Zu wenig ABC-Schützen im Landkreis

Ganztagesbetreuung, wie hier an der Laufer Kunigundenschule, liegt im Trend: Ab dem kommenden Schuljahrgibt es auch an der Laufer Bertleingrundschule und der Grundschule Neunkirchen gebundene Ganztagesklassen Foto: PZ-Archiv2009/09/20090910_kuniganztagmecklenburg1_big.jpg

NÜRNBERGER LAND – «Der demografische Wandel macht auch uns zu schaffen – dennoch ist es unser Ziel, alle unsere Schulen auf absehbare Zeit zu erhalten», so Schulamtsleiter Hans Joachim Jenchen beim Pressegespräch zum Schuljahresbeginn. Die große Herausforderung, an der im Moment gearbeitet wird, ist die Bildung von Mittelschulen. Hier ist das Nürnberger Land als Pilotschulamtsbezirk ein Vorreiter.

Schon 2010 sollen im Landkreis die ersten «Mittelschul-Prädikate» vergeben werden. Als Voraussetzung dafür müssen die Schulen einen M-Abschluss, also die mittlere Reife, ermöglichen, sie müssen ein Ganztagesangebot haben und die drei Zweige Technik, Wirtschaft und Soziales anbieten. Kann eine Schule das nicht allein stemmen, muss sie einen Schulverbund eingehen.

Fein heraus ist die Röthenbacher Hauptschule, die alle Voraussetzungen aus eigener Kraft erfüllt (die PZ berichtete). «In Lauf liegt es nahe, dass Bertlein- und Kunigundenschule einen Schulverbund eingehen, was ohne kommunale Grenzen und durch die räumliche Nähe kaum ein Problem darstellen dürfte», so Jenchen. Schnaittach muss sich «bald» entscheiden, ob es mit in den Laufer Schulverbund will oder aber sich in Richtung Eckental orientieren will.

Doch auch was die Zukunft der Mittelschule angeht, gibt Jenchen zu bedenken: «Unsere Konzepte sollen für fünf Jahre Bestand haben – darüber hinaus können wir auch keine Garantien aussprechen.»

Was die Einteilung der neuen ersten Klassen angeht, stellte nur die Konstellation in Kirchröttenbach das Schulamt im Vorfeld vor Probleme, doch auch hier ist man überzeugt, eine für alle Seiten tragbare Lösung gefunden zu haben.

9115 Schüler besuchen im neuen Schuljahr die 37 Grund- und Hauptschulen im Nürnberger Land. Das sind 313 weniger als im Vorjahr. Bei den Abc-Schützen fällt der Rückgang besonders stark ins Gewicht: 1531 Schulanfängern aus dem Vorjahr stehen nur 1428 in diesem Jahr gegenüber.

Entsprechend gesunken ist auch die Zahl der Klassen und die durchschnittliche Schülerzahl. Was die Klassenhöchststärken angeht, hatte Jenchen auch gute Nachrichten zu überbringen: Bei den Schulanfängern liegt sie landkreisweit bei 29 – das Kultusministerium strebt 25 an, doch das könne nur sukzessive erreicht werden.

Alle anderen Jahrgänge haben Klassen mit höchstens 30 Schülern. In Klassen, in denen mehr als die Hälfte der Schüler einen Migrationshintergrund haben, dürfen nach einer neuen Regelung nur noch maximal 25 Kinder sein – davon profitiert im Landkreis aber nur die Laufer Bertleinschule.

Und noch mehr Neuerungen gibt es in der Bertleinstraße: Erstmals wird hier eine gebundene Ganztagsgrundschule angeboten, ebenso wie in Neunkirchen. Im Unterschied zur offenen Ganztagesbetreuung, in die die Kinder je nach Bedarf gehen können, ist in der gebundenen Ganztagsschule den ganzen Tag Unterricht.

Bei weiter sinkenden Schülerzahlen könnte klassenübergreifender Unterricht ein zukunftsweisendes Modell sein – gerade an der Grundschule.

An der Röthenbacher Forstersbergschule habe man konzeptionell komplett auf diese Unterrichtsform umgestellt und nur die besten Erfahrungen damit gemacht, so Jenchen. Auch in Ottensoos, wo zu geringe Schülerzahlen eine kombinierte erste und zweite Klasse nötig gemacht hatten, ist man inzwischen offensichtlich von dem Modell überzeugt: «Wir haben keine einzige negative Äußerung von Eltern gehört», zeigte sich Hans Joachim Jenchen erfreut.

Julia Ziegler

Nichts Neues verpassen! - Newsletter abonnieren