Interview mit Rainer Wölfel zum Tag der Regionen

Wie sähe die Welt ohne Regionaltheke aus?

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Neben Ausrichter Neunkirchen und dem Landratsamt ist das Naturschutzzentrum Wengleinpark ebenfalls Mitveranstalter des diesjährigen Tages der Regionen. Genau genommen hat Letzteres das Nachhaltigkeitsevent sogar erfunden und zu dem gemacht, was es heute ist. Im Interview: Geschäftsführer Rainer Wölfel.    

Der Landkreis war beim Regionaltag ein echter Vorreiter. Schon 1998 gab es im Nürnberger Land die erste grüne Messe dieser Art, ein Jahr bevor sich der „Tag der Regionen“ bundesweit zu etablieren begann. Sie sind von Anfang an dabei – wie kam es damals zu der Idee?

Rainer Wölfel: Das war eine Entwicklung, die parallel mit anderen lief. Wir als Naturschutzzentrum Wengleinpark wollten einen Aktionstag „Regional genießen“ durchführen, zeitgleich hat der Feuchtwanger Verein „Artenreiches Land – Lebenswerte Stadt“ etwas Ähnliches gemacht. Daraus ist im Jahr darauf der „Tag der Regionen“ entstanden.

Worum ging es damals? Und was ist davon heute noch gültig?

Wölfel: Die Grundausrichtung ist schon immer noch so ähnlich. Vor 15 Jahren ging es darum, das Positive des Naturschutzes hervorzuheben, statt immer nur von Verboten zu reden. Das geht, wenn man sich den Zusammenhang zwischen Einkaufsverhalten und Landschaftsbild klarmacht. Wer Geld für Regionalprodukte ausgibt, verbessert damit auch die Qualität seiner Umgebung, seiner Heimat.

Wie sähe die Welt aus, wenn man das ignoriert?

Wölfel: Wenn alle Verbraucher immer nur möglichst billig einkaufen, dann hätten wir bald nur noch Schlafstädte, industrialisierte Landschaften und keine starke Landwirtschaft mehr. Es geht darum, den Erholungswert der Landschaft, ihre gewachsene kleinteilige und vielfältige Struktur zu erhalten. Zum Beispiel die Hutanger, die ehemaligen Rinderweiden.

2008 in Offenhausen war erstmals die 10.000-Zuschauer-Marke überschritten, zehn Jahre zuvor war das Interesse aber auch schon groß …

Wölfel: Da kamen um die 3000 Besucher. Damit hatten wir sicherlich den ersten Verkehrsstau in der Geschichte Unterkrumbachs verursacht.

Was ist das Geheimnis dieses Besuchererfolgs?

Wölfel: Die Mischung macht’s. Wir bieten Landwirten, Künstlern, Gewerbetreibenden, sozialen Unternehmen und vielen anderen ein Forum. In diesem besonderen Flair trifft man sich gerne, trifft ganz zwanglos Bekannte. Es gibt auch etliche Stammgäste, die von Anfang an dabei sind und jedes Jahr wiederkommen.

Was hat diese Präsentation dem Regionalgedanken gebracht?

Wölfel: Man sieht es in der Gastronomie: Vor Ort erzeugte Zutaten und Produkte haben einen ganz andere Stellenwert bekommen. Früher galt heimische Kost als rückständig, heute ist diese Küche richtig modern geworden. Vor allem hat das dazu geführt, dass sich die heimischen Direktvermarkter etabliert haben.

Wo wäre noch Luft nach oben?

Wölfel: Bei der Fleischerzeugung und beim Streuobstanbau wäre sicher noch deutlich mehr drin.

Interview: Michael Scholz

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N-Land Clemens Fischer
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