Verhandlung vor dem Amtsgericht

Privatdetektiv soll Autohaus-Besitzer erpresst und mit negativer Publicity gedroht haben

Symbolbild: Gericht | Foto: Tiko/stock.adobe.com2022/01/JustiziaTikoAdobeStock_282686542-scaled.jpeg

HERSBRUCK – Noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen ist ein 53-Jähriger, der sich vor dem Hersbrucker Amtsgericht wegen Betrugs und versuchter Erpressung zu verantworten hatte. Der Privatdetektiv soll den Besitzer eines Autohauses erpresst und mit negativer Publicity gedroht haben

Der 53-Jährige, der mittlerweile in Tschechien wohnt, soll laut Anklageschrift 2017 eine Firma beauftragt haben, an seinem Haus Arbeiten durchzuführen, das er damals mit seiner Frau in Deutschland bewohnte. Bezahlt hat er die Firma nicht, weshalb ihm die Staatsanwältin nun Betrug vorwirft.

Den Vorwurf allerdings kann der Verteidiger des 53-Jährigen vom Tisch wischen. Mit Kontoauszügen belegt er, dass der Angeklagte zum damaligen Zeitpunkt sehr wohl über genügend Geld verfügt hat. Er hätte die Rechnung durchaus bezahlen können, habe dies aber nicht getan, weil die Firma nicht zu seiner Zufriedenheit gearbeitet habe. Auch eine Zeugin bestätigt, dass der 53-Jährige damals des öfteren für sie tätig war, er also über ein Einkommen verfügte.

Trennung und Gefängnis

Doch dann kam der Angeklagte aufgrund einer anderen Straftat ins Gefängnis. Es folgte die Trennung von seiner Frau, der er noch Geld habe zukommen lassen, damit sie die offene Rechnung der Firma bezahlt, was sie laut Angeklagtem aber nicht tat. Erst später habe er erfahren, dass gegen ihn wegen Betrugs ermittelt wird. Die Rechnung ist mittlerweile beglichen. Und so stellt das Gericht am Ende das Verfahren wegen Betrugs vorläufig ein.Betrogene Frau

Schwerer wiegt dagegen der zweite Vorwurf der Staatsanwältin: Der Angeklagte soll sich 2020 der versuchten Erpressung schuldig gemacht haben. Damals arbeitete der heute 53-Jährige als Privatdetektiv und war von einem Nürnberger beauftragt worden. Dessen (Noch-)Frau war auf einen anderen Mann hereingefallen, der sie um eine fünfstellige Geldsumme gebracht und mit dubiosen Handyverträgen reingelegt habe.

Rückzieher und Drohung

Bei seinen Ermittlungen sei er in Kontakt mit dem Vater des inzwischen auch in erster Instanz verurteilten Betrügers gekommen, erzählt der Privatdetektiv vor Gericht. Der Vater, der im Landkreis ein Autohaus betreibt, habe signalisiert, sich um die Schulden seines Sohnes kümmern zu wollen. Doch dann habe er einen Rückzieher gemacht und ihm vielmehr gedroht, ihn verschwinden zu lassen. Das brachte den Angeklagten dazu, den Autohändler nun seinerseits in einer Mail unter Druck zu setzen. Er werde die Presse über die Machenschaften des Sohnes informieren, sollte er nicht zahlen.

Der Autohändler, der vor Gericht als Zeuge aussagt, meint dagegen, er sei nie bereit gewesen, die Schulden seines Sohnes zu übernehmen. Der Angeklagte hätte ihn damit erpresst, an die Öffentlichkeit zu gehen und ihn schlecht zu machen.

Der Privatdetektiv bestreitet besagte E-Mail nicht, gibt allerdings an, sich vorher beim Anwalt seines Auftraggebers erkundigt zu haben, ob er die Betrugsgeschichte an die Presse weitergeben dürfe. Erst nachdem er von dem grünes Licht erhalten habe, habe er die Mail verfasst.

Anwalt als Zeuge

Richter André Gläßl vertagt die Verhandlung und lädt den Anwalt als Zeugen. Der sagt aus, dem Privatdetektiv tatsächlich gesagt zu haben, dass im Prinzip nichts dagegen spreche, die Presse zu kontaktieren, falls die überhaupt Interesse an der Geschichte habe. Die E-Mail aber habe er nicht im Wortlaut gekannt. Von der habe er erst durch den Autohändler erfahren, der ihn später kontaktiert habe, um sich über das Vorgehen des Privatdetektivs zu beschweren. Dabei habe der Autohändler dem Anwalt auch gesagt, dass er die Schulden seines Sohnes nun doch nicht übernehmen werde. Der Filius müsse lernen, selbst Verantwortung zu tragen.

Versuchte Nötigung?

In ihrem Plädoyer geht die Staatsanwältin schließlich nicht mehr von versuchter Erpressung, sondern von versuchter Nötigung aus und fordert in Anbetracht des üppigen Vorstrafenregisters des Angeklagten, der obendrein noch eine Bewährung laufen hat, eine Freiheitsstrafe von vier Monaten.

„Eine Dummheit“

Der Verteidiger plädiert für eine Geldstrafe. „Mein Mandant gehört nicht ins Gefängnis“, sagt er. Der Anlass sei zu gering, dafür nun länger in Haft zu müssen. Der Angeklagte habe Arbeit, zahle Unterhalt für seine Tochter und auch der Bewährungshelfer sei zufrieden mit ihm. In seinem letzten Wort beteuert der 53-Jährige, dass die Mail nicht als Erpressung gedacht gewesen sei. „Es war eine Dummheit und tut mir leid.“

Richter André Gläßl verurteilt den 53-Jährigen wegen versuchter Nötigung zu einer Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu je 50 Euro und legt ihm auch die Kosten des Verfahrens auf. Zwar sei es mit der guten Sozialprognose des 53-Jährigen nicht so weit her, immerhin werde er seit 20 Jahren immer wieder straffällig, woran scheinbar auch ein erster Gefängnisaufenthalt nichts geändert habe, die aktuelle Tat aber sei nicht so schwerwiegend zu werten, dass sie eine erneute Haft rechtfertige.

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