Amtsgericht Hersbruck

Angeklagter wollte Verein für sich blechen lassen

Verhandlung vor dem Amtsgericht Hersbruck. | Foto: recht_schoen - stock.adobe.com2021/11/ger.jpg

HERSBRUCK – Private Rechnungen über die Vereinskasse bezahlen? Böser Fehler, wie ein Mann aus Lauf feststellen musste: Er musste sich deshalb vor dem Hersbrucker Amtsgericht verantworten. Die Anklage lautete auf Untreue.

Der heute 36-Jährige war 2019 Vorsitzender eines Laufer Vereins. Laut Anklageschrift soll er im Dezember 2019 eine private Rechnung in Höhe von knapp 500 Euro über das Vereinskonto beglichen haben. Vereinsmitglieder hätten ihn daraufhin angezeigt.

Sein Verteidiger widerspricht, sagt, es sei keine Untreue gewesen: Weil sein Mandant auch als Trainer tätig gewesen sei, habe er regelmäßig eine Vergütung bekommen, mit der die Abbuchung kurz darauf verrechnet worden sei. Der Fehler des Angeklagten sei lediglich gewesen, dass er seine Vergütung erst hätte abwarten müssen, bevor er die private Rechnung beglich.

Auch der 36-Jährige selbst gesteht den Fehler ein, beteuert aber, die Verrechnung mit seiner Trainervergütung sei mit der Kassenwartin abgesprochen gewesen. Sie habe die Rechnung dann vom Vereinskonto überwiesen, nicht er selbst. Wieso er es denn so eilig hatte zu zahlen, wollte die Staatsanwältin wissen: Seine Vergütung sei ja nur wenige Tage später fällig gewesen. Er habe es „vom Tisch haben wollen“, sei aber zu diesem Zeitpunkt nicht flüssig gewesen, antwortet der Angeklagte.

Keine Absprache?

Ein als Zeuge geladener Polizist sollte Auskunft über ein damals geführtes Gespräch mit der Kassenwartin geben. Laut dieser sei die private Rechnung des Angeklagten mit Vereinsbezug deklariert gewesen, Nachfragen habe er nicht zugelassen. Zudem habe es im Verein wohl schon öfter Unmut bezüglich seiner Abrechnungen gegeben. Eine Absprache zwischen der Kassenwartin und dem Angeklagten wegen einer Verrechnung konnte der Beamte nicht bestätigen – danach habe er damals nicht gefragt.

Der Verteidiger regt daraufhin eine Einstellung des Verfahrens an – doch die Staatsanwältin will sich nicht darauf einlassen, für sie handelt es sich eindeutig um Untreue. Schließlich kommt er mit seinem Mandanten überein, dass sie den Einspruch, den sie gegen den vorausgehenden Strafbefehl eingelegt hatten, zurücknehmen. Der Laufer muss somit die ursprünglich angesetzte Geldstrafe zahlen.

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