Eröffnung am 8. Juli

Eine Milchtankstelle in Reichenschwand

In diesem Häuschen direkt an der B 14 stehen bald die Automaten, an denen sich die Rohmilch von den Kühen der Familie Schmidt zapfen lässt.
In diesem Häuschen direkt an der B 14 stehen bald die Automaten, an denen sich die Rohmilch von den Kühen der Familie Schmidt zapfen lässt. | Foto: A. Pitsch2017/06/IMG_1252.jpg
REICHENSCHWAND – Seit Wochen rätseln viele, was da in Reichenschwand direkt an der B 14 wohl entsteht: Einem leeren Plätzchen folgte ein Holzhüttchen. Jetzt verrät ein Schild – es wird eine Milchtankstelle, eine der ersten im Landkreis. Am 8. Juli um 11 Uhr eröffnen Hans-Peter und Claudia Schmidt die „Milchtanke“ auf ihrem Hof. „Ich freue mich da jetzt total drauf“, sagt Hans-Peter Schmidt. Gemeinsam mit seiner Frau Claudia und den Töchtern bewirtschaftet er den Hof mit 25 Milchkühen. Die geben im Schnitt alle zwei Tage 800 Liter Milch. „Damit sind wir schon an der unteren Grenze der Hofgröße.“ Diese gespannte Vorfreude, wie die Milchtankstelle wohl angenommen wird, musste ebenso wachsen wie das gesamte Projekt. Ausschlaggebender Punkt waren der sich im Sinkflug befindende Milchpreis im vergangenen Sommer sowie die starken Preisschwankungen. „Da haben wir nur 21 oder 22 Cent netto für den Liter bekommen, und zwar für lange Zeit“, blicken die beiden zurück. Das bedeutete rund ein Drittel an Einbußen. „Wir mussten schon ans Ersparte ran, so schwierig war es für uns geworden“, gibt Claudia Schmidt preis. Ab diesem Zeitpunkt überlegte die Familie, was sie tun könnte. Letztlich lieferten Bekannte und Freunde immer wieder die gleiche Anregung – eine Milchtankstelle. Der Standort sei doch ideal, die Lage an der Bundesstraße müssten sie sich zu Nutze machen, das wäre doch eine super Sache – mit solchen Sätzen wurden Schmidts motiviert. „Dieser positive Schub war wichtig für uns“, sagen sie. Also fingen sie ab Januar mit den konkreten Planungen an, besuchten verschiedene ähnliche Projekte, die sie vor allem in der Oberpfalz und in der Fränkischen Schweiz fanden. „Wir wären hier im Landkreis fast die Vorreiter gewesen, aber ein Bauer in Winn bei Altdorf hat Pfingsten eröffnet“, erzählt Claudia Schmidt. Ein Anbieter an der B 2 verkauft 60 bis 70 Liter Rohmilch am Tag, haben sie erfahren. „Schaffen wir das auch? Welche Tankgröße brauchen wir? Wie funktioniert das alles? Gibt es Förderungen und an welche Vorschriften müssen wir uns halten?“ Solche Gedanken schossen den beiden durch den Kopf. Über die Wochen und Monate klärte sich, dass „das Häusle auf der Flurnummer der Produktionsstätte stehen muss“. Daher räumten Schmidts ein Eck im Garten für die Holzhütte frei, in die ein riesiger Kühlschrank samt Automat eingebaut wird. So kann die Milchtanke rund um die Uhr offen sein. „Förderungen gibt es bislang keine.“ Entschieden hat sich die Familie für zwei 150-Liter-Tanks. „Die gemolkene und gekühlte Milch füllen wir gleich in der Milchkammer da ein und verdeckeln die Tanks“, erklärt Claudia Schmidt. So bleibt die Rohmilch – „Das müssen wir ausschildern“ – sauber und die Vorschriften des Gesundheitsamts, das die Anlage abnimmt, werden erfüllt. Zwei gekühlte Tanks Im Automaten wird die Milch dann gerührt, „sonst setzt sich Rahm ab“, und konstant bei rund fünf Grad kühl gehalten. Wer sich nun Rohmilch zapfen möchte, schmeißt einen Euro ein und erhält dafür einen Liter des weißen Getränks. „Wenn der eine Tank leer ist, wird automatisch auf den anderen umgeschaltet“, klärt Hans-Peter Schmidt auf. Auf diese Weise kann die Familie jeden Tag 24 Stunden lang frische Milch anbieten: „Das ist uns ein großes Anliegen.“ Wer sich Schmidts Rohmilch ab 8. Juli holen möchte, nimmt entweder einen eigenen Behälter mit oder kauft sich vor Ort für einen Euro eine Glasflasche – mit einem Etikett, das das gleiche Design wie das große Schild an der Straße aufweist. „Den Tipp haben wir von Freunden, die meinten, dass das ein guter Werbeeffekt ist“, sagt Hans-Peter Schmidt. Bei so viel Unterstützung kann die Milchtankstelle ja nur ein Erfolg werden. Schmidts hoffen, mit ihrem Angebot den regionalen Gedanken vieler zu treffen und junge Familien zu erreichen. „Viele haben schon gesagt, wir kommen auf alle Fälle.“ Familie Schmidt ist gespannt und bereit für die neue Form der Milchvermarktung.
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