Frank-Markus Barwasser in Röthenbach

Erwin Pelzig spuckt Gift und Galle

Barwassers Programm "Weg von hier" ist ein kritischer Ritt von Erwin Pelzig durch alle gesellschaftlichen Themen dieser Tage. | Foto: Andrea Beck2020/03/Erwin-Pelzig-Karl-Diehl-Halle-Rothenbach-60320-Weg-von-hier-Foto-abe-scaled.jpg

RÖTHENBACH – Frank-Markus Barwasser ist wütend. Wütend auf Parteien, Banken, Politiker, Internetkonzerne und das Konsumverhalten der Deutschen. So wirkt es jedenfalls, wenn er in seinem aktuellen Programm „Weg von hier“ als Erwin Pelzig mit extremen Tempo durch die gesellschaftspolitischen Themen dieser Tage reitet und dabei Gift und Galle spuckt.   

Sein Auftritt ist nichts für Fans der seichten Comedy. Frank-Markus Barwasser fordert seine Zuhörer, will sie zum Nachdenken anregen und so brummt manch einem der Schädel, nachdem Erwin Pelzig nach drei Stunden in der Röthenbacher Karl-Diehl-Halle seinen aggressiven Rundumschlag beendet hatte.

Nach einer mehrjährigen Pause steht Barwasser seit 2017 wieder mit „Cord-Hüdli“, rot-weiß-kariertem Hemd und braunem Herrentäschle auf den Bühnen Deutschlands und Österreichs. Diese Markenzeichen sind ebenso Teil der Figur Erwin Pelzig, wie seine schnelle Sprechweise mit mainfränkischen Akzent. 

Dr. Göbel will nicht an allem schuld sein

Wenn sich dann Barwassers zweites Alter-Ego, der Wein trinkende Kirchenbestuhler Dr. Göbel, darüber aufregt, dass er nicht mehr an allem schuld sein und alles entscheiden will, stellt sich die Frage, wann der 60-jährige Kabarettist aus Würzburg zwischen seinen Sätzen eigentlich Luft holt. 

Barwassers Stammtischrunden der Charaktere Erwin Pelzig, Dr. Göbel und Hartmut zählen zu den Lieblingsstellen des Publikums. Da macht es auch nichts, dass Barwassers Tirade der schweren Entscheidungen vielen Zuhörern bereits bekannt ist. „Wenn ich fliege, bin ich verantwortlich für die Umweltverschmutzung und wenn ich nicht fliege, bin ich verantwortlich für die Altersarmut der Piloten. Ich bin so müde“, sagt Dr. Göbel und alle wissen, was er meint. 

Doch der provozierende Barwasser lässt auch das Publikum nicht ungeschoren davon kommen.  SUV-Fahrer, Parteimitglieder, Journalisten und viele mehr müssen so manche Spitze des Erwin Pelzig ertragen. „Ein Zuschauer hat mir direkt nach meinem Auftritt geschrieben, dass ich wohl andeuten wollte, dass alle SUV-Fahrer blöd sind. Aber das sieht er falsch, ich wollte es nicht andeuten, sondern ich wollte sagen, dass alle SUV-Fahrer blöd sind“, sagt Pelzig. 

Für „Weg von hier“ hat sich der Historiker und Politikwissenschaftler Barwasser offensichtlich durch Berge von Informationen gegraben. Es geht um das Schattenbankensystem und um Steueroasen, durch die Unternehmen wie Apple auf eine Millionen Euro Gewinn 50 Euro Steuern zahlen. Barwasser erzählt von Apps der Generation „Digital Natives“, die dafür sorgen, dass I-Pads beim Umblättern von Textseiten den Geruch von Papier simulieren und von Robotern, die in Zukunft fast jedes Handwerk übernehmen.

Immanuel Kant ist das große Vorbild

Immer, wenn es scheint, als würde sich Pelzig in einem Schwall von Kritik verlieren und vor Wut platzen, bringen ihn Zitate des Aufklärers Immanuel Kant wieder zur Ruhe und er wird zum Lehrer seiner Zuschauer. 

Nachdem er sich aufgeregt hat über den wachsenden Rechtsextremismus in Deutschland, über die Internetnutzer, die sich in ihren Filterblasen zurück ziehen, über die Kritiker des Klimawandels und die der Flüchtlingspolitik, zitiert er Kants Thesen und übersetzt sie ins Fränkische. Zum Beispiel den Kategorischen Imperativ: „Das heißt, du sollst kein Arschloch sein“, sagt Pelzig und gleich morgen werde er damit anfangen. 

„Wenn mich jemand anlügt, lüge ich nicht zurück, ich verbringe meinen Sommerurlaub in Sachsen, zur Förderung der deutschen Einheit und ich schicke danach den Bademantel und den Duschkopf wieder an das Hotel zurück“, sagt Pelzig.

Auch wenn sich Pelzig manchmal in seinen Themenketten verliert, sind die Zuschauer begeistert und auf einen langen Applaus folgt nur eine kurze Zugabe, denn „ich weiß ja, dass sie nach drei Stunden und so vielen Themen müde sind“, so Pelzig.

N-Land Andrea Beck
Andrea Beck