Neuer Bebauungsplan ist beschlossen

Schickedanz-Areal ist durch

Beschlossen ist nur dieser neue Bebauungsplan, noch nicht die Bebauung. Möglich ist Gewerbe oben entlang der Poststraße, darunter vor allem Wohnungen in zwei Blocks. Die drei Blocks, in denen eine Bebauung möglich ist, sind blau markiert.
Beschlossen ist nur dieser neue Bebauungsplan, noch nicht die Bebauung. Möglich ist Gewerbe oben entlang der Poststraße, darunter vor allem Wohnungen in zwei Blocks. Die drei Blocks, in denen eine Bebauung möglich ist, sind blau markiert.2016/12/IMG_0004.jpg

HERSBRUCK – Mit 8:1 Stimmen hat der Hersbrucker Bauausschuss die Neustrukturierung des Schickedanz-Areal beschlossen. Vier Behörden, der Bund Naturschutz und 22 Bürger hatten Einwände, denen Stadt und Stadträte teils folgten. Es bleibt aber beim Grundkonzept von drei Blöcken: Läden, Ärzte und Dienstleister entlang der Poststraße, hauptsächlich Wohnungen im Süden, wo auch Kleingewerbe zulässig ist.

Die Zuschauerreihen waren gut gefüllt, Walter Maisel als Grundstückseigner des größeren südlichen Teils war ebenso da wie etliche Anwohner und auch Kritiker der Pläne. Sie bekamen zunächst live mit, wie der Antrag der Grünen abgelehnt wurde, eine Entscheidung bis zur Januarsitzung zu verschieben. Bürgermeister Robert Ilg leitete ein: „Sie werden sehen, dass viele Dinge die an uns herangetragen wurden – besonders aus einem Gespräch mit dem Runden Tisch – hier mit eingeflossen sind. Natürlich nicht zu hundert Prozent.“

Stadtbaumeister Lothar Grimm wurde in einer Präsentation genauer: Er ging Punkt für Punkt die Kritikpunkte aus den Stellungnahmen durch und zeigte auf, was davon berücksichtigt wurde und was warum nicht. Er warb darum, dass die Ausschussmitglieder dieser Abwägung folgen. Im Einzelnen hat sich zum ersten Entwurf vom Oktober geändert:

– die westliche Baugrenze am Lohweg ist einen Meter nach innen verschoben
– der Abstand Staffelgeschoss am Lohweg ist um einen halben Meter nach innen verschoben
– ein südlicher Vorsprung der Baugrenzen am Lohweg fällt weg
– keine Walmdächer, nur noch Satteldächer
– die Zwischenbauten in der Poststraße müssen an der Front giebelständige Satteldächer sein
– Gauben sind auf ein Drittel der Trauflänge beschränkt, Zwerchhäuserhaben Sattel- oder Schleppdach, Abstand ein Meter vom First
– haustechnische Anlagen dürfen die Gebäudehöhe nicht mehr überragen
– entlang Schickendanz-Straße und Lohweg ist die Attikahöhe auf 9,50 Meter beschränkt, die Traufhöhe bleibt bei zehn Metern
– Kohle- und Erdöl-Heizungen sind ausgeschlossen; Maßnahmen für den Anschluss einer Kraft-Wärme-Kopplung sind zu treffen
– der öffentliche Fußweg zwischen dem nördlichen Block und den beiden südlichen bekommt eine Aufweitung als Platz; Abweichungen bis zu drei Meter von der Wegführung sind zulässig
– wasserdurchlässige Beläge für Parkflächen sind vorgeschrieben
– Zäune dürfen nicht höher wie 1,20 Meter sein, wie in der direkten Umgebung.

Es bleibt bei zulässigen vier Geschossen, davon die oberste Etage als Dach- oder Staffelgeschoss. Etliche historische Häuser in der Altstadt seien ähnlich groß, argumentierte Grimm, zum Beispiel in der Pragerstraße. Zu den maximal zehn Meter Höhe (Poststraße 16 Meter) und auch zur Blockbebauung sagte der Stadtbaumeister: Es handele sich um die letzte große Fläche in der Kernstadt, er habe den Auftrag nachzuverdichten: „Wo, wenn nicht hier?“ Eine Studie zum Schattenwurf habe ergeben, dass die Situation für die Anwohner akzeptabel sei.

Auch beim Stellplatzschlüssel von 1,2 (1 für die Bewohner, 0,2 für Gäste) bleibe es, weil wer in die Stadt ziehe doch auch dort leben und die gute Infrastruktur nutzen wolle. Die Ausweisung als Kerngebiet (Poststraße) und Mischgebiet sei sinnvoll. „Ich denke, das Ganze wird sich in Hersbruck sehr gut einfügen“, meinte Grimm abschließend. Wobei Bürgermeister Ilg deutlich darauf hinwies, dass es sich beim Teil entlang der Poststraße um reine „Zukunftsmusik“ handele, weil die beiden Gebäude dort bisher nicht zum Verkauf stehen.

Kritik und die eine Gegenstimme kamen von dem „Grünen“ Marcus Seitz, dem die „kasernenähnlichen Gebäude“ nicht gefallen, der den „eigenen Willen“ eines jeden Stadtrats auch für sich reklamierte und der daran erinnerte, dass „wir jetzt die Wähler sind“. Bürgermeister Ilg empfand seinen Beitrag für „einigermaßen schwer zu ertragen“ und erklärte ihn mit seiner „Philosophie von Schönheit“ für unsachlich. Alle übrigen Fraktionen mit den Sprechern Peter Uschalt, Götz Reichel, Guido Schmidt und Irmgard Raum lobten den jetzt weiterentwickelten Bebauungsplan als „gelungen“ und „schön“.

Uschalt erwiderte auf Seitz, „ja, dieser Bauausschuss ist ein gewähltes Gremium der Stadt und wird sich vor der Entscheidung nicht drücken“. Er dankte – neben dem Stadtbauamt – als einziger Stadtrat den vielen Bürgern, die sich mit eingebracht haben und so wie alle anderen Akteure zu einem „äußerst gelungenen Gesamtbild“ beigetragen hätten. Irmgard Raum fragte sich dagegen laut, warum sich ein Bund Naturschutz in seiner Stellungnahme mit Dachformen beschäftige und ob ein Einwand des Vereins Gegenwind überhaupt angebracht sei. Ihrem Rathausblock-Kollegen Robert Ilg sprach sie damit „aus dem Herzen“, wie dieser anmerkte. Er sei jetzt froh über diese „Weiterentwicklung“ der Stadt.

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