein paar Fragen zu beantworten wie „Was hatten Sie geladen?“

Für Wolfgang Löwe – schon von Berufs wegen ein Mann der Zahlen – rechnet sich der Versuch: Seine Behörde muss für die drei Monate gerade einmal rund 85 Euro „Leihgebühr“ (einen Euro pro Tag) berappen.

Und, weitaus wichtiger: Das hiesige Finanzamt geht bei der für das Klima so wichtigen Verkehrswende mit gutem Beispiel voran. „Wir sehen uns da durchaus in einer Vorreiterrolle und zeigen, was möglich ist“, sagt sein Stellvertreter Bernd Lindner. Mal abwarten, ob die Stadt Hersbruck oder das Landratsamt bald nachziehen …

Mehr zum Projekt „Ich entlaste Städte“ im Internet unter www.lastenradtest.de/projekt/

N-Land Klaus Porta
Klaus Porta