Ein Abend mit den Meistern des Horrorfachs

Düster zu Beginn: Die Fackelträger leiteten zu „Arrival“ von Alan Parsons Project eine Dia-Show ein. Fotos: Seuser2011/03/18926_New_1301319063.jpg

Gruseln scheint im Trend zu liegen. Auch in Röthenbach präsentierten am Freitagabend schaurig-schöne Gestalten in der kleinen Aula des Geschwister-Scholl-Gymnasiums literarische Leckerbissen des Horror- und Fantasyfachs. Anlass war die nunmehr vierte szenische Lesung der Stadtbibliothek Röthenbach, die in diesem Jahr den Titel „Von der Dämmerung bis zum Morgengrauen“ trug.

Bereits der Titel der Lesung versprach unheimliche Vampire, furchteinflößende Dämonen und düstere Helden. Einen Abend, der sich mit den Abgründen der menschlichen Seele beschäftigt, kündigte Bibliotheksleiter Konrad Kopp dem Publikum an und verwies insbesondere auf die wohl unehrenhafteste Triebfeder für Mord und Gewalttaten, die unstillbare, menschliche Gier. Wie ein Leitmotiv zieht sie sich durch die Werke aus klassischer und zeitgenössischer Literatur, die von der 18-köpfigen Darstellergruppe vorgestellt wurden.

Nach einem musikalischen Intro, bei dem fünf in schwarz gehüllte Gestalten mit Fackeln für eine unheimliche Atmosphäre sorgten, war die erste Hälfte der Lesung den klassischsten Versatzstücken des Horrorgenres gewidmet: dem Faust- und dem Vampirmotiv. Neben Goethes Mephisto und Bram Stokers Graf Dracula betraten aber auch weniger bekannte Figuren die Bühne, darunter Melmoth, der Wanderer, Held des gleichnamigen, 1820 erschienen Schauerromans von Charles Robert Maturin. Den ersten Akt der Veranstaltung krönten die Barszene und der Einspieler des berühmten Schlangentanzes aus dem Tarantino-Filmklassiker „From Dusk till Dawn“ von 1996.

Zu Beginn des zweiten Teils sorgten zwei Kurzgeschichten aus der Feder der beiden Großmeister des Horrors und des Makabren für den Gruseleffekt: Edgar Allan Poes „Das System von Dr. Pech und Prof. Feder“ und Bram Stokers Schauermärchen „Die Squaw“, das in Nürnberg spielt. Doch was wäre ein solcher Abend ohne die Empfehlung junger, neuzeitlicher Autoren, die sich dem Horror- beziehungsweise Mystery-Thriller verschrieben haben? Als Beispiele und abschließende Highlights der Lesung wurden Nick Stones „Voodoo“ und Kit Whitfields „Wolfsspur“ (beide von 2006) eindrucksvoll von den teils aufwändig maskierten Darstellern in Szene gesetzt.

Rund zweieinhalb Stunden hatten die Moderatorinnen Sarah Hopf und Nadine Braun das Publikum informativ und unterhaltsam durch den Abend geführt. Die einzelnen Szenen waren in einem Dialog zwischen den beiden Sprecherinnen und den auftretenden Figuren geschickt miteinander verknüpft worden, das Ende der jeweiligen Geschichte wurde jedoch weitgehend ausgespart. „Das müssen Sie schon selbst nachlesen“, lautete der Appell an die Zuschauer, die sicherlich die eine oder andere Lektüreanregung mit nach Hause nahmen.

Während des Programms wurden immer wieder Live-Gesangseinlagen zum Besten gegeben, darunter Songs wie „Sympathy for the devil“ von den Rolling Stones, „Highway to hell“ von AC/DC oder „After dark“ von Tito & Tarantula aus „From Dusk till Dawn“. Daher seien neben dem Engagement und der Spielfreude aller Akteure vor allem die gesanglichen Leistungen einiger Darsteller herausgestellt, darunter die von Alexander Hopf und Robin Marien. Das größte Lob jedoch verdient Maskenbildnerin Andrea Schimek, die durch aufwändige Schminke und Kostümierung der Darsteller dem Zuschauer die literarischen Figuren noch mal ein ganzes Stückchen näher gebracht hat.

Julia Seuser

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