Ausstellung in Diepoltsdorf

Ein Dorf in Bildern

Johann Taufer – Hausname „Summerer“ – war Hopfenbauer. Dieses Bild entstand wohl in den 50er- oder 60er-Jahren.
Johann Taufer – Hausname „Summerer“ – war Hopfenbauer. Dieses Bild entstand wohl in den 50er- oder 60er-Jahren. | Foto: Ausstellung 700 Jahre Diepoltsdorf2019/07/hopfenbauer-diepoltsdorf-ausstellung-700-jahre.jpg

DIEPOLTSDORF – Vor allem Kittelschürzen und Kopftücher sind auf den Schwarzweißfotos zu sehen. Doch plötzlich taucht eine junge Frau in Jeans auf. Die Zeiten ändern sich eben, auch beim Hopfenpflücken in Diepoltsdorf. Viele solcher Entdeckungen kann man beim Besuch einer Fotoausstellung machen, die der Dorfverein zur 700-Jahr-Feier des Simmelsdorfer Ortsteils zusammengetragen hat.

Sie dokumentiert das Dorf­leben im vergangenen Jahrhundert, zeigt etwa die Behelfswohnungen, in denen nach dem Krieg Flüchtlinge und Ausgebombte unterkamen, den Hang­rutsch von 1970, an den sich viele Diepoltsdorfer noch erinnern, oder die Gasthäuser des Ortes, von denen heute keines mehr übrig ist. „Drei Bäckereien und drei Kolonialwarenhändler gab es“, erinnert sich der 81-jährige Eduard Haas. Und auch einen Schuster, wie ein Foto beweist, das wohl nach dem Krieg entstanden ist: Auf ihm stehen zwei Beinamputierte vor dem Geschäft an.

Viele erkennen sich wieder

Die Geschichte des Orts am Zusammenfluss von Naifer und Ittlinger Bach wird auf diese Weise lebendig. Das war die Absicht hinter der Ausstellung, sagt Joachim Gribl vom Dorfverein. „Viele Leute erkennen sich auf den Fotos wieder, andere suchen zum Beispiel auf alten Klassenfotos, ob sie jemanden kennen.“

Die alte Rastanlage am Hienberg musste in den 90er-Jahren dem Ausbau der A9 weichen. | Foto: Ausstellung 700 Jahre Diepoltsdorf2019/07/rastanlage-hienberg-historisch-diepoltdorf-ausstellung.jpg

Die Diepoltsdorfer haben ihre Familien-Schatzkästchen dafür geöffnet, nach alten Aufnahmen gekramt. Reinhold Schuster, der, wie Gribl sagt, „bei jedem Anlass fotografiert hat“, trug mit seiner großen Sammlung einen weiteren Teil bei.

Dass die Fotos im alten Schulhaus an der Achtelstraße voraussichtlich bis Mitte Oktober höchst professionell auf Schauwänden präsentiert werden können, ist einem glücklichen Zufall zu verdanken: Die Einrichtung stammt von der Luther-Landesausstellung, die 2017 in Coburg zu sehen war. Gribl hatte den richtigen Riecher, fragte das Haus der Bayerischen Geschichte – und das spendete die Wände nach dem Ende der Coburger Schau.

Zu sehen ist übrigens auch eine Kopie der Urkunde von 1319, in der Diepoltsdorf zum ersten Mal erwähnt wird.

Geöffnet ist die Ausstellung im alten Schulhaus an der Ortsdurchfahrt unter anderem am Sonntag, 28. Juli, also am großen Festtag zum 700. Jubiläum. Wer nicht so lange warten will: Diesen Sonntag, 7. Juli, feiert die Diepoltsdorfer Feuerwehr ihr Grillfest (10 bis 20 Uhr). Auch bei dieser Gelegenheit kann man sich die Fotos anschauen.

N-Land Andreas Sichelstiel
Andreas Sichelstiel