Stottern und Staatsschutz

Turbulente Familienkomödie in Henfenfeld

Laura Scharf, Erika Hahn und Hannes Ertel (v. links) sorgten für viele Lacher. | Foto: J. Dechant2020/01/Scharf-Hahn-Ertel-9102-scaled.jpg

HENFENFELD – Doppelte Premiere in der Henfenfelder Schulsporthalle: Nach Abschluss der Bauarbeiten gab es in der neuen Umgebung die erste Aufführung einer turbulenten Komödie. Die Mimen des Sportvereins spielten Hans Schimmels Dreiakter „Für die Familie kann man nichts“.

Der Blick auf die Bühne zeigt das Wohnzimmer der Geschwister Beierle, wo Friedhelm (Jörg Eichenmüller) hochkonzentriert seine Steuer erledigen will. Prompt wird er gestört, sein Bruder Hubbi (Hannes Ertel), Erfinder, will ihm seine neueste technische Errungenschaft vorführen.

Gleich darauf kommt der weitere Bruder Willi (Roland Mayer), der als Computerfreak ständig Probleme schafft, weil er die Netzwerke der Regierung hackt. Als Schwester Hermine (Erika Hahn) hinzukommt, ist die Familie vollständig versammelt. Hermine hat einen Spleen, der allen gewaltig stinkt: Seit ihrem Indientrip ist für sie Waschen tabu.

Schwere Buchstaben

Binnen kürzester Zeit kochte der Saal, vor allem wegen des Sprachfehlers von Hubbi, der extrem stottert. Friedhelm erwartet Traudel Siebert (Nicole Kratzer): Sie arbeitete früher beim Finanzamt und soll ihm helfen. Statt ihr kommt Gerd Hollerbichel (Jonas Haas), der beim Verfassungsschutz arbeitet.

Nachdem endlich Traudel Siebert eingetroffen ist, soll alles seinen geregelten Gang gehen. Das Vorhaben platzt, denn Traudel verträgt keinen Alkohol, der löst bei ihr seltsame Wandlungen aus. Eine gute Freundin von Hermine ist Gundula Strauß (Laura Scharf), die im Stottern Hubbi in nichts nachsteht. Bei den Dialogen zwischen Hubbi und Gundula bleibt im Publikum kein Auge trocken.

Als die Hauseigentümerin Gertrud Wollensiek (Helene Knarr) auftaucht, gibt es Ärger, denn der permanente Gestank in der Wohnung – wegen Hermine – sorgt für Unmut. Gertrud will mit Friedhelm anbandeln. Doch sie hat keine Chance, weil dieser mit Doris Stüber (Lisa Hugel) verlobt ist. Eine merkwürdige Erscheinung ist „Albert“ (Reinhard Sperber).

Übernatürliches Gelächter

Im Saal herrscht bei der Aufführung Dauergelächter, zumal das Lokalkolorit zusätzlich für Heiterkeit sorgt. Den Höhepunkt bildet eine „Séance“, bei der Beierle Geister beschwören will.

Jörg Eichenmüller spielte sehr erhaben das „weiße Schaf“ in der Familie, seine Schauspielkunst zog sich als roter Faden durch das Geschehen. Erika Hahn stehen übertriebene Rollen – ein stimmgewaltiger und resoluter Auftritt.

Turbulent war das Spiel von Roland Mayer, vor allem bei seinen wortgewaltigen Monologen. Hannes Ertel brachte mit seinen „Erfindungen“ und dem gekonnten Stottern das Publikum zum Dauergelächter. Auch Laura Scharf schaffte es, das Stottern durchzustehen – eine Glanzleistung.

Lisa Hugel ist der Inbegriff der netten, höflichen Dame. Ihr Auftritt war quasi der gelungene Gegenpol zur überspannten Hermine. Bei Helene Knarr tobte das Publikum. Auslöser dafür waren extravagante Kleidung, Mimik und Tonfall. Nicole Kratzer zeigte beim Debüt virtuos ihre Vielseitigkeit.

Albert leb-, Souffleur arbeitslos

Reinhard Sperber wirkte bedingt durch seine Rolle etwas leblos. Er bewies sich als fabelhafter Pantomime, der sein strenges Schweigegelübde konsequent durchzog. Als Souffleur hatte Thomas Mayer wenig zu tun im Gegensatz zu Horst Wilhelm, der professionell für die Licht- und Tontechnik verantwortlich war.

Es gab im Stück sehr oft Szenenbeifall, am Schluss tosenden Applaus für eine Schauspieltruppe, die eine feste Größe im Umland und ein Publikumsmagnet geworden ist.

Eine letzte Aufführung gibt es in der Schulsporthalle am Samstag, 11. Januar, um 19.30 Uhr.

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