In der Schnaittach

Der Signalkrebs: „Ein gefährlicher Bursche“

Sieht eigentlich ganz harmlos aus, bedroht aber einheimische Edel- und Steinkrebse: der aus Nordamerika stammende Signalkrebs. Dieses Exemplar war in der Schnaittach unterwegs. | Foto: Friedewald2020/09/Flusskrebs-Signalkrebs-in-der-Schnaittach-Friedewald-3.jpg

NÜRNBERGER LAND – Was einst als gute Idee zur Wiederansiedlung von Flusskrebsen in lokalen Gewässern begann, entpuppt sich nun auch im Nürnberger Land als Gefahr für heimische Schalentiere: Eingeschleppte nordamerikanische Krebse machen sich in Flüssen breit und übertragen ihren europäischen Artgenossen die für sie tödliche Krebspest.

Klar ist, dass die Tiere nun auch in der Schnaittach eine neue Heimat gefunden haben. Wegen der blaugrünen Farbe an den Gelenkscheren ist sich Gewässerwart Alois Burger vom Fischerei­verein Untere Pegnitz sicher: Bei dem Flusskrebs, den ein Mitarbeiter der Pegnitz-Zeitung in der Schnaittach gefunden hat, handelt es sich um einen nordamerikanischen Signalkrebs. Wie der Kamberkrebs und der Sumpfkrebs bedroht der Signalkrebs die ohnehin vom Aussterben bedrohten heimischen Edel- und Steinkrebse.

Tiere sind relativ aggressiv

„Es ist eine Riesenkatastrophe, dass der Krebs dort aufgetaucht ist“, findet Thomas Vordermeier, Leiter der Fachberatung des Bezirks Mittelfranken für das Fischereiwesen. „Der Signalkrebs ist Überträger der Krebs­pest und dabei selbst dagegen immun. Außerdem ist er sehr aggressiv und greift auch Artgenossen an. Er ist ein ganz gefährlicher Bursche für die einheimischen Krebse“, sagt er.

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Bereits vor rund 120 Jahren, weiß Vordermeier, waren die heimischen Schalentiere durch die Krebspest stark dezimiert. Zur Rettung der Fischerei wurden die nordamerikanischen Arten europaweit in Flüssen angesiedelt. „Man dachte, sie reproduzieren sich schneller und geben mehr Fleisch“, so der Fachberater. Dass sie sich später als Fluch statt als Segen erweisen würden, damit hatte niemand gerechnet.

Kein Versteck mehr übrig

Vor allem in ihrem Körperbau ähneln sich heimische und eingewanderte Krebse sehr. Sie zählen zu den Allesfressern und fangen Beute, wie zum Beispiel Würmer, Fische oder auch Aas, mit ihren Zangen. Doch anders als der ebenfalls nordamerikanische Kamberkrebs dringt der Signalkrebs auch in Gewässeroberläufe und kleine Zuläufe vor, so wie das Exemplar in der Schnaittach. Dort konnten sich die einheimischen Arten bisher eigentlich vor den Fremden schützen. „Außerdem graben sie gerne Höhlen und Löcher in Flussufer. Das führt dazu, dass die Ufer absacken“, erklärt Jonas Raab, Fachbereichsleiter der Unteren Naturschutzbehörde im Nürnberger Land.

Neozoen auf dem Vormarsch

Dass die sogenannten Neozoen, also fremde Arten, im Landkreis auf dem Vormarsch sind, weiß auch Günther Hofmann, Vorsitzender des Fischereivereins Untere Pegnitz. Bereits vor Jahren hat der Verein versucht, den Bestand an europäischen Schalentieren zu stabilisieren, indem er heimische Edelkrebse im Bitterbach bei Lauf eingesetzt hat.
„Der Edelkrebs wird gehegt und weiterverbreitet, das machen die Fischereivereine“, erklärt Hofmann. „Während die heimischen Krebse unter besonderem Schutz stehen, ist es zum Beispiel sogar verboten, einen fremden wieder ins Wasser zurückzusetzen“, fügt er an.

Denn während die mitteleuropäischen Krebse auf der Liste der gefährdeten Arten zu finden sind, zählen die Einwanderer – weil sie die biologische Vielfalt bedrohen – innerhalb der EU zu den „invasiven Arten“. Fangen darf sie allerdings nur, wer einen Fischereischein und eine Fischereiberechtigung für das Gewässer hat.

Wie viele der „Zugereisten“ sich derzeit wirklich in den heimischen Gewässern breitmachen, können die Experten nicht genau sagen. „Man würde ohnehin nicht schaffen jedes einzelne Exemplar zu fangen“, sagt Fachberater Vordermeier. Derzeit finde allerdings eine Kartierungsaktion statt, bei der herausgefunden werden soll, wo noch immer heimische Krebse wohnen und wo sich die Einwanderer breitgemacht haben.


Kartierung läuft derzeit

„Die Kartierung soll zeigen, wo Gefahren liegen, damit die Fischer wissen, ob sie Maßnahmen ergreifen müssen, wie zum Beispiel Reusen auszulegen“, erklärt Vordermeier. Und auch Jonas Raab von der Unteren Naturschutzbehörde hofft, dass sich in den kommenden Jahren etwas ändern wird: „Die EU-Verordnung zu invasiven Tier- und Pflanzenarten wird derzeit überarbeitet. Vielleicht werden dann Maßnahmen getroffen“, so Raab.

Bis dahin könne man zum Beispiel versuchen, die Oberläufe der kleinen Bäche durch Rohre oder Querbauwerke zu schützen, damit die Eindringlinge nicht zu den heimischen Krebsen vordringen, so der Tipp der Experten. Signalkrebse zu fangen, sei natürlich auch möglich. Weil sie sich schnell vermehren und schon ein Exemplar reicht, um die Pest zu verbreiten, sei das allerdings nicht sehr effektiv.

Besonderer Schutz Einheimische

Außerdem sollten Angler darauf achten, dass sich nicht doch ein Edelkrebs in der Reuse verirrt hat. Denn „die heimischen Krebse stehen unter besonderem Schutz und sind Teil des Ökosystems“, erklärt Günther Hofmann vom Fischereiverein Untere Pegnitz. Nicht so die Signalkrebse: „Wer einen fängt, muss ihn tierschutzgerecht töten und kann ihn dann verwerten. Sie schmecken gut“, fügt Fischereifachberater Vordermeier an.

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